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Unwichtige Geschichtsfälschungen
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Sigmar Salzburg
15.09.2010 18.31
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Monteverdi und der 11. September

Wie bringt man den 11.September und die Islamisierung mit Monteverdis Marienvesper zusammen? Patrick Bahners schafft es – über Eliot Gardiner, der meint, den Mu’ezzin zu hören. (Ich habe es immer für Psalmodieren gehalten):

Vor vierhundert Jahren wurde Monteverdis Marienvesper gedruckt. Der Dirigent Sir John Eliot Gardiner blickt zurück auf Festkonzerte in fünf Jahrzehnten und vernimmt in der Bitte an Gott, die die Marienvesper eröffnet, das Echo des Muezzins.

Von Patrick Bahners

… 1967 schrieb Arnold in einer Besprechung: „Ohne Zweifel haben alle Berufe ihre Risiken. Für den Monteverdiforscher birgt das größte Risiko jene Loreley der Musikwissenschaft, die Vesper von 1610. Wer sie ediert, verurteilt sich als Gelehrter zum Tode. Wer sie aufführt, muss mit einer Katastrophe rechnen…“

... Die Marienvesper hat für Gardiner etwas Levantinisches. Bevor er das Studium in Cambridge aufnahm, verbrachte er ein halbes Jahr in Syrien und im Libanon, um Arabisch zu lernen. In der Bitte an Gott, die die Marienvesper eröffnet, „Deus in adiutorium intende“, und die auch in jeder College-Vesper zu hören ist („O Lord, make speed to save us“), vernimmt Gardiner das Echo des Muezzins…
faz.net 11.9.2010

Solche Katastrophen habe ich, auch als mitwirkender Chitarronist, nie erlebt, höchstens kleine historische Unzulänglichkeiten – wie hier die „muss“-Verdeutschung im Arnold-Text.

Bahners hat übrigens in seinem Buch „Im Mantel der Geschichte: Helmut Kohl oder Die Unersetzlichkeit, Berlin 1998“ verraten, daß Helmut Kohl zur selben Zeit schon mit der Idee einer Rechtschreibreform schwanger ging: „Nach einem Aufschub von drei Jahrzehnten ist allerdings diejenige Neuregelung verwirklicht worden, die nach Kohls Planungen aus dem Epochenjahr 1968 Schul-, Verwaltungs- und Justizreform komplettieren sollte: die Reform der deutschen Rechtschreibung.“

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Sigmar Salzburg
15.09.2010 06.15
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Schrieb die Stasi schon um 1978 'reformiert'?

Er hetzte gegen die DDR – und soll für sie spioniert haben: Der Karikaturist Gernot Hilliger galt im Westen als „schnellster Portraitzeichner der Welt“ und Gegner des SED-Regimes. Erstmals komplett ausgewertete Akten legen jedoch nahe, dass er Jahrzehntelang enge Freunde an die Stasi verraten hat….

Als junger Mann verbrachte der gelernte Chemielaborant Hilliger einige Jahre in DDR-Gefängnissen. … Damals prophezeite ihm ein Mithäftling aus der Bundesrepublik, mit seinem „sentimentalen Charakter“ würde er im Westen untergehen. Jenseits der Mauer wehe ein rauer Wind. Er müsse rücksichtslos sein und korrupt, um sich drüben durchzusetzen...

Am 7. Mai 1977 soll Hilliger erstmals mit seinem Auto über den Grenzübergang Berlin-Friedrichstraße in die DDR eingereist sein, um sich in Bad Saarow mit der Stasi zu treffen. In einer Notiz von Adolf Storch heißt es über Hilliger: „Zu Beginn des Gespräches erklärte er, dass er mit mir als Privatperson sprechen möchte, nicht als Vertreter unseres Organs. Dazu habe ich ihm unmissverständlich klargelegt, dass ich als Privatperson seine Einreise zu diesem Gespräch nicht ermöglichen hätte können.“…

Laut Aktenlage machte sich der „IMB Brunnen“ im Frühjahr 1978 bei einem gemeinsamen Skiurlaub mit Jahn heimlich an dessen Tasche zu schaffen und schrieb sich sämtliche Adressen aus dem Notizbuch des Fluchthelfers heraus. … „Durch die KD (Kreisdienststelle; die Red.) Fürstenwalde wurde durch eine Operativinformation vom 26.4.78 bekannt, dass der … die Ausschleusung seiner Schwester … vorbereiten soll.“

einestages.spiegel.de 8.9.2010

Auch die „WELT“ zitiert verfälscht:

Der Spitzel bekam den Auftrag, den jungen Mann „fester an sich zu binden und auf ihn Einfluss zu nehmen“ sowie „weiter zur Isolierung von V.“ beizutragen. Ziel war es laut Stasi-Akte, den DDR-Kritiker „aus der Öffentlichkeit herauszulösen“. Hilliger sei der hinterhältigste Mensch, der ihm je begegnet sei, sagt Vogt heute.

welt.de 7.8.2010

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Sigmar Salzburg
14.09.2010 10.50
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Rechte ohne richtige Rechtschreibung?

Während die SPD mit Sarrazins Thesen hadert, will sich dieser nicht von der rechtsextremistischen NPD vereinnahmen lassen. Er zeigte die NPD, die mit seinem stilisierten Porträt und dem Spruch „Alle wissen – Sarrazin hat Recht" wirbt, wegen Verstoßes gegen das Kunst-Urhebergesetz an…

taz.de 13.9.2010

In der NPD-Homepage steht: „Alle wissen – Sarrazin hat recht“.
Auf dem abgebildeten Plakat ist jedoch alles in Versalien geschrieben.

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Sigmar Salzburg
09.08.2010 05.52
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Fälschung, diesmal nicht wegen der Rechtschreibung

... Auch die CENESEX-Chefin Mariela Castro Espín ist weit über die Grenzen Kubas hinaus als fachkundige Expertin bekannt. Doch einige Medien der Hansestadt machen aus ihrer Teilnahme einen Skandal, denn sie ist die Tochter des kubanischen Präsidenten Raúl Castro...

[Mariela Castro Espín:] Von der Zeitschrift Der Spiegel bin ich sehr enttäuscht, denn den Journalisten dort fehlt professionelle Ethik. Ich habe ihnen ein Interview gegeben, das ich mit meiner eigenen Kamera gefilmt habe, weil ich von der gegenüber Kuba feindlichen Einstellung dieser Zeitschrift wußte und sichergehen wollte, daß sie mein Interview nicht verändern. In der gedruckten Fassung hat die Redaktion Fragen eingefügt, die sie mir nie gestellt hat. Eine solche Frechheit und ein solches Fehlen von Professionalität habe ich noch nicht erlebt, nicht einmal bei Medien in den USA. Ich hatte natürlich schon Probleme mit anderen Medien, aber eine solche Feindseligkeit und eine solche Falschheit bei der Herstellung eines Interviews habe ich noch nicht erlebt. Sie haben zu dem Interview sogar noch einen Artikel veröffentlicht, der voller Lügen ist. Die Phantasie dieses Autors ist wirklich beeindruckend. …

jungewelt.de 7.8.2010

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Sigmar Salzburg
04.08.2010 05.33
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Auch der „Spiegel“ fälscht Zitate

Neuer Ärger um Stiftung
Vertriebenenvertreter unter Revanchismusverdacht
… Tölg hat vor zehn Jahren in einem Interview mit der rechtslastigen Zeitung „Junge Freiheit“ behauptet, wer über Zwangsarbeiterentschädigung spreche, müsse auch deutlich machen, "dass gerade die Länder, die am massivsten Forderungen gegen uns richten, genügend Dreck am Stecken haben, weil sie Hunderttausende deutscher Zwangsarbeiter in zahllosen Lagern hatten“. Und: „Während in Nürnberg von den Siegern die deutschen Kriegsverbrecher zurecht verurteilt wurden, haben die gleichen Länder bezüglich Zwangsarbeitern ähnliche Verbrechen begangen wie Hitler-Deutschland.“
Dietmar Nietan, Außenpolitiker der SPD-Bundestagsfraktion, sprach in der „Frankfurter Rundschau“ schon vor Tagen von „klar revanchistischen Positionen“…

spiegel.de 3.8.2010

Wer sich die Mühe macht, im JF-Archiv nachzusehen, findet, daß der „Spiegel“ das „dass“ in den Text hineingefälscht hat, jedoch das im Original schon falsche „zurecht“ belassen hat.
JF Archiv

Im übrigen ist hier der Begriff „Revanchismus“ eine Wortprägung der DDR-Propaganda, die Stalins Annektion Ostpolens absichern sollte, denn Polen war ja dafür mit den deutschen Ostgebieten „entschädigt“ worden. Inzwischen haben sich Parteien und Medien aller Couleur diese Denunziation von (völkerrechtlichen) Rechtsansprüchen bedenkenlos zu eigen gemacht. Selbst die alte Bezeichung „Mitteldeutschland“ gilt nun als „revanchistisch“.

„Revanchismus“ war ursprünglich die Bezeichnung für das Streben in Frankreich, Elsaß-Lothringen nach 1870/71 gewaltsam zurückzuerobern.

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Sigmar Salzburg
01.08.2010 15.48
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Der „Stern“ fälscht notorisch

Im Wartezimmer gelesen: Stern v. 6.5.2010:

Aus einem Brief von Ulrike Meinhof wird über Klaus Rainer Röhl zitiert:
„… und ich weiß halt, dass er diese Tendenzen, die da jetzt in der Zeitung immer stärker werden, dass er die halt selbst hat und manchmal gegen seine Kinder anwendet.“

Aus „Konkret“ (v. 8 April 1971 – 25 Jahre vor der „Reform“), damals von Röhl herausgegeben, wird zitiert:
„Sie war elf Jahre alt … Ich weiß, dass sie unter ihrem Schlafrock nackt war.“ („Verfehlung in Hongkong“).

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Sigmar Salzburg
25.06.2010 09.07
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Christian Meier deformiert

Der Althistoriker und frühere Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Christian Meier, ist als vehementer Gegner der „Rechtschreibreform“ bekannt. Einmal soll er lieber auf den Abdruck seines Artikels im „Spiegel“ verzichtet haben, als daß er ihn der Deformierung aussetzen lassen wollte.

Nun wurde gerade eine Rezension seines jüngsten Buches „Das Gebot zu vergessen …“ auf der Seite der freidenkenden neuen „Humanisten“ veröffentlicht, die sich nicht selten übertrieben eifrig der obrigkeitlichen Schreib-Zwangsmissionierung unterwerfen. Daß davon auch Christian Meier nicht verschont wird, war allerdings nicht zu erwarten:


Rezension 25 Jun 2010 – 09:03 Nr. 9799
Die Unabweisbarkeit des Erinnerns
(hpd) Der Althistoriker Christian Meier erörtert die Frage, ob der „öffentliche Umgang mit schlimmer Vergangenheit“ eher von Erinnerung oder Vergessen geprägt sein soll. Aus der historischen Betrachtung plädiert er für Letzteres, macht bezüglich der NS-Vergangenheit aber eine Ausnahme, die aber nur ab den 1960er Jahren gelten soll. …

In seinem Essay „Das Gebot zu vergessen und die Unabweisbarkeit des Erinnerns“ heißt es mit Blick auf die Geschichte: „Immer wieder wird beschlossen, vereinbart, eingeschärft, dass Vergessen sein soll, Vergessen von vielerlei Unrecht, Grausamkeit, Schlimmem aller Art“ (S. 10).

Diese Einschätzung belegt der Autor nach Betrachtungen zu fast zweieinhalb Jahrtausende europäischer Geschichte: Sie setzen ein in der griechischen und römischen Antike, wo man mehrmals aus Angst vor einem blutigen Bürgerkrieg und um der Gewährung des inneren Friedens willen eine Amnestie für politische Morde erließ. Denn, so Meier, „die Erinnerung an Schlimmes erzeugt gern den Drang zur Rache; was zugleich heißen kann: zu Gerechtigkeit, einer Gerechtigkeit freilich, die allzu leicht auf parteiliche Weise gesucht wird, so dass das Bedürfnis nach Widerrache entsteht“ (S. 13).

Ähnliche Motive werden für Verdrängen und Vergessen auch für spätere historische Ereignisse im Mittelalter und der Neuzeit ausgemacht. Ihnen widmet der Althistoriker indessen nur geringe Aufmerksamkeit. Als Lehre aus dieser geschichtlichen Betrachtung formuliert Meier: „Indem man die Fähigkeit hat, einen Schlusspunkt zu setzen, verzichtet man bewusst um des Friedens willen auf die Ahndung von vielerlei Unrecht“ (S. 45).

... Meier schließt seine Betrachtung mit den Worten: „Die uralte Erfahrung, wonach man nach solchen Ereignissen besser vergisst und verdrängt als tätige Erinnerung walten zu lassen, ist noch keineswegs überholt. Und es ist keineswegs ausgemacht, dass tätige Erinnerung Wiederholung ausschließt“ (S. 97). …

Armin Pfahl-Traughber

http://hpd.de/node/9799

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Sigmar Salzburg
23.06.2010 12.12
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Das Letzte vernebelt

Der Spiegel („eines tages“) zitiert offensichtlich, verschweigt die Quelle und kann nun den einstigen Generalinspekteur der Volkspolizei und SED-Kritiker, Robert Bialek, in der „Reform“ von 1996 schreiben und reden lassen:

Bialek erinnerte sich 1954 an diesen Streit, den Ausgangspunkt eines jahrelangen Kräftemessens zwischen ihm und Mielke, das sein Leben für immer ändern sollte: „Mielke wurde blutrot, sein Gesicht verzerrte sich zu einer brutalen Fratze und schreiend antwortete er mir: 'Du bist ein Lump, ein Verräter, man müsste dich verhaften lassen!' Daraufhin ich: 'Werde nicht vollends größenwahnsinnig, Genosse Mielke.' Daraufhin Mielke, wobei er nach seiner Pistole griff: 'Geh mir aus den Augen, du Schuft.' Daraufhin ich: 'Lass deine Pistole stecken, ich habe auch eine und es könnte sein, dass ich schneller bin. Übrigens wirst du deine Haltung verantworten müssen.' Daraufhin verließ ich sein Zimmer.“

Längst ist bekannt, dass Bialek seinen Widerstand gegen Mielke schließlich mit dem Leben bezahlen sollte. Bis heute blieb jedoch eines im Detail ungeklärt: Wann und wie er starb. Das Letzte, was von ihm aktenkundig ist, ist der Umstand, dass er im Februar 1956 von Stasi-Mitarbeitern entführt wurde.

einestages.spiegel.de 23.6.2010

Das reformierte „Letzte“ ist dazu das wirklich Letzte, was die Reform hervorgebracht hat.

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Sigmar Salzburg
20.05.2010 06.16
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So fälscht der „Spiegel“

Ulla Jelpke, eine rechte Linke, wird im „Spiegel“ zitiert:

Während Antikommunisten „mit Schaum vorm Munde an der weiteren Dämonisierung der DDR und insbesondere des Ministeriums für Staatssicherheit“ arbeiteten, seien „aus Euren Kreisen umfangreiche nüchterne wissenschaftliche Untersuchungen zur HVA entstanden“, schreibt Jelpke den Ex-Agenten. Danach relativiert sie: „Man muss nicht jede Eurer Einschätzungen teilen“ – um hinzuzufügen: „Aber es gilt anzuerkennen, dass wohl kaum ein anderer Geheimdienst so umfassend von seinen eigenen ehemaligen Mitarbeitern und Kundschaftern historisch aufgearbeitet wurde wie die Auslandsaufklärung der DDR.“

spiegel.de 19.5.2010

Sie hat aber in Wirklichkeit geschrieben, laut ihrer Homepage:

... Man muß nicht jede Eurer Einschätzungen teilen. Aber es gilt anzuerkennen, daß wohl kaum ein anderer Geheimdienst so umfassend von seinen eigenen ehemaligen Mitarbeitern und Kundschaftern historisch aufgearbeitet wurde, wie die Auslandsaufklärung der DDR. [usf.]

ulla-jelpke.de

Man lasse sich nicht durch den Fehlgriff „so genannt“ am Anfang irritieren. Als (ehemalige) Mitarbeiterin der „jungen Welt“ hat sie zweifellos die Qualität der traditionellen Schreibweisen zu schätzen gelernt. Aber davon dürfen Spiegelleser nichts erfahren.

Nachtrag – Der Eiertanz ums „ß“:
Korrekt bringen den Jelpke-Brief nur „Red Globe“ (mir bis dahin unbekannt) und „junge Welt“. Andere fälschen munter drauf los, z.B. auch „Focus“. Die „Welt“ bezieht sich dabei auf das ARD-Politikmagazin „Report Mainz“.
„Die Presse“ bringt korrekt das reformierte „so genannt“, meidet aber die tabuisierten „ß“, obgleich auch sie den Link zur Homepage angibt.
Die „Süddeutsche“ zitiert erst nach dem „daß“:
Es gelte anzuerkennen, dass „wohl kaum ein anderer Geheimdienst so umfassend ... ".
sueddeutsche.de 19.5.2010

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Sigmar Salzburg
14.05.2010 17.05
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Schon 1945 ...

... trotz Vergewaltigung an die ab 1996 gültige ss-Regel gedacht:

TV-Zweiteiler von „Anonyma. Eine Frau in Berlin“

„Ich hörte Schritte hinter mir. Da stehen zwei blutjunge, russische Soldaten…. .Mit vorgehaltener Pistole.“ … So wie die Anonyma, die in ihrem Tagebuch schreibt: „Ich weiß nur, dass ich überleben will – ganz gegen Sinn und Verstand, einfach wie ein Tier.“ …
Würde sie Frauen, die Ähnliches erlebt haben, raten, zu reden? …
Wie gruselig es war, beschreibt die Anonyma drastisch: „Gestank von Gaul und Tabak. Ich reiße die Augen auf. Geschickt klemmen die fremden Hände mir die Kiefer auseinander. Aug in Auge. Dann lässt der über mir aus seinem Mund bedächtig den angesammelten Speichel in meinen Mund fallen.“

stern.de 11.5.2010

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Sigmar Salzburg
11.05.2010 07.18
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„Reform“: Man weiß nie, woran man ist

Zum 250. von Johann Peter Hebel

Retter eines krisengeplagten Printmediums: Am 10. Mai vor 250 Jahren wurde in Basel der Dichter Johann Peter Hebel geboren. …

Neben einem Rezept „Blaue Dinte zu machen“ finden sich Meisterleistungen wie das berühmte „Kannitverstan“. … Dann aber erblickt er einen Leichenzug und erhält ein weiteres Mal dieselbe Antwort. Und, so schließt der Erzähler, „wenn es ihm wieder einmal schwer fallen wollte, dass so viele Leute in der Welt so reich seien, und er so arm. So dachte er nur an den Herrn Kannitverstan in Amsterdam, an sein großes Haus, an sein reiches Schiff, und an sein enges Grab“. …

Anders das Stück „Unverhofftes Wiedersehen“. … Seine alt gewordene Verlobte erlebt ein makabres Wiedersehen mit ihrem von Eisenvitriol jugendfrisch konservierten Geliebten. „Schlafe nun wohl“, sagt sie bei dessen Begräbnis, „noch einen Tag oder zehen im kühlen Hochzeitsbett, und laß dir die Zeit nicht lange werden. Ich habe nur noch wenig zu tun, und komme bald, und bald wird's wieder Tag.“
http://www.spiegel.de 10.5.2010

Ein Original oder Facsimile des „Hausfreundes“ liegt mir leider nicht vor. Dennoch sind die beiden Zitate fragwürdig – das erste „neu“, das zweite alt. Sieht man unter Projekt Gutenberg- Spiegel nach, so findet man gleich zwei Versionen, eine ß-los, die zweite „reformiert“. Am nächsten kommt dem Original wohl eine andere Quelle:

http://www.hausen-im-wiesental.de/jphebel/

Dort findet man die nicht normierte ß-Schreibung um 1800, dazu einige altertümliche Wendungen, die man heutigen Lesern lieber vorenthält, z.B. „entbrechen“ statt „enthalten“, „Exküse“ statt „Entschuldigung“ – und (natürlich) „acht gab“ statt „Acht gab“, „vor kurzem“ statt „vor Kurzem“, „schwerfallen“ statt „schwer fallen“, „zum zweitenmal“ statt „zum zweiten MaL“ Das völlige Fehlen der alten th-Schreibung macht allerdings auch hier nachdenklich:

1) … und, wenn es ihm wieder einmal schwerfallen wollte, daß so viele Leute in der Welt so reich seien, und er so arm, so dachte er nur an den Herrn Kannitverstan in Amsterdam, an sein großes Haus, an sein reiches Schiff, und an sein enges Grab.

2) „Schlaf nun wohl, noch einen Tag oder zehen im kühlen Hochzeitbett, und laß dir die Zeit nicht lang werden. Ich habe nur noch wenig zu tun und komme bald, und bald wird's wieder Tag. – Was die Erde einmal wiedergegeben hat, wird sie zum zweitenmal auch nicht behalten“, sagte sie, als sie fortging, und noch einmal umschaute.

Die Forderung nach unverfälschten Texten mag kleinlich klingen. Ich aber weiß aus meiner Beschäftigung mit alten Musikhandschriften, daß nur den Originalen oder guten Facsimiles zu trauen ist und daß schon kleine Unachtsamkeiten, auch von anerkannten Musikwissenschaftlern, den Sinn verändern können – wenn z.B. ein kleiner Punkt, der eine Verzierung bedeutet, als Fliegenschiß weggelassen wird.

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Sigmar Salzburg
03.05.2010 06.07
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Hellsichtiger Göring

1945 kam Hermann Göring in US-Gefangenschaft, wurde vom jüdischen Bankierssohn Eric M. Warburg verhört. Dessen Erinnerungen an die eitlen Ausflüchte des dicken Nazi-Schergen entdeckte jetzt die Zeitschrift „Cicero“. …

„Laut Görings Angaben habe er sich nach langem Zögern von seinen Offizieren überzeugen lassen, Hitler am 23. April 1945 folgenden Funkspruch zu schicken: ‚Mein Führer! Sind Sie einverstanden, dass ich nach Ihrem Entschluss, im Gefechtsstand der Festung Berlin zu verbleiben, gemäß Ihres Erlasses vom 29.6.1941 als Ihr Stellvertreter sofort die Gesamtführung des Reiches übernehme mit voller Handlungsfreiheit nach innen und nach außen? Falls bis 22 Uhr keine Antwort erfolgt, nehme ich an, dass Sie Ihrer Handlungsfreiheit beraubt sind.‘“

BILD.de 29.4.2010

Wieder einmal hat eine weitblickende Nazigröße (oder das Verhörpersonal) die Reform-Heyse-Schreibung verwendet, die erst fünfzig Jahre später beschlossen wurde.

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Sigmar Salzburg
20.03.2010 12.26
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1963 schon die Heyse-Reformierung geahnt

Eine Flucht ins Leben

Die Bombennacht bewahrte Alfred Schellenberger vor dem Tod


Dem von den Nazis zum Tode verurteilten Widerstandskämpfer Alfred Schellenberger (Foto: privat) gelang im Inferno von Dresden vor 65 Jahren die Flucht. Seine Tochter Anneliese Schellenberger sandte uns die Erinnerungen ihres Vaters, die er kurz vor seinem Tod am 22. Februar 1963 niedergeschrieben hatte.

»Wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung werden die Angeklagten Haucke, Ritter, Dr. Gietzelt und Schellenberger zum Tode verurteilt.« So verkündete es der Volksgerichtshof auf seiner Hauptverhandlung in Leipzig am 20. Dezember 1944. Es war nicht das erste Mal, dass man mir das Todesurteil sprach…

In der Nacht zum 14. Februar flogen erneut starke Geschwader die Stadt an. Die Explosionen der Bomben ließen die starken Mauern unserer Zellen erbeben ... Das Ausmaß der Zerstörungen musste riesengroß sein. …

Jetzt war unsere Stunde gekommen. Wir befreiten uns von unseren Fesseln. Unser Versuch, das Bett von der Wand zu demontieren, um damit die Tür zu rammen, misslang. … Plötzlich wurden die Zellentüren aufgeschlossen. »Todeskandidaten im Erdgeschoss antreten.« …

[Nach der Flucht] Das Verhör über Woher und Wohin begann. Ich redete um meinen Kopf. Glaubwürdig und echt musste alles klingen; Vertrauen musste ich erzielen. Was dann im Protokoll stand, war ungefähr folgendes: »Leonard Frank, geb. 1891 in Frankfurt/Main, wohnhaft Leipzig – … « Mit guten Wünschen und ein paar Zigaretten entließ man mich.

http://www.neues-deutschland.de/artikel/165003.eine-flucht-ins-leben.html 18.02.2010

Wem nützt es, wenn die „ß“ gefälscht werden?

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Sigmar Salzburg
14.03.2010 17.40
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Hartmut von Hentig

Hartmut von Hentig schaltete sich in die Diskussion um die Rechtschreibreform vermittelnd mit dem Versuch der Abwiegelung und Friedenstiftung ein. Er selbst schrieb weiterhin traditionell:

... Bereits in der einleitenden „notwendigen Fragestellung“ knüpft deshalb Hentig, der übrigens konsequent die Regeln der neuen Rechtschreibung negiert, den roten Faden, ...
dvpb-bayern

Nun hat er dem „Spiegel“ seine Interview-Antworten schriftlich zukommen lassen:

Gegenüber dem SPIEGEL aber hat er sich ausführlich geäußert. Ein Faxgerät besitzt er offenbar nicht, E-Mails schreibt er nicht. Ein Bote hat den Brief mit den Fragen vorbeigebracht und einen Tag später sieben Blätter voller Antworten abgeholt. Hentig schreibt von „erstaunlichen Unterstellungen“ und betont immer wieder, dass nichts bewiesen sei: „Die Beschuldigungen müssen geklärt worden sein, bevor man anfangen kann, einen Zusammenhang mit irgendeinem pädagogischen Programm herzustellen oder zu leugnen.“
spiegel.de 14.3.10

Hat der alte Herr (84) nun eifrig die neue Rechtschreibung geübt, um sich den reformierten Spiegelregeln anzupassen?:

SPIEGEL: Machen Sie sich Vorwürfe, dass Sie etwas hätten bemerken müssen?
Hentig: Nein. Die könnte ich mir doch nur machen, wenn es einen Anlass dazu gegeben hätte – eine Verdacht erregende Wahrnehmung, ein Misstrauen, ein mir zugetragenes Gerücht. Ich habe ja dauernd und genau hingesehen: voll Neid, wie gut diesem Mann gelang, auf Kinder einzugehen, ...
spiegel.de 14.3.10

Wir erinnern uns daran, daß der Historiker Prof. Christian Meier auf den Abdruck eines Essays verzichtet hat, um seinen Text nicht, wie verlangt, der Sick-Korrektur ausliefern zu müssen.

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Sigmar Salzburg
08.03.2010 07.19
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Kalenderblatt 2010: 5. März

sueddeutsche.de – ‎04.03.2010‎
1965 – In den bundesdeutschen Kinos läuft der erste Italo-Western «Für eine Hand voll Dollar» an. Die Hauptrolle spielt Clint Eastwood. ...

Der englische Titel lautet: „A Fistful of Dollars
„A Handful of Dollars“ wäre auch möglich

Der italienische Originaltitel ist übrigens:
Per un pugno di dollari
„Pugno“ bedeutet „Faust“, aber nach meinen Lexika auch „Handvoll“ und „Faustvoll“ – im Langenscheidt nur letzteres. Das kennt der Duden nicht.


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