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Unwichtige Geschichtsfälschungen
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Sigmar Salzburg
18.04.2013 06.26
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Liebes Tagebuch

„Spiegel Eines Tages“ setzt die Serie der orthographisch gefälschten Auszüge aus Tagebüchern junger Leute der 80er-Jahre fort. Eigentlich wäre zu erwarten, daß man die übliche Rechtschreibung als Zeitkolorit stehen läßt, zumal das Verfassungsgericht festgestellt hatte, daß Nachteile dadurch „nicht zu besorgen“ seien. Daß dem nicht gefolgt wird, zeigt die finstere Absicht. Man will, wie bei Orwells 1984, die bessere Vergangenheit vergessen machen:

„Wenn er doch wüsste...“: Die 16-jährige Marion schrieb 1988 in ihrem Tagebuch,...

In Folge zwei: ein Teenie-Schicksal aus den Achtzigern.

1. Januar 1988
Prost Neujahr. Fuck Neujahr.
Fängt ja schon saugut an. Tolle, deprimierende Party, und dann Eltern, die einen zusammenscheißen. Merken nicht, dass ich halb zu bin und legen jedes Wort auf die Goldwaage.

6. Januar 1988
Sandra hat mir heute die ganzen Platten gebracht (ca. 20). Ich habe sechseinhalb Stunden überspielt, und dabei drei Kassetten fertig gestellt: Eine Ärzte und 2 Bowie. Mords Arbeit!
[…]

16. Juni 1988
Heute sind wir mit dem „Bock“-Layout [Layout der Schülerzeitung] fertig geworden – SUPER!! Uli war auch 3 Mal kurz da, um was zu kopieren. …

19. Juni 1988
Ich bin richtig aufgebaut, weil der Christian so hergeschaut hat. Das nächste Mal muss ich Tschüss zu ihm sagen.

Oh Christian, könnte ich nur mal mit dir reden! Heute war ich so nah dran. Die Kontaktlinsen verbessern wahnsinnig das Selbstbewusstsein, ist schon toll. … Ich muss mal wieder meinen Matrosenanzug anziehen, fällt mir gerade ein. Vielleicht morgen?

3. Juli 1988
Ohje, gestern Abend waren wir im K5, da kam Uli ... Vom Geistigen her ist er der absolute Arsch. Hasst Ökos, zertrampelt Naturschutzgebiete, ist anscheinend auch noch überzeugter Katholik (Kloster etc.) …
[usw.]

Ella Carina Werner / Nadine Wedel: „Ich glaube, ich bin jetzt mit Nils zusammen: Das Beste aus wieder ausgegrabenen Jugend-Tagebüchern“. Fischer Schwerz Verlag, März 2013.

einestages.spiegel.de 17.4.2013

Siehe auch hier

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Sigmar Salzburg
11.04.2013 17.10
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Hitler-Tagebücher: Die Fälschung der Fälschung

Focus „dokumentiert“:
Dass der „Stern“ auf die angeblichen Hitler-Tagebücher Konrad Kujas hereinfiel – es wirkt bis heute unglaublich. Filme wie „Schtonk“ oder die gerade ausgestrahlte ZDF-Dokumentation „Die Jahrhundertfälschung“ geben Einblick in den größten Skandal der deutschen Mediengeschichte, doch das Staunen bleibt.

[Nein, der größte Skandal war die „Rechtschreibreform“ dreizehn Jahre später. Nur machen dort schon zu viele Leute mit, als daß es noch zu einem befreienden Gelächter kommen könnte. Dafür erleben wir jetzt die Fälschung der Fälschung: Hat Konrad Kujau das von Klein-Adolf in Österreich möglicherweise noch gelernte und erst 1996 wieder exhumierte Heyse-ss-System angewandt?]

Gut verschlossen liegen die gefälschten Hitler-Tagebücher bis heute im Safe. Aber das, was an Inhalt vom „Stern“ veröffentlicht oder anderweitig bekannt wurde, ist absurd genug. FOCUS Online dokumentiert unglaubliche Zitate des vermeintlichen Führers…

„Es geht nicht, dass unsere Wirtschaft durch einige Hitzköpfe Millionen und aber Millionen Werte vernichtet werden allein schon an Glas ... Sind diese Leute denn verrückt geworden? Was soll das Ausland dazu sagen? Werde sofort die nötigen Befehle herausgeben.“ (angesichts der „Reichskristallnacht“ vom 8. auf den 9. November 1938)

„Der kleine Goebbels macht schon wieder Geschichten mit Frauen. Werde in den nächsten Tagen einen geheimen Erlass herausgeben, dass ich von meinen engsten Mitarbeitern und Parteiführern im Reich keinerlei Affären mehr wünsche.“ ...

Das Stauffenberg-Attentat vom 20. Juli 1944 fand der „Führer“ angeblich lustig („Ha, ha, daß ich nicht lache“), …

„Was verschweigen mir meine Ärzte? Kann ich diesen Leuten überhaupt noch trauen? Bin total zerstochen von den vielen Spritzen. Bin ich vielleicht … unheilbar krank?“

„Viel Leid hatte E. durchzustehen. Wie mir die Ärzte am 30. mitteilten, war es nur eine Schein-Schwangerschaft. E. aber glaubt an einen Abortus. Gerade nun, da ich wirklich keine Zeit, die diese junge Frau nun brauchte, habe, muss ich sie so allein lassen.“

„Morgens um 6 Uhr gründliche Untersuchung. Mache den Ärzten große Vorwürfe, weil meine Schmerzen immer größer werden. Nun habe ich schon Schmerzen im Gedärm.“
„Die übermenschlichen Anstrengungen der letzten Zeit verursachen mir Blähungen im Darmbereich und Eva sagt, ich habe Mundgeruch.“ (dieses Zitat wurde berühmt durch eine Szene in „Schtonk“)

focus.de 10.4.2013

Zum letzten: Kujau hat die Erinnerungen von Hitlers Sekretärin Schroeder gut gelesen. Die schrieb, daß er zuletzt Mundgeruch hatte.
„Schtonk“ ist ein deutschklingendes Phantasiewort aus dem Munde von Chaplins „Großem Diktator“.

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Sigmar Salzburg
21.03.2013 09.48
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Vergangenheitsvergewaltigung per ‚Demokratieabgabe‘

Auf allen öffentlich-rechtlichen Kanälen und Medien wurde die ZDF-Serie „Unsere Mütter, unsere Väter“ vor und nach der Ausstrahlung als der künftige Maßstab für die Zeitgeschichte abgefeiert…

Jene systematischen Vergewaltigungsorgien, mit denen der Krieg in Berlin 1945 endete und vor denen die Opfer noch jahrelang „nachzitterten“ wie Bert Brecht in sein Tagebuch schrieb, verhöhnt der Regisseur mit dem Auftritt eines weiblichen Sowjetoffiziers. Offenkundig frisch aus dem Friseursalon kommend, stoppt die Brünette die Vergewaltigung – man sei schließlich als Befreier unterwegs. Dann wird das Beinahe-Opfer noch für den Wiederaufbau rekrutiert, während der Westen – kleiner Fußtritt aus der Ära des realsozialistischen Films – dafür den rechtzeitig gewendeten SS-Chargen einsetzt…

Es ist Teil einer umfassend per „Demokratieabgabe“ subventionierten politischen Bildung. Umgehend führte das ZDF eine Schulklasse vor, die den Film aktuell ansehen mußte… jungefreiheit.de 21.3.2013

Die Mädchen meiner polnischen Verwandten in Schlesien mußten sich zwei Wochen lang in Scheunen und Heuschobern verstecken, um der Vergewaltigungsorgie ihrer sowjetischen Befreier zu entgehen.Siehe auch hier .

Kriegsgräuel 1945 – Erstmals geben russische Geheimarchive preis, wie deutsche Frauen von Rotarmisten misshandelt wurden…
Der Politoffizier eines Panzerregiments wird nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 damit prahlen, dass die Rote Armee in Deutschland „zwei Millionen Kinder hinterlassen“ habe. Abendblatt 12.8.2002

Der Rundfunkbeitrag passt gut in dieses Land. Er ist genau genommen eine „Demokratie-Abgabe“. Ein Beitrag für die Funktionsfähigkeit unseres Staatswesens und unserer Gesellschaft. Demokratie fußt auf der Urteils- und Entscheidungsfähigkeit ihrer Bürgerinnen und Bürger.
(Jörg Schönenborn, WDR-Chefredakteur Fernsehen ARD 27.12.2012)

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Sigmar Salzburg
14.03.2013 14.39
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Liebes [gefälschtes] Tagebuch

Als Teenager begann Nadine Finsterbusch, ihre Gedanken in dieses „The Real Ghostbusters“-Notizbuch zu schreiben.
einestages präsentiert historische Tagebuchaufzeichnungen. In Folge eins: ein Teenie-Schicksal aus den Neunzigern.

18. Oktober 1993
Heute war der erste Schultag nach einer Woche Herbstferien. Grauenhaft. … Ich hab zu nichts Lust, kapier schulisch nichts, habe eine vier in Deutsch ...

[Zum Glück ändert sich das, denn durch höhere Inspiration werden Nadine schon zwei Jahre vor dem Politikerbeschluß die wunderbar erleichternden Regeln der Reformschreibung vermittelt:] …

17. Januar 1994
Von Tag zu Tag wird mir klar, dass das mit Mark Owen nie wahr werden wird. Schade…

[Das leichtere „kennen lernen“ hatte die höhere Eingebung noch unterschlagen:]

23. Februar 1994
Heute ist ein Tag wie alle Tage: scheiße. Und ich bin schon wieder am Denken. Einen süßen Jungen kennenlernen und mit ihm nach England ziehen…

[Aber die Prophetie, wie Thomas Gottschalks „Wetten daß …?“ in sechs Jahren aussehen wird, ist beeindruckend:]

22. März 1994
… Als Mark bei „Wetten, dass...?“ war, wollte ich eigentlich in den Fernseher springen…

[Die bis 2006 schulisch vorgeschriebene große Recht-Haberei fehlt noch:]

11. April 1994
Ich glaub, langsam bin ich richtig verknallt in Mark... Aber die Presse hat recht: er ist der kleinste, aber der Gößte.

[Daß ein Kuß kein Kuß bleiben würde, war für Normalbürger nicht vorauszusehen, aber er wird auf diese neue Weise ja ungemein vereinfacht!]

29. Juni 1994
… In England gehen wir zu einem Ball. Mark sagt „Jeder braucht eine Begleitung, geh mit mir hin.“ Als ich mich gerade fertig mache, kommt er zu mir in den Raum und wir unterhalten uns und plötzlich küsst er mich. Ich bin völlig durcheinander, doch er drückt mich sanft an sich und küsst mich und dieser Kuss könnte später einen Preis bei den MTV Movie Awards bekommen…

[Die ungewöhnlich hellsichtig vorausgenommene Reformschreibung hat aber nun doch nichts genützt. Nadine ist trotz neurichtiger Schreibungen sitzengeblieben.]

05. September 1995
… Ich bin ja auch sitzen geblieben und da hat sich einfach noch mehr verändert. 16 bin ich auch noch geworden. Seitdem geht alles den Bach runter…

[Da hatten sich doch Heide Simonis und Konsorten erst im Oktober 'bis in die tiefsten Details' mit der Reform beschäftigt und waren zu dem Ergebnis gekommen, 'daß wir dem so nicht zustimmen können' und sich schließlich im Dezember 95 überzeugt: „Die Neuerungen dienen jetzt wirklich der Erleichterung." – Das war natürlich zu spät für Nadine.]

Zum Weiterlesen:

Ella Carina Werner / Nadine Wedel: „Ich glaube, ich bin jetzt mit Nils zusammen: Das Beste aus wieder ausgegrabenen Jugend-Tagebüchern“. Fischer Schwerz Verlag, März 2013.

spiegel.de 14.3.2013

Spiegel EinesTages bringt auch das Foto einer Tagebuchseite – in aller Bescheidenheit natürlich ohne verfängliche „ß“, aus denen der Leser hätte erkennen können, wie sehr der Verlag keine Mühen gescheut hat, ihm das Lesen zu erleichtern.

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Sigmar Salzburg
24.02.2013 11.23
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Erich Loest

* 24. Februar 1926 in Mittweida/Sachsen; deutscher Schriftsteller

… Er darf 1981 die DDR verlassen und siedelt in die Bundesrepublik über.
Dort erschien dann auch seine Autobiographie „Durch die Erde ein Riss“…

hpd.de 24.2.2013

Nach Wikipedia:
Durch die Erde ein Riß,
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1981;
als Taschenbuch: dtv, München 1990.


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Sigmar Salzburg
24.02.2013 05.16
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Es geht auch anders bei Spiegel Online EinesTages:

Marc von Lüpke zitiert richtig:

Ein Lexikoneintrag aus der Mitte des 19. Jahrhunderts hielt fest, „daß das Schlachten dieses klugen und edlen Thieres das Gefühl beleidigt“.

Er meidet aber auch die groteske neue Großschreibung:

Die Berliner Tierschützer waren nicht die ersten, die den Deutschen das Pferdefleisch schmackhaft machen wollten …

…und erläutert die …

… etwas verschrobene Idee dahinter: Manch armer Gaul fristete als Zug- und Lasttier ein erbärmliches Leben. Da wäre es nur gnädig, wenn ihm ein schneller Tod vergönnt wäre – in der Schlachterei, verarbeitet zu Wurst und Schinken.

einestages.spiegel.de 22.2.2013

Daß in dieser Spiegel-Rubrik nicht selten falsche Zitate auftauchen, liegt auch daran, daß dort vielfach Auszüge aus Büchern gebracht werden, deren Verleger oder Verfasser ähnlich wie Guido Knopp die orthographische Angepaßtheit der wissenschaftlichen Exaktheit vorziehen.

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Sigmar Salzburg
20.02.2013 16.44
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Rolf Hochhuths Papst-Drama

Die Auseinandersetzung mit der jüngsten deutschen Vergangenheit, erst Recht die mit der Rolle der Kirche im Nationalsozialismus und ihrem Verhältnis zum Antisemitismus standen damals noch ganz am Anfang. Mit seiner effektvollen Mischung aus Phantasie und historischen Fakten hatte sich der junge Dichter Hochhuth leicht angreifbar gemacht. „Allzuoft erwies sich“, so konstatierte 1964 DER SPIEGEL, "dass dem Ankläger historiographisch einwandfreie Unterlagen fehlten, mit denen er seine Thesen belegen konnte“… einestages.spiegel.de 20.2.2013

Allzuoft erwies sich, daß dem Ankläger historiographisch einwandfreie Unterlagen fehlten … ( spiegel.de 18.11.1964)

Alles halber Kram: Wenn „dass“, dann auch die neue Pflichtschreibung „allzu oft“!

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Sigmar Salzburg
12.02.2013 13.40
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Quellen von 1948 in Reformdeutsch von 1998?

Der Sündenfall des Nazi-Pfarrers

Die Autorin Dr. Dagmar Pöpping arbeitet als Historikerin in Berlin und München. Ihr wissenschaftlicher Aufsatz zum Thema mit dem Titel „Zwischen Kriegsverbrechen und Pfarramt. Walter Hoff und die evangelische Kirche“ erscheint im März 2013 in der „Zeitschrift für Geschichtswissenschaft“...

Beichte ohne Folgen: Ende der sechziger Jahre verdächtigten Ermittler einen Pastor, an der Ermordung Hunderter Juden beteiligt gewesen zu sein. Bewiesen werden konnte ihm die Tat nicht. Nun kam heraus, dass der Kirche sogar ein Geständnis vorlag – und er dennoch als Geistlicher arbeiten durfte. Von Dagmar Pöpping und Solveig Grothe ...

Der bemerkenswerte Halbsatz stand in einem Brief, im vierten Absatz. Der Probst zu Berlin, Konsistorialrat Dr. Walter Hoff, hatte seinem Berliner Amtskollegen Oberkonsistorialrat Fichtner am 29. September 1943 mitgeteilt, dass er „in Sowjetrussland eine erhebliche Anzahl von Juden, nämlich viele Hunderte, habe liquidieren helfen“…
Damals war die reine ss-Schreibweise verbreitet.
Nach Berlin gekommen war Hoff 1930. Zuvor hatte der Pastor acht Jahre lang in der schleswig-holsteinischen Gemeinde Rellingen gedient und sich dort unter anderem juristisch gegen die Behauptung zu wehren versucht, Vater eines unehelichen Kindes zu sein. Seine Bewerbung auf die vakante Pfarrstelle der Luisengemeinde in Berlin-Charlottenburg schließlich hatte Erfolg…

Im Februar 1948 eröffnete das Berliner Konsistorium das Disziplinarverfahren gegen Hoff. Er wurde beschuldigt, "dass er in Berlin und während seiner Verwendung im Felde seit dem Jahre 1934 kirchliche und andere Amtsträger unter politischen und kirchenpolitischen Gesichtspunkten angegriffen und verfolgt hat und außerdem gegen sonstige Personen in nicht entschuldbarer Weise vorgegangen ist“. Das genügte für einen Rauswurf…
Aber hier haben wir sie: Das Nebeneinander von ss und ß zeigt die 1996er reformierte Heyse-Schreibweise an, deren Verwendung 1948 äußerst unwahrscheinlich war.
Bemerkenswerterweise hieß es in der Urteilsbegründung bezüglich Hoffs Bekenntnis zum Massenmord: „Gleichwohl hat die Disziplinarkammer zum Mindesten [?] als glaubhaft unterstellt, dass jene Angaben über Judentötungen nicht den Tatsachen entsprechen, sondern eine politische Zwecklüge waren.“

einestages.spiegel.de 12.3.2013
Wieder werden wir darauf gestoßen, daß in der heutigen Nachreformzeit allen Textzitaten in den Medien mit äußerstem Mißtrauen zu begegnen ist.

Etwas Persönliches habe ich auch erfahren: Den Namen und Charakter des Pastors in Rellingen, der bei meiner Mutter zwischen ihrem achten und sechzehnten Lebensjahr den Entschluß zum Kirchenaustritt hat reifen lassen.

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Sigmar Salzburg
07.02.2013 13.08
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Heute – die Ssstasi im Kopf

DDR-Bürger Hartwig Köhler … war Inoffizieller Stasi-Mitarbeiter (IM), Deckname: „Harty“… Er brachte den Karneval auf SED-Linie.
Dabei hatte der Spitzel viel zu tun. Denn Gegner der Arbeiter- und Bauernmacht witterte die Stasi überall: Jede Büttenrede, jeder Gesangsbeitrag, jedes Wagenbild des Umzugs könne vom Feind für „Störungen der staatlichen Sicherheit und öffentlichen Ordnung missbraucht werden“, notierte die Meininger Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) 1986 in einer Dienstanweisung.

einestages.spiegel.de 7.2.2013

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Sigmar Salzburg
31.01.2013 14.23
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Verleugnung der Vergangenheit

Im Nachkriegs-Deutschland kämpfte Philipp Auerbach wie kein zweiter für die Entschädigung von NS-Opfern. Politiker und Medien beschimpften ihn …

Der verteidigte in einem Gastbeitrag im SPIEGEL 1947 seine Forderungen: „Während wir im Kampf um unsere Idee gegen den Hitler-Terror kämpften und unser Leben aufs Spiel setzten, misshandelt, verkrüppelt und tyrannisiert wurden, haben große Teile von ihnen in Ruhe ihrer Beschäftigung nachgehen können oder sogar in Amt und Würden gestanden und von dem System Nutzen gezogen, das wir bekämpften. Sie hatten[,] bis die Bomben einschlugen, ihre Wohnung, ihr Heim.“

einestages.spiegel.de 31.1.2013

Die ss mußten sein – das im Spiegel-Scan verschluckte Komma wurde aber nicht nachgetragen.

Was wollen die Zitierer damit erreichen, daß sie den originalen Text verfälschen, obwohl das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, daß bei Verwendung des Originals „Nachteile nicht zu besorgen“ seien? Hier ist es archiviert:

Spiegel 18.10.1947

Wie gut, daß den Neuschreibern nicht dieser Satz in die Hände gefallen ist:
„An Euch wird wiedergutgemacht, was einst schlechtgemacht wurde.“

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Sigmar Salzburg
26.01.2013 09.36
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‚Unsre‘ Geschichte?

Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) hat zum Holocaust-Gedenktag am Sonntag dazu aufgerufen, Migranten beim Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus stärker zu beteiligen... «Wir müssen sie für das dunkelste Kapitel unserer Geschichte sensibilisieren», sagte Öney am Freitag in Stuttgart.

tagblatt.de 25.1.2013

Obwohl sich Mozart als Deutscher bezeichnet hat, beschwerten sich vor ein paar Jahren die Österreicher: „Die Deutschen wollen uns unseren Mozart wegnehmen!“ Der geborene Österreicher Hitler aber sollte Deutscher bleiben. Jetzt annektiert die in der Türkei Geborene ‚unsrere‘ Geschichte mitsamt unseren Vorfahren. Will sie sich nun mit uns gemeinsam für unsere Eltern oder Großeltern schämen, daß die Hitler nicht verhindert haben?

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Sigmar Salzburg
25.01.2013 04.45
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Wohl kaum …

Karl-Heinz Köpcke – von 1955 bis 1987

Mister Tagesschau und Sexromanautor: Michael Jackson ist der unbestrittene King of Pop, Karl-Heinz Köpke der „Mister Tagesschau“. 28 Jahre lang, war dieser Mann gern gesehener Gast in den Wohnzimmern der Nation...

Unter Köpcke, der von 1964 bis 1987 erster Chefsprecher der „Tagesschau“ war, wurden auch die Regeln festgelegt. So schrieb er ins Benimmbuch der Sprecher: „Freundlich sein, aber kein Sonnyboy, ernst sein, dem Text, der ja kaum lustig ist, angepasst, aber nicht finster.“

einestages.spiegel.de 24.1.2013

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Sigmar Salzburg
09.01.2013 06.44
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‚Dass‘ oder ‚daß‘?

Der „Spiegel“ über die Arte-Sendung:
„Hindenburg“

Hitlers wissender Vollstrecker
… Dass er dabei trotz seines Alters keineswegs senil war, zeigt ein Film auf Arte – klug, kurzweilig und erstaunlich leichtfüßig.
… Als er im Sommer 1934 im Alter von 86 Jahren starb, hinterließ er ein politisches Testament, dessen Echtheit immer wieder in Frage gestellt wurde, auf das sich der Regisseur Weinert und der Historiker Pyta nun aber ohne Zweifel beziehen: „Ich scheide von meinem deutschen Volk in der Hoffnung, dass das, was ich im Jahre 1919 ersehnte und was in langsamer Reife zu dem 30. Januar 1933 führte“, schreibt Hindenburg dort in Anspielung aufs Datum der Machtergreifung Hitlers, „zu voller Erfüllung und Vollendung der geschichtlichen Sendung unseres Volkes reifen wird.“ Das Ergebnis dieser Mission ist bekannt und hat Millionen von Menschen das Leben gekostet.
www.spiegel.de 8.1.2013

Anderswo sieht das „Testament“ anders aus:

„Ich scheide von meinem deutschen Volk in der festen Hoffnung, daß das, was ich im Jahre 1919 ersehnte …“
kampagne-potsdam.de 2.1.2003

War Hindenburg während seines letzten Lebensjahres noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte und wollte er, gut informiert als „Hitlers wissender Vollstrecker“(!), hellsichtig auch alle künftigen Verbrechen akzeptieren? Selbst die „taz“ ist vorsichtiger:

Doch als sein „politisches Testament“ bekannt wurde, gab es bald Zweifel: Hatten Andere, zum Beispiel Herr von Papen, ihm da was reingeschrieben? Einige Formulierungen schienen nicht zu von Hindenburgs Wortschatz zu passen.
Weinert erzählt das alles durchaus spannend, doch bleibt ein etwas schaler Nachgeschmack. Weinert findet keine neuen Hinweise, wie von Hindenburg auf die Nazis reagiert hat. Hatte von Hindenburg die Pogrome gegen die Juden gut gefunden? Hatte er wirklich Hitler beglückwünscht, als dieser rund 200 Menschen, die meisten aus der SA, ermorden ließ? Hatte er gut geheißen, dass der Reichswehrgeneral und ehemalige Reichskanzler Kurt von Schleicher – auch er ein von Hindenburg hochgeschätzter Gesprächspartner – erschossen wurde? Man kann und will es sich kaum vorstellen.
taz.de 8.1.2013

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Sigmar Salzburg
30.12.2012 12.43
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Dokumentenfälschungen: Wir sollen vergessen, wie wirklich geschrieben wurde.

Lange geheime Protokolle aus dem CDU-Vorstand belegen, wie Helmut Kohl nach 1989 wirklich über die Machthaber in Moskau und das neue Russland dachte…

Der Kanzler war zutiefst beunruhigt. Und redete im CDU-Vorstand über seine Sorgen. Ehrlich und ungeschminkt, denn politische Gegner und Journalisten waren an diesem 21. Januar 1991 nicht anwesend. Doch selbst für seine engen Parteifreunde waren seine Ausführungen eine echte Überraschung.

Er jedenfalls könne den Zusammenbruch des gewaltigen Reiches „angesichts der Waffenplätze, (…) die weit über die Regionen verstreut sind“, nur „mit äußerster Skepsis betrachten“.

Im Gegensatz zu vielen vom Kalten Krieg geprägten Heißspornen in der CDU plädierte der Realpolitiker Kohl also Anfang 1991 dafür, die Sowjetunion als berechenbaren Partner zu bewahren. Noch auf einer Vorstandstagung im Februar wandte er sich gegen „ungewöhnlich törichte Meinungen, wonach sich der Koloss auflösen könnte“ und "dass sich eine russische Republik bildet, eine ukrainische Republik, mit alldem, was dazu gehört“. Zehn Monate später waren die vermeintlich „törichten“ Szenarien Realität.

Diese ungewöhnlichen Einblicke in die Gedankenwelt des Kanzlers während einer weltpolitischen Umbruchphase stammen aus lange geheimen Protokollen. Jetzt hat der Droste-Verlag den Wortlaut von Kohls Vorträgen im CDU-Bundesvorstand akribisch dokumentiert („Helmut Kohl: Berichte zur Lage 1989 – 1998“). Das voluminöse Buch bietet Einsichten in Entscheidungen, die oft ähnlich spannend sind wie die diplomatischen Depeschen des US-Außenministeriums, die WikiLeaks 2010 veröffentlicht hatte…

Etwa am 9. Oktober 1989. Erich Honecker war zu diesem Zeitpunkt in der DDR noch an der Macht und die Demonstrationen gegen das SED-Regime hatten gerade erst begonnen. Doch Kohl war sich am 9. Oktober schon sicher: „Ich glaube nicht, dass die Sowjetunion und dass Gorbatschow hier eingreift.“

… Selbst noch nach dem Mauerfall im November 1989 äußerte er seine Skepsis, „ob dieser Weg zu einem guten Ende findet“. Und im Januar 1990 schärft er seinen CDU-Vorstandsmitgliedern ein, dass „unser Interesse sein muss, dass Gorbatschow mit seiner Perestroika nicht untergeht“…

Zum Weiterlesen [der orthographischen Geschichtsfälschungen]:

Helmut Kohl: „Berichte zur Lage 1989 – 1998“. Droste Verlag, Düsseldorf 2012, 1150 Seiten.

einestages.spiegel.de 28.12.2012

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Sigmar Salzburg
22.12.2012 15.47
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In der ehemaligen Stalinallee

Die bekanntesten Bauwerke in diesem Abschnitt sind das Haus des Lehrers mit der 125 Meter langen „Bauchbinde“ des Malers Walter Womacka, das Café Moskau, das Filmtheater International sowie die legendäre Mokka-Milch-Eisbar. In jenem Ost-Berliner Jugendtreff, wurde laut Stasi-Akten 1971 erstmals die Verbreitung von Rauschmitteln nachgewiesen. Außerdem stellten die Spitzel fest, "dass unter den negativen Jugendlichen, die in der Mokka-Milch-Eisbar verkehren, oft über Pläne zum illegalen Verlassen der DDR gesprochen wurde“.

einestages.spiegel.de 19.12.2012

Wie hier schon des öfteren festgestellt, legten die Stasi-Spitzel ihre Notizen nicht selten vorausschauend in der Reformschreibung von 1996 an, um später ihre kritische Distanz zum Regime dokumentieren zu können.

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