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Rat für deutsche Rechtschreibung
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Sigmar Salzburg
29.11.2011 22.58
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Nach 15 Jahren Reform

Ratsvorsitzender Zehetmair besorgt um deutsche Sprache
– gemeinsame Anstrengung gefordert


Der Rat für deutsche Rechtschreibung kam jüngst zu seiner zweiten Sitzung der neuen Amtsperiode zusammen und hat sich im Rahmen seines Beobachtungsauftrages über den aktuellen Zustand der deutschen Rechtschreibung ausgetauscht. Dabei wurde deutlich, dass der Sprache und insbesondere ihrer Rechtschreibung hohe Bedeutung beigemessen, aber im Umgang mit ihr nachlässig verfahren wird.

In dieser Haltung ist mit eine Ursache dafür zu sehen, dass ungefähr zwanzig Prozent eines Jahrgangs der 15-Jährigen als Analphabeten gelten müssen; ein Zustand, der nicht hingenommen werden darf. Erforderlich ist es daher, dass sich die Sicht auf die Rechtschreibung ändern muss: „Rechtschreibung ist kein Gegenstand, der in Diktaten erlernt wird, sondern gemeinsamer Anstrengung bedarf“, so der Vorsitzende Hans Zehetmair. Rechtschreibung muss eine stärkere Rolle in Schule und Lehrerausbildung einnehmen.

Der Rat weiß um die Schwierigkeiten, die bereits in der Vermittlung von Rechtschreibung liegen: Didaktisch an die jeweiligen Jahrgangsstufen angepasste Konzepte sind rar, oftmals wird der betreffende Sachverhalt eins zu eins aus dem amtlichen Regelwerk in die Schulbücher kopiert. Das ist nicht im Sinne der Ersteller des amtlichen Regelwerks: Das amtliche Regelwerk ist von seiner Anlage her mit einem Gesetzestext vergleichbar, der für die einzelnen Benutzergruppen adäquat aufbereitet werden muss.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung unterstützt Bemühungen, die sich für einen bewussten Umgang mit der deutschen Rechtschreibung einsetzen. Er wird die weitere Entwicklung kritisch begleiten und die Diskussion zu befördern versuchen.

gez. Dr. Kerstin Güthert

Rechtschreibrat.pdf 29.11.2011

Etwas dazu auch hier.

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Sigmar Salzburg
01.08.2011 16.59
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Geschwätzige Reue – von einem von 32 Versagern

Reform-Ass Zehetmair

– im Deutschlandfunk:

„Lasst die Finger von einer Rechtschreibreform!“

Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung über den Schaden für die Sprache
Hans Zehetmaier im Gespräch mit Manfred Götzke


Die Rechtschreibung habe unter den Reformen 1996 und 2006 sehr gelitten, sagt Hans Zehetmaier, Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung. Im Internetzeitalter mit Twitter und SMS müsse man froh sein, wenn sich noch jemand um deutsche Sprache in gepflegter Form bemühe.

Manfred Götzke: Sie sollte die deutsche Schriftsprache einfacher, logischer und insgesamt besser machen: die Rechtschreibreform. Nehmen wir mal ein Beispiel, um das zu veranschaulichen: Das Anrede-Fürwort „Ihr“ darf ich seit der Rechtschreibreform groß oder klein schreiben. Klingt erst mal einfacher, weil ich es ja schreiben kann, so wie ich will. Wenn, ja wenn da nicht eine kleine Ausnahme wäre: Wenn ich jemanden sieze und dabei das Ihr nutze – „Bezug nehmend auf Ihr Schreiben vom 15.07.“ –, dann muss ich das „Ihr“ im Brief groß schreiben. Ein Beispiel von vielen, weshalb auch so mancher Deutschlehrer die neue Rechtschreibung immer noch nicht ganz beherrscht. Eingeführt wurde sie heute vor genau 15 Jahren, am 1. August '96, und vor genau fünf Jahren trat dann die Reform der Rechtschreibreform in Kraft, bei der viele der Neuerungen erst mal wieder zurückgenommen wurden. Hans Zehetmair ist Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung. Herr Zehetmair, vermissen Sie eigentlich manchmal das ß im Dass?

Hans Zehetmair: Das vermisse ich gar nicht, weil ich im Grunde dafür bin, dass man ordentlich spricht. Und nach der Phonetik weiß man dann auch, dass nach kurzem Vokal das Doppel-S sinnvoll ist, auch für die Kinder, sei es nun in der Mitte eines Wortes oder am Ende eines Wortes. Im Übrigen haben wir bis auf das "Dass" ja eh das Meiste wieder korrigiert.

Götzke: Warum haben Sie es eigentlich wieder korrigiert 2006, bei der Reform der Reform?

Zehetmair: Ja, Sie wissen so gut, wie sehr die Verwirrung war Anfang der Tausenderjahre, also 2001, 2002, 2003. Und dann haben die Ministerpräsidenten und die Kultusminister in Deutschland kalte Füße bekommen und gesagt, so kann es nicht bleiben, dass die Menschen ¹) sich auch noch in der Rechtschreibung erregen und beklagen, dass das nicht mehr ihre Rechtschreibung sei. Also, große Verunsicherung im Lande. Da ist man auch zu weit gegangen und hat sich zu sehr vom Schreibgebrauch der Menschen entfernt.

Götzke: Verunsicherung ist das richtige Stichwort: Hat die denn abgenommen mittlerweile?

Zehetmair: Also, auf jeden Fall hat sie deutlich abgenommen bei der Jugend. Also bei der jungen Generation, die gar keine Probleme im Schnitt hat, bis auf die Tatsache, dass es ja immer schon, wie immer die Rechtschreibung war – von 1901 ab beginnend bei Duden, der ja 100 Jahre alt geworden ist, heute übrigens alt wird [Anm. der Onlineredaktion: Konrad Duden ist vor hundert Jahren gestorben] –, dass es immer schon so war, dass einige mit der Rechtschreibung auf Kriegsfuß standen. Aber generell ist es einfacher geworden und hat auch die Verunsicherung abgenommen. Ich kriege auch so gut wie keine Proteste mehr.

Götzke: Das war zu Beginn sicher anders!

Zehetmair: Oh, das war wild!

Götzke: Ja, bei der Jugend ist es ja so, die hat die alte Rechtschreibung ja gar nicht mehr mitbekommen in der Form. Anders bei den Deutschlehrern! Es gab die Reform 1996, dann 2006 wurde ja einiges wieder zurückgedreht. Beherrschen die jetzt die geltende Rechtschreibung?

Zehetmair: Ja, von den Deutschlehrern nehme ich schon an, dass sie es beherrschen. Etwas schwieriger ist es im akademischen Bereich, da gibt es Professoren, die mir ins Gesicht sagen: Wir schreiben wie bisher, wir wollen uns nicht verändern. Meine Antwort ist lakonisch: Macht nichts, eure Sekretärinnen können das ja.

Götzke: Wie sehr hat die Rechtschreibung denn insgesamt unter den Reformen gelitten?

Zehetmair: Sie hat schon gelitten. Es ist ja eh schon ein Problem, die Menschen noch zur geschriebenen Sprache zu führen. Im Internetzeitalter, in einer Zeit, in der man twittert und SMS macht und verkürzt alles schreibt, muss man froh sein, wenn noch jemand um deutsche Sprache in gepflegter Form bemüht ist. Das hat Schaden genommen über die Jahrzehnte, nun schon zehn, 15 Jahre. Und ich hoffe, dass wir jetzt im Laufe der Jahre wieder zu einer Stabilisierung und zu einer Identifizierung der Menschen mit der geschriebenen Sprache kommen.

Götzke: War die Reform dann richtig, wenn sie für mehr Verwirrung und für weniger Beherrschung der Rechtschreibung geführt hat?

Zehetmair: Ich hätte sie nicht vom Zaune gebrochen, ich würde sie auch nicht mehr vom Zaune brechen. Auf jeden Fall gilt die Mahnung: Politiker, lasst die Finger von einer Rechtschreibreform, das ist nicht euer Metier!

Götzke: Hat die Bedeutung von Rechtschreibung insgesamt gelitten in Zeiten von SMS, Steno und Facebook-Chat?

Zehetmair: Die Rechtschreibung hat erstens gelitten unter den Dingen, die Sie genannt haben, und zum Zweiten unter der deutlichen Zunahme von Anglizismen und Verfremdung unserer Sprache. Das ist auch der Grund, warum wir jetzt in der Fortschreibung dieser Eindeutschungen wieder zurücknehmen und wieder bei der authentischen Schreibung bleiben.

Götzke: Herr Zehetmair, danke für das Gespräch!

Zehetmair: Bitte schön!

Götzke: Hans Zehetmair vom Rat für deutsche Rechtschreibung.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

dradio.de 1.8.2011

¹) Nicht der Volkswille, Axel Springer hat es bewirkt!

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Sigmar Salzburg
16.04.2011 06.46
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Sesselfurzer (H.M. Enzensberger)

Brockhaus Wahrig

Das renommierte Standardwerk Wahrig Die deutsche Rechtschreibung setzt neue Maßstäbe: Unter der Dachmarke Brockhaus erscheint der Klassiker in neuem Layout, grundlegend erweitert auf rund 140.000 Einträge und topaktuell – auf der Basis der Beschlüsse des Rats für deutsche Rechtschreibung 2011. …¹)

bildungsklick 14.4.2011

¹) Gemeint ist das vierzigstimmige, „nichts sagende“ Furzkonzert vom 23.04. und 02.07.2010 unter dem Dirigat des Vorzsitzenden Hans Zehetmair.

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Sigmar Salzburg
30.03.2011 21.39
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Zehetmair, der ALLERLETZTE Politdepp

Der hier schon zitierte dapd/fp-Artikel ist auch in der WELT erschienen. Unerwartet wurden Leserkommentare zugelassen, und die lassen es an Deutlichkeit nicht fehlen. Bis 22:40 Uhr gab es nur Negatives zu lesen – ganz abweichend von Zehetmairs geschwätziger Schönfärberei:

welt.de 30.3.2011

30.03.2011,
14:46 Uhr
Erwin Lottemann sagt:
Mein Name ist Erwin Lindemann, ich hab im Lotto gewonnen und im Herbst mach ich mit dem Pabst eine BUTIKE in Wuppertal auf.
Ich glaubs ja nicht – BUTIKE

14:47 Uhr
RobbiTobbi sagt:
krank schreiben
Genau das ist es geworden.
Schreibe ich, während ich krank bin?
Oder soll der Arzt mich krankschreiben?

15:21 Uhr
Gast sagt:
„Zu den Rechtschreibkenntnissen der deutschen Bevölkerung sagte er, aktuell entsprächen sie „auf einem hohen Niveau der Norm“".
Man schaue sich einfach nur einmal die diversen Kommentarbeiträge hier auf WO an, um den Mann Lügen zu strafen.

15:24 Uhr
auseinander Setzung sagt:
„Die Kenntnisse der deutschen Bevölkerung seien „auf einem hohen Niveau der Norm“.“
-----------------------------------------------------------
Hehe, diese Norm würd ich gern mal sehen. Dürfte sich um ein Fünftel der Norm von 1980 handeln.
So muss ich beispielsweise jedesmal, wenn ich bei Messungen mein Messgerät einschalte „Standart“ lesen (Airflow PVM 620) und nein, ich habe nichts mit militärischen Fahnen zu tun.
Auch die lieben Journalisten greifen mit der Word-Rechtschreibprüfung regelmäßig ins Klo, denn für Grammatik hat die keinen so gut entwickelten Algorithmus wie für die Orthographie.

15:34 Uhr
Skaska sagt:
Um dem rapiden Niedergang der deutsche Sprache zu begegnen, sollte eine nächste Stufe der Reform eingeleitet werden, wieder nach unten hin. Versteht sich von selbst.
Der Artikel über den Unterschichtenslang, von Sprachforschern als Ausdruck von eigener Persönlichkeit gefeiert, passt sehr gut zu diesem hier.
Ist das Absicht, dass sie nebeneinander stehen?

15:38 Uhr
alfons1249 sagt:
Gott sei Dank habe ich an meinem Office 2003 den „Knopf“ noch dran, mit dem ich diese fürchterliche neue deutsche Rechtschreibung abstellen kann.
Die ganze Reform war, ist und bleibt eine Vergewaltigung der schönen Muttersprache der Denker und Dichter.
Deutschland wurde zum Land der Henker und Richter über eine Sprache, mit der Goethe, Schiller und die anderen großen deutschen Dichter so schön gespielt haben, ja, sie lebendig haben werden lassen.
Diese Reformer haben sie geschändet und richten sie systematisch zu Grunde.
Mein Duden hat das Erscheinungsjahr 1985 und der bleibt mein „Leitfaden der deutschen Rechtschreibung, so wie es im Untertitel auch heißt.
Mit den völlig unlogischen Verdrehungen der Stammwörter und Grundlagen, damit die neuen deutschen Begriffe in die Sprache überhaupt hineinpassen (was sie aber nie werden können), sollen mir diese Sprachverbrecher „vom Acker“ bleiben.
Einen klassischen Roman in der ndR lesen zu müssen, tut weh und ist strafbarer optischer Mord.

15:38 Uhr
gast sagt:
Rettet dem deutsches Sprak!

15:38 Uhr
Eagleeye sagt:
Das Schlimme an all den Rechtschreib-Reformen war meines Erachtens, daß sie so viel Unsicherheit produziert haben wie selten zuvor. Außerdem haben sich die Reformen in Kleinigkeiten verloren, die ... lassen wir das.
Eine Reform, die den Namen verdient hätte, hätte sich _dem_ Alleinstellungsmerkmal der deutschen Schriftsprache gewidmet – der Großschreibung der Substantive – und das Deutsche an die anderen europäischen Sprachen lateinischer Schrift angepaßt – sprich: die Großschreibung aller Wörter, die keine Eigennamen sind, abgeschafft.
Doch an diesen alten Bart hat sich kein „Reformer“ herangetraut ... warum eigentlich nicht? Millionen Schüler, die sich mit der Sustantivierung von Adjektiven und Verben herumplagen, hätten diese Änderung schließlich mit Inbrunst begrüßt ...

16:22 Uhr
Marduk sagt:
Hier in komprimierter Form wesentliche Elemente der von Herrn Zehetmair mitverantworteten und eilig durchgepeitschten neuen Rechtschreibung in der Version von 1998, damals gewissermaßen noch die reine Lehre (Teil 1):
Es tut mir Leid, dass die Aufsehen erregende, aufwändige und im Allgemeinen nicht geliebte so genannte Augst'sche Recht-Schreib-Reform hier zu Lande mithilfe der Kultus-Minister und einer Hand voll weit gehend selbst ernannter Sprach-Reformer mit weit reichenden Folgen vor Längerem im Wesentlichen eingeführt wurde und dies, ohne ein Mal politisch ernsthaft infrage gestellt worden zu sein und ohne dass man sich wirklich mit der nahe liegenden Frage auseinander gesetzt hätte, ob sie uns wohl auch wirtschaftlich wohl tut.

16:27 Uhr
Marduk sagt:
Teil 2: So wenig viel versprechend der bis vor Kurzem geheim gehaltene Beginn war, so viel wohl bedachte Kritik folgte. Ein Ergebnis hoch stehender, hoch entwickelter und wohl überlegter Sprach-Forschung war das nicht und die Vernunft ging dabei Pleite und Konkurs. Man sollte Acht geben, zu wie viel Unsinn diese wichtig tuenden, von einem wohl bekannten Medien-Konzern dirigierten nicht selbstständigen Tollpatsche noch im Stande sind, die sich bei Weitem noch nicht im Klaren darüber sind, welch gräulicher Unsinn da ihren gräulichen Köpfen entsprungen ist. Wird man dem endlich Halt machen oder wird die übereilt fertig gestellte deplatzierte Reform noch eine Zeit lang weiter bestehen? Was für eine Ekel und Furcht erregende Obrigkeits-Gläubigkeit und Beamten-Hörigkeit sich hier zu Lande rechts wie links zurzeit mal wieder zeigt. Deutsch zu schreiben, wird zum Witz.

16:37 Uhr
musiker sagt:
Zehetmair verdrängt offenbar, dass man jetzt schon mehrfach Rückzieher der Regeln machen musste, weil sie nicht angewendet wurden. Gerade das Beispiel krank schreiben, zeigt deutlich, dass er Sprache nicht versteht. Außer dass mit „ss“ werden doch kaum neue Regeln wirklich benutzt.

16:38 Uhr
Volkstimme sagt:
Dieser multiple Dr. Zehetmair weiß nicht, wovon er redet, aber er weiß, wie man solche Rederei mit Vorwortschreiberei zu Geld macht. Ebenso sollten die Kultusminister, die sich charakterlos hinter ihrer „Konferenz“ verstecken und nicht persönlich vorzeigen, was sie wissen, sich endlich mal klarmachen, wovon sie was verstehen und wovon sie nichts verstehen. Und den Welt-Schreibern sollte klar sein, daß es nicht darum geht, ob „Schreibweisen wie Butike, Kupee oder Scharm wieder abgeschafft werden“ sollen, sondern darum, daß diese Reform und ihre Durchsetzung das größte regierungsverordnete Verbrechen an der deutschen Kultur ist seit der Nazi-Aktion zur „entarteten Kunst“! Und das sollten diese Vertreter der vierten Gewalt in einer Demokratie eben auch anzeigen. Das wäre was zum Nutzen aller und nicht nur dem einiger Politiker und Druckunternehmen.

16:41 Uhr
sushi-sushi sagt:
„Die Kenntnisse der deutschen Bevölkerung seien 'auf einem hohen Niveau der Norm'"?
Glaube ich sofort, ist das „Niveau“ dieser „Norm“ doch nicht mal mehr ebenerdig, sondern unterirdisch.

16:58 Uhr
armes deutschland sagt:
Offensichtlich ist den Propagandamedien hierzulande jede Nachricht wichtig und gut genug von den riesigen eigenen Problemen abzulenken. Vor allem davon wie diese Regierung Deutschland ständig weiter herunterwirtschaftet, Blankoschecks an Banken und Länder verteilt und immer weitere Schichten der Bürger sozial und finanziell gefährdet. Wenn es in Deutschland freie und unabhängige Medien geben würde, dann würden sich diese vor allem mit der Politik der eigenen Regierung und der 5-Parteien-Diktatur-Einheitsfront beschäftigen und nicht ständig nach Themen suchen, die davon ablenken sollen, wie es hier den Bach runtergeht. Aber von gleichgeschalteten und korrumpierten Medien, die nur noch als Hofberichterstatter, Schönredner, Verschleier und Lügner agieren kann man nichts erwarten, was Demokratie, Journalismus und Meinungsfreiheit ausmachen und bedeuten. Die größte Gefahr für die Demokratie sind nach den Politikern die gleichgeschalteten Medien!
Armes Deutschland!

17:08 Uhr
tradewind12 sagt:
Jede deutsche Rechtschreibreform hat mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gebracht. Schon zur Kaiserzeit hat man z.B. das Dehnungs-h aus „Thor“ und „Thür“ herausgenommen, womit die Vokale eigentlich auch kurz wie in „Tor-te“ und „Tür-me“ gesprochen werden könnten. Der Unsinn im Dritten Reich, als man im nationalistischen Wahn sämtliche fremden Lehnwörter entfernen wollte, die „Nase“ „Gesichtserker“ heißen sollte und der „Vierzylindermotor“ „Viertopfzerknalltreibling“, hätte eigentlich jeden davon überzeugen müssen, daß Politik in Sprache nicht hineinpfuschen darf. Und nun ... ist es doch eigentlich egal, wie man schreibt, denn was sich nach der neuen Rechtschreibung, besonders der Getrenntschreibung, richtet, ist kaum noch lesbar, und wir haben dank dieser stumpfsinnigen Reform jetzt mehr „ss“ in unseren Texten, als zu der Zeit, in der es dafür noch eine extra Schreibmaschinentaste gab. Aber vielleicht ist das ja so gewollt. Die Erfinder des „Gesichtserkers“ mußten ja von etwas leben.

17:40 Uhr
Marduk sagt:
@ Armes Deutschland: Die Rechtschreibreform ist eher ein weiteres Beispiel dafür, wie schlecht es um Deutschland steht. Statt diese völlig überflüssige Reform zu ignorieren, die rechtlich lediglich für die Schulen verbindlich war, knickten die meisten staatsgläubigen und beamtenhörigen Zeitungen, Zeitschriften, Verlage, Sender, Schulbibliotheken, Universitäten usw. sofort ein und gaben Milliarden von Euro aus, um ihre Redaktionssysteme umzustellen, ihre Mitarbeiter in Kurse zu schicken, Romane, Sach- und Wörterbücher und Lexika umzuarbeiten (übrigens meist falsch) und neuzudrucken, Software anzupassen, ganze Bibliotheksbestände wegzuwerfen usw. Und dies alles, obwohl vielen die Minderwertigkeit der neuen Rechtschreibung durchaus bewusst war. Wenn schon bei derartigen Wünschen der irrelevanten Kultusminister sofort widerstandslos gekuscht wird, sozusagen nach dem alten deutschen Motto „Befehl ist Befehl“, was wird erst passieren, wenn mal wieder ein neuer Führer die Kommandos gibt?

17:46 Uhr
Die Nation-Lehrer sagt:
Die Deutschen brauchen weiterhin Leute, die sie am Händchen halten – neue Wege braucht das Land? Aktuell ist es aber so, dass da mehr von Unten kommt als von Oben!

18:36 Uhr
St-Paul sagt:
Wenn man die Kommentare liest, so scheinen sich sehr viele Menschen mit der Rechtschreibreform immer noch nicht abgefunden zu haben. Ich würde mir wünschen, daß diejenigen, die einfach die Reform ignorieren, weiterhin standhaft bleiben. Und daß manch anderer den Mut fassen möge, bewußt zu der alten Schreibweise zurückzukehren.
Zum Glück gibt es ja noch den alten Duden günstig bei Ebay, ansonsten hilft auch der Ickler „Normale deutsche Rechtschreibung“ oder das Wörterbuch von Lutz Mackensen (beide weiterhin nach den Regeln vor der Reform.

18:58 Uhr
Herr Pepeh (Rechtswähler) sagt:
Aber bitte, bitte auch „daß" mit ß.
Nur so ist die Regel richtig.
Denn, das "ß" wurde zugunsten des Doppel-S abgeschafft, wenn der Vokal kurz ist. Gut so.
Aber sowohl „das“ als auch „daß" werden gleich betont. Man sagt nicht „daas“. Folglich muss man beide Worte durch das "ß" unterscheiden.

20:04 Uhr
Welches Problem sagt:
Kennt hier jemand die Analphabetenquote von heute zu, sagen wir mal, 1911 ?

22:25 Uhr
Grausamer Lästerer sagt:
@ Welches Problem:
Analphabeten wird es nicht mehr viele geben, aber die Pisa Studie in einer Industrienation: Die Wahrheit über den Bildungsstand.

22:37 Uhr
Weg mit Zehetmair, sagt:
Dieser Zehetmair ist das wirklich ALLERLETZTE, was wir Bayern als Politdeppen haben.
Meine Jungs mussten eine Drecksschreiberei lernen, und mussten beim Übertritt ins Gymi eine Schrift neu lernen, und schreiben heute fast nur noch Druckschrift.
Diese Druckschrift gehört diesem bayrischen Schwätzer auf die Stirn eingebrannt. Überall haben wir solche Versager von Politpfeifen, bei Mengenlehre angefangen, bis sonstigen Irr- Unsinn aus dem Landtag.
Die grösse Schlappe von Kultusminister aller ZEITEN. Genau wie die seit Jahrkzehnten auf dem Sessel klebende Schawan.
Diese BEIDEN VERSAGER sind für die mieseste Schulpolitik aller ZEITEN verantwortlich.
Und diese BEIDEN Versager laufen noch frei herum und sind der Meinung, daß sie ihr Amt super Ausgefüllt und Ausgeführt haben.
Das ist kein Hochmut mehr, das ist Shizipränieeee und sonst nichts.
Die BEIDEN gehören schon seit lange ins die Altersklappse wegen Demenz im Endstadium.
Weg mit diesen VERSAGERN
Mera soag i net

Nachtrag: Nach sechs Stunden ein (verharmlosender) Pro-Reform-Eintrag:

30.03.2011,
22:42 Uhr
Dr. Gerd Heine sagt:
Nun sind ja Welt-Online-Leser, die sich oft genug durch absonderliche Vorstellungen von erzreaktionärer Politik blamieren, nicht gerade repräsentativ für den durchschnittlich intelligenten und gebildeten Bundesbürger.
Ich finde aber, dass die Rechtschreibreform, wie man anderwo täglich feststellen kann, sich durchgesetzt und vor allem auch bewährt hat, auch, wenn nicht jede und jeder von uns alle Varianten dieser Reform übernommen hat. Sprache entwickelt sich immer weiter. Früher dominierten lateinische Wort-Quellen, heute ist Englisches im Spiel. Was sich davon im Sprachgebrauch über lange Zeit hält, wird letztzendlich zum Bestandteil einer Sprache.
Ich bin für mehr Gelassenheit, weniger Eifer, vor allem Toleranz!
Dann macht Sprache auch Spaß (Ich habe gerade deutsche Märchen auf „Kanackisch“ gelesen. Ganz fabelhaft und keineswegs diskriminierend, sondern der Beweis dafür, wie kreativ junge Menschen mit Migrationshintergrund mit Sprache umgehen! Empfehlenswert!

Danach geht es wieder vernichtend kritisch weiter:

31.03.2011,
00:37 Uhr

Antwort sagt:
Nun deuten ja absonderliche Vorstellungen von durchschnittlich intelligenten und gebildeten Bundesbürgern auch nicht unbedingt gerade den demokratischen Geist an, den wir brauchten, um vernünftig und verantwortungsvoll und nicht leichtsinnig und verantwortungslos dahinzuleben. Jeder Welt-Leser, der meint, daß die Rechtschreibreform sich bewährt hat, hat a. nicht Dankwart Guratzschs „Die Rechtschreibreform ist endgültig gescheitert“ gelesen und weiß b. sowieso nicht, wovon er redet. Denn wer im Zusammenhang mit der Rechtschreibreform sagt: „Sprache entwickelt sich immer weiter“, hat nicht mal gemerkt, daß es hier nicht um Sprachentwicklung, sondern um Gesetzmäßigkeiten bei der Verschriftung der Sprache geht. Es geht nicht darum, ob ich ein urdeutsches Wort für Exkrement auf einmal ohne Hemmungen aus dem Mund fließen lasse (das wäre Sprachentwicklung), sondern ob ich es mit Eszett oder mit einem oder zwei oder drei „s“ schreibe, wie ich unsre Sprache also verschrifte.

00:38 Uhr
Antwort2 sagt:
Bewährt ist die Schreibung, der wir alle im 20. Jahrhundert gefolgt sind (auch die Schweizer, wenn auch die mit einer einfach verständlichen Eigenart). Warum bewährt? Weil ihre Prinzipien von Wissenschaftlern erarbeitet worden waren, die was von sachgerechter Verschriftung verstanden! Wie in „Die Rechtschreibreform ist endgültig gescheitert“ (auch online noch zugänglich) richtig steht, wird hier aber großer Unsinn den Rücken der Schulkinder aufgelastet. Unsinn warum? Weil hier Prinzipien zur Verschriftung des Deutschen von kleinen Geistern eingebracht wurden, die alle möglichen politisch nützlichen Voraussetzungen, aber leider nicht viel Wissenschaft dazu mitbrachten. Und weil Politiker und Wirtschaftsunternehmen zum Schaden des Volkes davon profitieren, kann ich eben nicht gelassen bleiben und ach doch lieber vor allem Toleranz üben. Wer etwas von dem versteht, was hier wirklich vor sich geht, tröstet sich eben nicht zum Zeitvertreib mit fabelhaften Märchen dazu.

07:55 Uhr
Tobias sagt:
Seltsam. Hat Herr Zehetmair wirklich nicht bemerkt, daß die hochgelobte „neue“ ss/ß-Regel (in Wirklichkeit die Heyse-Schreibweise aus dem 19. Jahrhundert) von niemandem wirklich angewendet werden kann? Studien beweisen, daß in den Schulen erheblich mehr Fehler in diesem Bereich passierern als vor der Reform, und selbst in Qualitätszeitungen und Büchern gibt es reihenweise Fehler. Häufig wird nach einem Komma reflexartig „dass“ geschrieben.
Es gab schon einen Grund dafür, diese Schreibweise 1901 zugunsten der Adelung-Schreibweise aufzugeben... Letztere hat sich über 100 Jahre bewährt!

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Sigmar Salzburg
30.03.2011 18.41
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Der Restblödsinn soll erhalten bleiben

[Zehetmair, verhalten grinsend]
Foto: dapd

Keine weitere Rechtschreibreform in Sicht

Zehetmair setzt auf Kontinuität und lobt Rechtschreibkenntnisse


Berlin (dapd). Der frisch wiedergewählte Vorsitzende des Rats für deutsche Rechtschreibung, Hans Zehetmair, hat weitgehende Änderungen der Rechtschreibregeln in den kommenden Jahren ausgeschlossen. „Kontinuität und Beständigkeit sind unsere Ziele, die Zeit der Reformen ist vorbei“, sagte Zehetmair am Mittwoch in einem dapd-Interview. Die amtliche Regelung habe sich nach Dafürhalten des Rats soweit gut behauptet und sei weithin gut angenommen.

Die letzte größere Reform wurde 2004 durchgeführt. Zehetmair war am Montag bis 2016 in seinem Amt bestätigt worden.

In seiner zweiten Amtszeit wolle er unter anderem dafür sorgen, dass Änderungen, die sich regelhaft im Schreibgebrauch vollzögen, im amtlichen Regelwerk nachgetragen würden. „Darüber hinaus wird sich die Frage stellen, ob die Präsentationsform der amtlichen Regeln und des amtlichen Wörterverzeichnisses zeitgemäß ist. Solche Texte wollen gepflegt werden, wenn sie nicht veralten sollen“, sagte der frühere bayerische Kultusminister.

Zu den Rechtschreibkenntnissen der deutschen Bevölkerung sagte er, aktuell entsprächen sie „auf einem hohen Niveau der Norm“. Untersuchungen hätten gezeigt, dass es unmittelbar nach Einführung der Reform zu höheren Abweichungen gekommen sei. Diese seien aber nur vorübergehend und auf Gewöhnungseffekte zurückzuführen gewesen.

Zehetmair lobte die Schulen. Sie machten ihre Aufgabe gut, das zeigten zahlreiche Gespräche und auch die Lehrervertreter im Rat bestätigten dies.

Der Rat hat die Aufgabe, die Schreibentwicklung zu beobachten und Vorschläge zur Anpassung des Regelwerks an den allgemeinen Wandel der Sprache zu erarbeiten. Die nächste Sitzung, in der über die Inhalte der Arbeit bis 2016 beraten werden soll, ist für den 18. November vorgesehen. dapd

freiepresse.de 30.3.2011

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Sigmar Salzburg
29.03.2011 15.40
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Bild in die falsche Meldung verrutscht

Kurznachrichten

BADEN-BADEN „Gnomeo und Julia“ auf Platz eins der Kinocharts Der Disney-Film „Gnomeo und Julia – Liebe versetzt Zwerge“ hat sich auf Anhieb an die Spitze der deutschen Kinocharts gesetzt…

Die Komödie „Almanya – Willkommen in Deutschland“ über die erfolgreiche Migrationsgeschichte türkischer Gastarbeiter lag auf Position drei (106 000)….
Lausitzer Rundschau 29.3.2011

Zehetmairs Schmierenkomödie „Rechtschreibreform – Glaube versetzt Zwerge” spielt etwas weiter unten.

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Sigmar Salzburg
29.03.2011 10.38
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Das Zentralkomitee der Vernunftverhinderer

Nach dem „Eintüten“ der reformabtrünnigen Zeitungsverlage gibt es für den Rechtschreibrat keine nennenswerte Aufgabe – außer der Verhinderung der Rückkehr von Schreibtradition und Schreibvernunft. Wer es im Bericht v. 9.12.2010 überlesen hat, wird nochmals von Thomas Paulwitz in der Deutschen Sprachwelt (Frühjahr 2011, S.9) darauf gestoßen:

Eisenbergs Rückbauversuch scheiterte

Der Versuch des Sprachwissenschaftlers Peter Eisenberg, über eine Neuformulierung der Regeln den Rückbau der Reform fortzusetzen, scheiterte mit Pauken und Trompeten. So heißt es in dem Bericht vorwurfsvoll, Eisenbergs Entwurf sei „an einer entscheidenden Stelle von den geltenden Regeln“ abgewichen. Er habe nämlich „Kleinschreibung für einzelne Formen substantivierter Adjektive in erstarrten Verbindungen mit idiomatisierter Bedeutung“ vorgesehen. Eisenberg wollte also wieder Schreibungen wie „im allgemeinen“ (statt „im Allgemeinen“) zulassen.

Das kam bei den übrigen Ratsmitgliedern allerdings schlecht an. Die Rats-„AG Linguisten“, in der neben Eisenberg die Altreformer Richard Schrodt und Peter Gallmann sitzen, und die „AG Korpus“, die die Wörterbuchverlage umfaßt, zogen die Notbremse und gaben eine gemeinsame Stellungnahme ab. Der Direktor des Instituts für deutsche Sprache (IDS), das den Rechtschreibrat beherbergt, faßte sie so zusammen:

„Die zu erarbeitende Textfassung ... darf keine neuen Schreibungen erzeugen, muss aber sich vollziehende Änderungen in der Schreibgewohnheit aufnehmen können. ... Die Erarbeitung einer solchen Textfassung wird von den Mitgliedern der beiden AGs als mittelfristige Aufgabe verstanden, die ohne äußeren Druck angegangen werden sollte.“ Das bedeutet, daß das Regelwerk unangetastet bleiben soll und lediglich Varianten gestrichen werden können, allerdings frühestens in fünf Jahren, wenn der Rat seinen dritten Bericht abliefert.

Solange Altreformer und Wörterbuchverlage die Arbeit des Rechtschreibrats bestimmen, wird die Rechtschreibreform weiterhin lediglich im Schneckentempo zurückgebaut.

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Sigmar Salzburg
28.03.2011 20.33
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Ungeheuer ... demokratisch

Zehetmair als Rechtschreibrats-Chef bestätigt

Sprache

Der frühere bayerische Kultusminister Hans Zehetmair ist als Chef des Rates für deutsche Rechtschreibung wiedergewählt worden. „Er ist in geheimer, persönlicher Wahl einstimmig gewählt worden“, sagte die Geschäftsführerin des Rechtschreibrates, Kerstin Güthert, am Montag in Mannheim.


[Bild]

Die Wahl war bereits am Freitag. Zehetmair hatte sein weiteres Engagement als Vorsitzender an Bedingungen geknüpft und finanzielle Unterstützung von der Kultusministerkonferenz (KMK) gefordert.
Die KMK gab seinem Drängen nach Angaben des Rechtschreibrates nun nach und bewilligte einen kleinen Etat. Damit können nun auch die Vertreter aus Deutschland Fahrtkosten abrechnen – die anderen Mitglieder hatten das ihren Ratsmitgliedern schon länger ermöglicht.
Eine weitere Amtszeit Zehetmairs dauert sechs Jahre. „Wie lange ich weitermache, weiß ich noch nicht“, hatte der 74-Jährige im Dezember vergangenen Jahres gesagt. „Aber ich will Kontinuität und dann irgendwann einen reibungslosen Übergang ermöglichen.“
Der Rat für deutsche Rechtschreibung war im Dezember 2004 als Reaktion auf die massive Kritik an der Rechtschreibreform gegründet worden. Er wolle den „Sprachfrieden“ wiederherstellen, hatte Zehetmair damals als Ziel ausgegeben.
Deutschland, Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, Bozen-Südtirol und Belgien gehören dem Rat an. Seine Empfehlungen gelten als verbindlich, die großen deutschen Wörterbücher halten sich daran. dpa

infranken.de 28.3.2011

„Ungeheuer demokratisch“ – Die Reform in der Wortwahl eines Vertreters der Kultusministerien (FAZ 29.1.2004).

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Sigmar Salzburg
02.03.2011 11.46
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Auskunft direkt vom Hersteller des angeblichen Sprachfriedens

Ein um die letzten Dummheiten verkürzter Aufguß des
hier bereits zitierten Interviews:


Sprachfrieden mittlerweile wieder hergestellt

[...] BILD: dpa

VON BRITTA SCHULTEJANS

FRAGE: Herr Dr. Zehetmair, fünf Jahre Reform der Reform …

nwzonline.de 2.3.2011

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Sigmar Salzburg
27.02.2011 15.11
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Was ist die blödeste Schreibweise: Zehetmair-Interview

Sprache

Reform der Reform: Rechtschreibrat zieht Bilanz

Artikel vom 27.02.2011

Vor fünf Jahren – am 2. März 2006 – akzeptierte die Kultusministerkonferenz die ersten Vorschläge des Rechtschreibrates zu Änderungen an der umstrittenen Rechtschreibreform.

[Bild: Foto: dpa]

München (dpa) – Vor fünf Jahren – am 2. März 2006 – akzeptierte die Kultusministerkonferenz die ersten Vorschläge des Rechtschreibrates zu Änderungen an der umstrittenen Rechtschreibreform.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa in München zieht der Vorsitzende des Rechtschreibrates, der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Zehetmair, Bilanz. Er erinnert sich an die schwierigen Anfänge und verrät, was er gegen Ketschap hat.

Herr Dr. Zehetmair, fünf Jahre Reform der Reform – wagen wir einen Rückblick. Die Diskussion um die Neue Rechtschreibung wurde damals unglaublich emotional geführt – warum?

Zehetmair: «Das ist jetzt meine subjektive Erfahrung: Der Ausgangspunkt, eine umfassende Rechtschreibreform im deutschsprachigen Raum auf den Plan zu bringen, war ein ideologischer. Dass die Politik dann versucht hat, par Ordre de Mufti Verordnungen zu bringen, das war meiner Meinung nach ein Fehler. Und ich habe auch immer gesagt, das darf sich nicht wiederholen. Aber die Emotionalität war eben da und es hat seine Zeit gedauert, bis man sich gegenseitig nicht mehr böse Absicht oder geringeres Wissen unterstellt hat.»

Sie sind damals mit dem Ziel angetreten, den «Sprachfrieden» wieder herzustellen. Haben Sie das geschafft?

Zehetmair: «Ja, ich glaube, das kann ich uneingeschränkt sagen. Dass es zu dem ein oder anderen Wort gewisse, anhaltende Diskussionen gibt, das ist in Ordnung, die Sprache ist ja kein logisches Konstrukt. Ich gehöre zu denen, die sagen, Sprache ist ein lebendiges Organ und da kann man sich bemühen, im Nachhinein Regeln zu erkennen und festzuschreiben, die es Kindern leichter machen, die Sprache zu erlernen, weil man ihnen Dinge dann erklären und ihnen die Unsicherheit nehmen kann. Die Rechtschreibung ist ja kein Lieblingskind unserer Kinder.»

Glauben Sie, dass es Kinder in der Schule heute – nach der Reform und nach der Reform der Reform – leichter haben als Kinder, die noch die gute alte Rechtschreibung erlernen mussten?

Zehetmair: «Sie könnten es leichter haben. Einige Dinge sind leichter geworden: Zum Beispiel die Unterscheidung zwischen scharfem s und Doppel-s. Nach kurzem Vokal gibt es ein Doppel-s, nach langem ein scharfes s. Dass viele aus der älteren Generation sagen, sie schreiben weiter wie früher, das finde ich in Ordnung. Für die war die Reform ja nicht gedacht.»

Wie halten Sie selbst es mit der Rechtschreibung?

Zehetmair: «Ich schreibe nach der neuen Rechtschreibung. Das ist mir auch nicht schwer gefallen. Ich war so intensiv mit der Untersuchung befasst, dass ich da sehr tief einsteigen konnte. Man bekommt dann allerdings auch einen gewissen Schlag, wenn man sich über Jahre nur damit befasst. Manchmal muss man aufpassen, dass das nicht zur Psychose wird.»

Was sind denn die wichtigsten Änderungen an der Reform, die der Rechtschreibrat angestoßen hat?

Zehetmair: «Das waren schon die vier Kernpunkte, die wir uns zu Anfang vorgenommen haben. Der erste war die Groß- und Kleinschreibung. Da gab es in der Reformbewegung den Trend, einfach alles groß zu schreiben. Der zweite war die Getrennt- und Zusammenschreibung, weil es einfach einen Sinn-Unterschied macht, ob jemand in den wohlverdienten Ruhestand geht oder in den wohl verdienten mit dem Unterton: Ganz sicher ist man sich nicht, ob er ihn verdient hat. Der dritte Punkt war die Kommatasetzung. Kommata sind für die Lesefreundlichkeit einfach sehr wichtig. Und der letzte Punkt war die Trennung von Wörtern. A-pfel, das ist einfach nicht ästhetisch. Im Übrigen sind Kinder ohnehin klug genug, dass sie einfach auf der nächsten Zeile weiterschreiben, wenn sie sich bei der richtigen Trennung nicht ganz sicher sind. Und dann kam der große Block der Fremdwörter.»

Was war Ihnen da wichtig?

Zehetmair: «Da muss man entscheiden, ob etwas inzwischen eingedeutscht ist – wie beim Frisör – oder nach wie vor ein Spezialbegriff ist wie beim Portemonnaie. Wir haben bislang schon die Erfahrung gemacht, dass die Kinder auch mit Fremdwörtern schon erstaunlich sicher umgehen. Dass sie das Portemonnaie, um das so viel gestritten wurde, nicht in der simplifizierten Vorschlagsform schreiben – mit einfachem e –, sondern dass sie es zu 90 Prozent richtig schreiben – wenn sie es nicht durch Geldbeutel ersetzen. Wir dürfen da nichts verfremden. Ski kann man natürlich auch Schi schreiben, da reg ich mich nicht auf. Ich habe nur was dagegen, wenn man meint, dass man Restaurant mit o schreiben muss. Wer sich das Restaurant leisten kann, kann auch das Wort Restaurant dort lesen. Es kommt nun einmal aus dem Französischen.»

Was ist das blödeste Wort oder die blödeste Schreibweise, die Ihnen untergekommen ist?

Zehetmair: «Ketschap! Das mag ich eh nicht, aber darum geht es ja nicht. Alle kennen es als Ketchup. Wieso soll man das, was auf allen Tuben und Flaschen steht, denn dann ändern? Da wäre das mir ohnehin nicht sonderlich sympathische Ketchup geschmacklich völlig entstellt. Wenn ein Begriff schon jahrelang gebraucht wird und man keinen anderen Begriff hat, dann gibt es irgendwo Grenzen. Wir schreiben Jeans ja auch nicht plötzlich mit i.»

Interview: Britta Schultejans, dpa

news.de 27.2.2011

Zur Ketschap-Psychose u.a. hier

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Sigmar Salzburg
31.12.2010 13.38
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Schreibunrat vom Rechtschreibrat

Rat für deutsche Rechtschreibung
von: Lyriost – Kategorie: Gedanken

„Der Rat ist die maßgebende Instanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung ...“

Der Rechtschreibrat, die „maßgebende Instanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung“, hat unlängst einen Bericht über seine Arbeit von 2006 bis Oktober 2010 herausgegeben. Ich hab den mal kurz überflogen und festgestellt, daß sich der Rat mit der Erstellung von Texten nicht besonders gut auskennt – so sind Wortzwischenräume bei Überschriften uneinheitlich, bei Prozentangaben fehlen sie gänzlich (5%), statt Klammerhierarchien gibt es mehrere runde Klammern hintereinander, Punkte bei Aufzählungen mit römischen Ziffern stehen nicht untereinander, häufig werden Gedankenstriche und Bindestriche verwechselt usw.

Es gibt falsche Silbentrennung („Zeile-nende“ statt „Zeilen-ende“, deutsch-er“ statt „deut-scher“), Kommata, wo keine hingehören, aber auch schon mal einen Relativsatz ohne Komma, stilistische Merkwürdigkeiten:
„Diese Diskussion ging aus von der erneuten und vertieften Beschäftigung des Rats mit dem im Regelungsvorschlag von 2006 von den vom Rat initiierten Veränderungen nur am Rande berührten Bereich der Groß- und Kleinschreibung.“
An diesem Satz kann man sehen, daß sich kein Sprachpraktiker – also Lektor, Korrektor, Schriftsteller – vor der Veröffentlichung mit ihm befaßt hat. Das Sagen im Rechtschreibrat haben in erster Linie beamtete Sprachverwalter und Theoretiker, „in Sonderheit“ Pfleger der knisternden Nominalphraseologie.
Im Bericht findet man Redundanzen („in diesem Bereich ... in diesem Bereich“ – „in Sonderheit ... in Sonderheit“), umgangssprachliche Ausdrücke statt standardsprachliche („von vorneherein“ statt „von vornherein“), falsche Schreibung von Wörtern („daran gegangen“ getrennt statt richtig wie von jeher „darangegangen“), die Schreibweise „Orthographie“ neben „Orthografie“, grammatikalische Fehler (Beispiel: "... das sich auf bestimmten Bereichen bezog ...“, „die gebildeten Wörtern“, die „Darstellung wurden wiedergegeben“, „Eidgenössisches Finanzdepartements“ statt „Eidgenössisches Finanzdepartement“). Nichts gegen den Genitiv, aber nicht um jeden Preis(es).

Die Schreibung nach Doppelpunkten, groß oder klein, ist nicht immer regelkonform, und es gibt falsche Pluralbildung (etwa „Nominationsstereotypen“ statt, wie es korrekt wäre, „Nominationsstereotype“).

In summa: Der Rechtschreibrat wäre gut beraten, sich von einem schriftkundigen Menschen beraten zu lassen, bevor er Texte für die Öffentlichkeit freigibt.

1. Zebulon schreibt am 29.12.2010 um 12:54 Uhr: !!!

2. Lyriost schreibt am 30.12.2010 um 11:30 Uhr: Ja, Zebulon, Ausrufezeichen. Und damit ist noch nichts zum Inhaltlichen des Berichts gesagt, der zum nicht geringen Teil aus hochgradigem Schwachsinn, Naivitäten und Unwahrheiten (Lügen) besteht. Was soll auch dabei herauskommen, wenn ausgerechnet diejenigen zum „Erfolg“ der Reform befragt werden, die aus dem Unsinn reichlich PROFIT ziehen.

blogigo.de

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Sigmar Salzburg
12.12.2010 06.57
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Th. Ickler zum 2. Bericht

Theodor Ickler hat bereits eine umfassende Kritik des 2. Berichts des Rates für deutsche Rechtschreibung ins Netz gestellt. Sie ist gewohnt sachlich und präzise:

sprachforschung.org 11.12.2010

Daraus einige Stichworte:

Wir sind an bürokratische Texte und aufgeblasene Gremienprosa gewöhnt, aber was die Geschäftsführerin Kerstin Güthert bietet, übertrifft die Erwartungen…


Der Rat steht vor einem Dilemma: Einerseits glaubt er nichts ändern zu dürfen, andererseits muß er seine Existenz irgendwie rechtfertigen.

Die revidierte Regelung von 2006 hat alle Züge einer Übergangslösung. Hauptgrund ist, daß die Arbeit des Rechtschreibrates mittendrin gestoppt wurde. …

Seither arbeitet der Rechtschreibrat unter der Vorgabe, den Inhalt der Reform nicht mehr antasten zu dürfen. Seine gesamte Tätigkeit ist daher auf folgenlose theoretische Erörterungen und statistische Erhebungen beschränkt, die er satzungsgemäß als „Beobachtung des Schreibgebrauchs“ bezeichnet. …

Die „Beobachtung des Schreibgebrauchs“ litt darunter, daß die Reformschreibung für die Schulen vorgeschrieben und in den Medien durch Verleger oder Herausgeber – nachweislich gegen den Wunsch der Leser und der Bevölkerungsmehrheit – gewaltsam durchgesetzt und der „Schreibgebrauch“ insofern verzerrt ist. Auch Leserbriefe und Zitate aus Schriftstellern in Rezensionen werden von den Zeitungen unerbittlich auf Reformschreibung getrimmt. Von einer Entwicklung kann seither nicht mehr die Rede sein, aber der Rat verleugnet diese schlichte Tatsache in allen seinen Äußerungen. …

Von welcher Art jene Belanglosigkeiten sind, ist Seite um Seite zu erkennen. Der Rat kommt z. B. zu so umwerfenden Ergebnissen wie dem, daß Kammmacher nun fast hundertprozentig mit drei „m“ geschrieben wird, allerdings praktisch nur im Zusammenhang mit Gottfried Keller vorkommt.

Eine Nachprüfung der statistischen Angaben ist im allgemeinen nicht möglich, da die Texte aus dem Medienbereich nur am Institut für deutsche Sprache und die Texte aus der Schüleruntersuchung überhaupt nicht zugänglich sind….

Der Rat versucht sich an einer regelrechten Geschichtsfälschung. Wie schon in anderen Verlautbarungen verschweigt er die Revision von 2004. …

Nur in einer Anmerkung wird angedeutet, daß sich auch 2004 etwas getan hat: „(…) bis auf weiteres, seit kurzem und von weitem (…). Für diese Gruppe ist seit 2004 fakultativ die Großschreibung zulässig.“

Allein diese von Gallmann durchgesetzte Änderung war aber schon ein „Paradigmenwechsel“ von ähnlichem Kaliber wie die beiden erwähnten (abgesehen davon, daß „Paradigmenwechsel“ – von Güthert gleich dreimal benutzt – ohnehin nur ein aufgedonnertes Modewort ist)….


Zu den interessanteren Mitteilungen gehört folgendes:

„(Recherchen des IDS) ergaben, dass das amtliche Wörterverzeichnis in seinem Lemmabestand auf das von Gerhard Augst erarbeitete ‚Lexikon zur Wortbildung. Morpheminventar‘ aus dem Jahre 1975 zurückging, ein Umstand, der bislang nicht bekannt war. Das augstsche Morpheminventar wiederum fußt auf zwei Wörterbüchern aus dem Jahre 1968.“ (sc. Wahrig und Duden)

Bei dieser Gelegenheit erfährt man auch, daß uns 1996 weitere Augstsche Einfälle erspart geblieben sind, z. B. Neglischee. (Welche noch?)

Eine implizite Kritik an Augst (dessen Name in früheren Sitzungen nie erwähnt wurde, obwohl er sich mit einigem Recht als den Vater der Reform betrachtet) kann man in den Ausführungen zur Variantenschreibung erkennen. Hier werden einige Neuschreibungen als „forciert integriert“ bezeichnet, ein ganz neu eingeführter Begriff, …

Nicht unerwartet, aber doch ganz interessant sind einige Einzelergebnisse. So hat der Rat herausgefunden, daß Stengel vor der Reform niemals falsch geschrieben wurde, nach der Reform aber die Neuschreibung Stängel immer häufiger zugunsten von Stengel gemieden, also jedesmal falsch geschrieben wird. … Auch behände wird nach und nach wieder aufgegeben.

In diesem Bereich fällt besonders unangenehm auf, wie der Rat sich über das offenbar Gezwungene der Neuschreibungen hinwegsetzt und die gewaltsame Durchsetzung für eine bloße „Entwicklung“ des Schreibbrauchs zu halten vorgibt. Der Bericht übergeht auch den eigentlichen Kritikpunkt: daß nämlich die meisten „Etymogeleien“ nicht bloß freigegeben, sondern zwingend vorgeschrieben sind. …

Gesamtbeurteilung:

Der Rechtschreibrat verbucht die Durchsetzung der Reform als Erfolg, die Qualität des Durchgesetzten spielt für ihn keine Rolle. Die Sprachwissenschaft hat abgedankt zugunsten einer geschäftsrelevanten Durchsetzungsforschung…

Wie geht es weiter?

Die empfohlenen 20 Änderungen im Wörterverzeichnis sind von demonstrativer Dürftigkeit und Irrelevanz. …

sprachforschung.org 11.12.2010

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Sigmar Salzburg
11.12.2010 08.45
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Die FDS zur Ratsarbeit

Kommentar von ub, verfaßt am 10.12.2010 um 18.55 Uhr
Adresse: sprachforschung.org

Hier noch der vollständige Text der Stellungnahme, die die FDS heute unter anderem der Nachrichtenagentur dpa zukommen ließ:

„Der Rat für deutsche Rechtschreibung empfiehlt in seinem jetzt vorliegenden 2. Bericht, die Malaise mit der ‚Maläse’ und einigen anderen Zwangseindeutschungen zu beenden, um überhaupt etwas vorweisen zu können. Aber damit bemäntelt er nur die eigene Untätigkeit“, kritisiert die Forschungsgruppe Deutsche Sprache (FDS). „Die vordringliche Aufgabe einer Revision der reformierten Groß- und Kleinschreibung hat der Rat nicht nur unberücksichtigt gelassen, sondern eine entsprechende, von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung eingebrachte Initiative sogar blockiert, wie aus dem Bericht [S. 8 f.] hervorgeht.“

Der Reformkritiker Prof. Dr. Theodor Ickler (Univ. Erlangen), Mitglied im Beirat der FDS und bis Anfang 2006 selbst Angehöriger des Rates, stellt zu dem Bericht fest: „Über die Auswirkungen der Reform und ihrer Revisionen an den Schulen liegen immer noch keine verwertbaren Untersuchungen vor. Der Rat vertröstet auf später. Die Rechtschreibreform, die sich ja primär auf die Schulorthographie richtete – den einzigen Bereich, für den die Kultusminister „Regelungskompetenz“ beanspruchen –, wurde von Anfang an ohne entsprechende wissenschaftliche Begleitung ins Werk gesetzt. Die läppischen Änderungsvorschläge des Rates, vor allem am amtlichen Wörterverzeichnis, werden die Kultusminister wohl annehmen müssen, um den Rat nicht vollends als Kasperltheater bloßzustellen.“

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Sigmar Salzburg
10.12.2010 21.38
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Empfehlung des Rechtschreibrates im 2. Bericht

Das Ergebnis der vierjährigen Arbeit von 40 Teilnehmern aus sechs Ländern (S.24):

Da die Variantenschreibungen
Butike, Fassette, Kabrio, Katarr, Krem/Kreme, Kupee, Maffia, Maläse, Mohär, Myrre, Scharm (inkl. scharmant), Schikoree, Schose, Sketsch, Sutane und transchieren
folglich weder im Schreibgebrauch vertreten noch aus regelwerkssystematischen Gründen unerlässlich sind, hat der Rat auf seinen Sitzungen vom 23.04.2010 und 02.07.2010 mehrheitlich den Beschluss gefasst, den staatlichen Stellen ihre Streichung zu empfehlen.

Weiterhin verwendet er sich für die Zulassung von
Caprice, Clementine, Creme und Schmand
als Variantenschreibungen zu den bestehenden Schreibungen
Kaprice/Kaprize (österr.), Klementine, Creme und Schmant.
_________
2. Bericht des Rats (2006-2010)

Die Streichung bedeutet zugleich auch Vermehrung der Fehlerquellen für Schüler u.a.
Man kann sich wieder gut vorstellen, wie die „mehrheitlichen Beschlüsse“ des Rates zustande gekommen sind:
Aus der Arbeit der Kommission

Für dergleichen will Zehetmair auch noch mehr Geld.
Früher machte der Duden so etwas nebenher.

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Sigmar Salzburg
10.12.2010 11.11
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Affentheater Rechtschreibreform

Aus dem Bericht 2010:

Im Berichtszeitraum haben zehn Sitzungen des Gesamtrats stattgefunden, an denen im Schnitt 25 Mitglieder also etwa zwei Drittel der Gesamtzahl, teilgenommen haben.

Es fehlten also meistens etwa um 15 Mitglieder.

Das ist verständlich: Nach wie vor ist die „Rechtschreibreform“ die dümmste und lächerlichste Unternehmung, die die Kultusministerkonferenz jemals in die Wege geleitet hat. Jetzt sollen 40 (vierzig) Leute, die meist Wichtigeres zu tun haben, beobachten, wie alberne Schreibvorschriften wie „belämmert“ und „Tollpatsch“ im allgemeinen Schreibgebrauch angenommen werden, und sie können doch nur vereinzelt erfassen, was die Korrekturautomaten der Zeitungen und Medien geleistet haben.

Eigentlich verbietet es sich nach kurzem Einblick in die Berichte, sich überhaupt weiter mit diesem Humbug zu beschäftigen.

Der volksetümelnde Augst-Schwachsinn heißt jetzt übrigens „Re- und Neumotivierungen“.

Weiter aus dem Bericht 2010:


Re- und Neumotivierungen
Durch die Reform wurde die Schreibung in 15 Einzelfällen geändert, davon sind 8 auf Remotivierung und 7 auf Neumotivierung zurückzuführen. Bei den Remotivierungen handelt es sich um die Fälle Bändel, behände, Gämse, Gräuel/gräulich, schnäuzen, Stängel, überschwänglich, (Schnee)wechte, bei den Neumotivierungen um die Fälle belämmert, ein-/verbläuen, Quäntchen, Ständelwurz, Tollpatsch und Zierrat. Dazu kommen folgende in Variantenschreibung zugelassene Fälle: Albtraum, Albdrücken und Messner neben weiterhin zulässigen Alptraum, Alpdrücken und Mesner/Mesmer.

Entsprechend den unter 2.1.1.1 formulierten Bedingungen mussten von diesen aufgrund niedriger Belegzahlen die Lexeme Ständelwurz, verbläuen und (Schnee)wechte ausgenommen werden. Für die anderen Lexeme wurden Untersuchungen durchgeführt. Dabei ergibt sich bei den Remotivierungen folgender Befund:
•Bändel weist keine Normabweichung auf. Vor der Reform betrug die Abweichung 100%.
•behände zeigt aktuell ansteigende Werte von nichtnormgemäßen Schreibungen. Ihr Anteil liegt im Jahre 2008 in den einzelnen Korpora zwischen 39 und 61%. Vor der Reform betrug die Abweichung bis zu 10%.


Bei den Neumotivierungen (sog. Volksetymologien) ergibt sich ein ähnliches Bild:

•Tollpatsch zeigt aktuell rückläufige Werte an nicht normgemäßen Schreibungen auf. Nach einem Rückgang bis auf 5% im Jahre 2002 zunächst relativer, dann abrupter Wiederanstieg bis auf einen Spitzenwert von 52% im Jahre 2006. 2007/08 Abfall auf 29% und weiter auf 25%. Beim Adjektiv sind die Werte rückläufig. Sie liegen aktuell bei ca. 12% normabweichenden Schreibungen und sind damit signifikant tiefer als vor der Reform mit 44%.

„Reformerfolg“ also: Vorher hätten danach 44% „tollpatschig“ geschrieben (wen hat es gestört?), jetzt schreiben nur noch 12% richtig „tolpatschig“. Für solche „wissenschaftlichen“ Erkenntnisse verdient der Rat den „IgNobelpreis“!

Und so weiter und so weiter – es wäre einfach nur lächerlich, wenn es nicht Teil des Trauerspiels „deutsche Schreibkultur“ wäre.

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