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Rat für deutsche Rechtschreibung
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Norbert Lindenthal
25.02.2006 05.45
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„Rechtschreibrat bald am Ende“

Merkur online

„Rechtschreibrat bald am Ende“

Reform-Gegner Ickler rechnet mit Auflösung und verlässt Gremium

Mehr als ein Jahr kämpfte Theodor Ickler im Rat für deutsche Rechtschreibung für Korrekturen der Reform. Jetzt hat der Erlanger Germanist das Gremium verlassen. „Dieses unfertige Reform-Gebilde trage ich nicht mit“, begründet Ickler seine Entscheidung.

Was hat Sie zum Austritt bewogen?
Theodor Ickler: Der Rat stand in den letzten Wochen unter einem extremen Termindruck. Bis zum Treffen der Kultusminister Anfang März sollten unbedingt abschließende Empfehlungen vorliegen, damit die Kultusminister rechtzeitig vor dem neuen Schuljahr eine Entscheidung fällen können. Wegen des künstlich erzeugten Termindrucks wurden große Teile der Reform überhaupt nicht mehr behandelt.

Zum Beispiel?
Ickler: Die Regeln zur Laut-Buchstaben-Zuordnung wie „Gräuel/Greuel“ oder die Schreibweisen von Fremdwörtern kamen nicht mehr zur Sprache. Aber auch die Groß- und Kleinschreibung wurde nur zur Hälfte behandelt. Viele schwere Fehler werden dadurch ab Herbst in den Schulen verbindlich. Ich bin nicht bereit, dieses unfertige Gebilde mitzutragen. Mit guten Gewissen kann ich diese unausgegorene Machwerk nicht auf die Schulen loslassen.

Damit kritisieren Sie aber auch die Arbeit des Ratsvorsitzenden Hans Zehetmair.
Ickler: Anfangs habe ich Hans Zehetmair stets verteidigt, weil ich ihm einen Vertrauensvorschuss gewährt habe. Aber wie er vor den Kultusministern eingeknickt ist und sich deren Terminplan überstülpen hat lassen _ das hat mich schockiert.

Sie haben von Anfang an die Zusammensetzung des Rates kritisiert. War dies auch ein Grund für den Austritt?
Ickler: Die Besetzung des Rates ist grotesk. Außer mir gibt es keinen Reform-Gegner in dem Gremium. Ursprünglich wollte ich daher nicht in den Rat. Dann hatte ich gehofft, mehr zu erreichen. Das wäre auch möglich gewesen, wenn sich der Rat nicht diesem Termindruck gebeugt hätte.

Wird dem Rat also künftig kein Reform-Gegner mehr angehören?
Ickler: Der Schriftstellerverband PEN wird einen Nachfolger für mich in den Rat schicken. Es ist auch gut, dass das PEN-Zentrum weiter vertreten ist. Ich persönlich fühle mich auf jeden Fall wieder deutlich unabhängiger.

Der Rat ist auf sechs Jahre gewählt. Wie geht es jetzt weiter?
Ickler: Ich schätze, der Rat wird nicht mehr lange durchhalten und bald aufgelöst. Er hat ja jetzt keine Aufgabe mehr. Offiziell soll das Gremium zwar die Entwicklung der Sprache beobachten. Aber dafür fehlen absolut die Instrumente.

Das Gespräch führte Steffen Habit


Datum: 24.02.2006 23:20 Uhr

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DS
24.02.2006 20.55
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Ja, da kann man nur noch gehen

FAZ vom 25.2.2006 S. 37

Rechtschreibreform
Ja, da kann man nur noch gehen
Von Theodor Ickler


24. Februar 2006 Als die Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung die Zusammenarbeit mit der kompromißbereiten Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verweigerte, wurde sie kurzerhand entlassen und durch den „Rat für deutsche Rechtschreibung” ersetzt. Dessen Zusammensetzung ließ nichts Gutes erwarten, denn es saßen fast nur die bekannten Reformbetreiber darin, darunter sieben von zwölf Mitgliedern der aufgelösten Kommission. Trotzdem folgte ich im Frühjahr 2005 der Bitte des P.E.N.-Zentrums, die Interessen der Schriftsteller zu vertreten. Die dritte Sitzung war die erste richtige Arbeitssitzung und auch für mich die erste.

München, Hanns-Seidel-Stiftung, 8. April

Der Rat ist ziemlich vollzählig versammelt, ein Aufpasser der KMK sitzt immer dabei. Als erstes hat der Rat sich für alle Beschlüsse eine Zweidrittelmehrheit verordnet und auch schon von der KMK genehmigen lassen. Damit ist sichergestellt, daß keine Korrektur der neuen Regeln gegen den Willen der Reformbetreiber zustande kommt. Sehr schlau, aber nicht mehr zu ändern.

Der Altreformer Horst Sitta beantragt die Streichung des Tagesordnungspunktes „Getrennt- und Zusammenschreibung”, da zu wenig Zeit zur Vorbereitung gewesen sei. Verblüfftes Schweigen, denn nur wegen dieses Punktes ist der Rat heute zusammengekommen. Der Vorsitzende Zehetmair versucht die Lage zu retten, die durch Sittas scharfen Ton noch peinlicher geworden ist. Weitere Wortmeldungen in diesem Sinne. Ich selbst weise darauf hin, daß die Zeit zwar knapp, für Fachleute, die sich jahrzehntelang mit der Sache beschäftigt haben, aber ausreichend gewesen sei, außerdem darauf, daß ich für diejenigen, die nicht so mit der Materie vertraut sind, einen Kommentar versandt habe, der die Grundzüge und Hauptfolgen leicht erkennen läßt. Sitta stellt fest, daß bei ihm „Post vom P.E.N. ungelesen in den Papierkorb wandert”. Der Antrag wird abgewiesen, bei einer Gegenstimme.

„Damit uns nichts Unangenehmes passiert”

Ein Schulbuchautor berichtet, daß der hessische Ministerialrat Stillemunkes einem Schulbuch die Zulassung verweigert habe, weil darin nicht der Wortlaut der Rechtschreibreform wiedergegeben sei. Dabei beherrscht Stillemunkes die neue Rechtschreibung selbst nicht, wie seine fehlerhafte Broschüre „Rechtschreibung gut erklärt” beweist. Aber die hessische Landesregierung ist das Zentrum der Reformdurchsetzer. Das sieht ja auch der Verband der Schulbuchverleger so, der seine Agitation daher mit großem Erfolg auf Roland Koch und seine Schulministerin konzentriert. In den Rat haben die Schulbuchverleger den Klett-Lektor Michael Banse entsandt, „damit uns allen nichts Unangenehmes passiert”, wie es in einem internen Papier heißt.

Peter Eisenberg, der Kopf der Arbeitsgruppe Getrennt- und Zusammenschreibung, spricht den selbstverständlichen Grundsatz aus: Orthographie ist in erster Linie eine sprachliche Tatsache, und Tatsachen müssen respektiert werden. Die Reformer sind vom Gegenteil ausgegangen.

Die Altreformer wie Peter Gallmann wollen bei „eindeutigen” Regeln bleiben, auch wenn sie grammatisch bedenklich sind und vom Sprachgebrauch abweichen. Eisenberg und ich halten dagegen, wirkliche Einfachheit bestehe nicht darin, daß der Lehrer eine Regel einfach formulieren kann, sondern darin, daß der Schreibende sie nach seiner Intuition und Leseerfahrung ohne Zögern anwendet.

Orientierung am Usus

Kontrovers ist zwischen Eisenberg und mir die obligatorische Zusammenschreibung von „leidtun” anstelle der absurden Neuschreibung „Leid tun”. Eisenberg argumentiert: Da es für die Wortgruppe „leid tun” keine syntaktische Analyse gibt, muß zusammengeschrieben werden. Wo bleibt da die Orientierung am Usus? Für eine übliche Schreibweise ist es doch gleichgültig, ob Eisenberg sie analysieren kann oder nicht. Wir brechen die Diskussion ab, weil sie einigen Anwesenden zu linguistisch wird.

Der unmögliche Terminplan kommt zur Sprache; die KMK will ja bis August 2005 Ergebnisse sehen. Viele ahnen immerhin, daß bisher nur ein kleiner Teil der Probleme überhaupt diskutiert worden ist. Zehetmair stellt fest, der Zeitplan liege nicht in der Hand des Rates, sondern sei wie die Rangliste der Themen von der KMK vorgegeben. Im Statut steht davon allerdings kein Wort. In der kurzen Zeit kann die verkorkste Groß- und Kleinschreibung gar nicht mehr behandelt werden. Zehetmair bekennt noch einmal seinen kapitalen Fehler, sich als Politiker vor zehn Jahren an die Sprache herangewagt zu haben; das dürfe nie wieder geschehen.

Wie einfach könnte alles sein

Eine Arbeitsgruppe zur Worttrennung und Zeichensetzung wird eingesetzt. Es besteht die Gefahr, daß die bisher positiven Erfahrungen mit dem Rat von den Zeitungen so mißverstanden werden, als sei jetzt alles auf dem besten Wege. Das ist ganz und gar nicht der Fall. Die Verlautbarungen des Vorsitzenden während der Pressekonferenz sind allerdings Gold wert: fortschreitende Diskreditierung der Reform aus seriösem Munde.

Wie einfach könnte alles sein! „An den Schulen wird die allgemein übliche Rechtschreibung unterrichtet. Rechtschreibwörterbücher werden wie andere Schulbücher von den Kultusministerien zugelassen.” Das ist mein Vorschlag zur Entstaatlichung, er liegt seit neun Jahren auf dem Tisch, war sogar schon von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung gebilligt, bevor Eisenberg sie auf seinen Kompromißkurs brachte, um die Reform zu retten.

Mannheim, Institut für deutsche Sprache, 3. Juni

Sechs Mitglieder fehlen. Die Presse ist reichlich anwesend; die Zeitungen sind voll mit unseren Informationen: Die F.A.Z. bringt meinen Aufsatz über die Groß- und Kleinschreibung, die „Süddeutsche” hat ihre ganze zweite Seite dem Thema gewidmet, darunter Texte von Hermann Unterstöger und mir. Banse wirft mir meinen F.A.Z.-Aufsatz vor, kann aber nicht sagen, was daran eigentlich verwerflich sein soll. Das Thema Groß- und Kleinschreibung steht gar nicht auf der Tagesordnung, aber gerade das scheint die Wut der Reformer auszulösen, weil ich eben die verordnete Agenda in Frage stelle. Ludwig Eckinger, der den Beamtenbund, die GEW, die Lehrer und wer weiß wen vertritt, klopft anklagend auf die „Süddeutsche”, die vor ihm liegt. Was kann ich dafür, daß die Reformer keine so freundliche Presse haben wie wir? Sitta will den Spiegel-Artikel, in dem sein rüdes Wort über den PEN zitiert wird, auf die Tagesordnung setzen. Ziemlich komisch das Ganze, kostet aber 75 Minuten sinnlose Diskussion.

Bei den Reformern fällt die vollkommene Gleichgültigkeit gegenüber der sprachlichen Richtigkeit auf. Die guten Zeitungen, die ich als Maßstab des Schreibgebrauchs anführe, werden als elitär abgetan. Welch eine Geringschätzung der Schüler! Alle Anträge der Reformer werden überstimmt, die Änderungsvorschläge mit wachsenden Mehrheiten angenommen. Allerdings geht es auch nur darum, die Revision von 2004 auszuformulieren. Altreformer Sitta schließt mit der Bemerkung, daß auf dem nun eingeschlagenen Weg der Rechtschreibfriede nicht wiederhergestellt werden könne. Ich erinnere daran, daß Rechtschreibfriede herrschte, bevor die Reform ihn im Jahre 1996 zerstörte.

Anschlag auf die Sprache

Es fällt auf, daß Dudenchef Matthias Wermke noch niemals ein gutes Wort für den Duden eingelegt hat, in dem sich eine funktionierende Rechtschreibung und allgemeinverständliche Regeln fanden, bevor die Reform zuschlug. Wermke desavouiert die jahrzehntelange Arbeit seiner Redaktion, obwohl er genau Bescheid weiß.

Das Herumsitzen in Gremien zweifelhaftester Zusammensetzung mit dem Zweck, an der Sprache von 100 Millionen Menschen herumzubasteln, oder vielmehr an dem leichtfertigen Anschlag auf diese Sprache, ist grotesk. Warum treten wir das Ganze nicht wirklich in den Müll (wie eine große Zeitung neulich vorschlug) und vergessen es so schnell wie möglich? Sogar verzeihen würden wir es, wenn wir es nur bald los wären.

Mannheim, 1. Juli

Der Vorsitzende teilt mit: Im März 2006 werden sich die Ministerpräsidenten nochmals mit der Reform befassen. Stoiber stärkt dem Rat den Rücken, will gemeinsam mit Rüttgers am 14. Juli 2005 einen Vorstoß unternehmen, allerdings sei keine wesentliche Korrektur der Beschlüsse zu erwarten.

Der Vertreter der Union der Akademien der Wissenschaften stellt mit einiger Schärfe fest, daß er sich wie auf einer Placebo-Veranstaltung vorkomme. Ich mache darauf aufmerksam, daß laut neuer Vereinbarung der Kultusminister vom Juni die Silbentrennung nicht mehr auf dem Programm steht. Niemand scheint diese Vereinbarung und das geänderte Statut zu kennen, auch Zehetmair wirkt überrascht, als ich daraus vorlese. (Die Räte haben das Statut auch später nicht bekommen.) Zahllose Einzelfälle werden auf das spätere Wörterverzeichnis verschoben. Das stellen die Wörterbuchredaktionen in eigener Verantwortung her, der Rat wird nicht mehr dazu Stellung nehmen können.

Pflicht an der Schriftsprache

Die alberne Silbentrennung bei Fremdwörtern („Konst-ruktion”, „Diag-nose”) will fast niemand korrigieren. Meine Argumente, auch bildungspolitische, perlen ab wie Regenwasser. Hoffnungslos. Auch die Groß- und Kleinschreibung soll nach dem Willen der meisten nicht mehr geändert werden. Der Reformer Richard Schrodt meint, wenn die Groß- und Kleinschreibung verändert werde, breche die ganze Reform zusammen. Gar nicht mal verkehrt.

Zehetmair verliest einen Brief von KMK-Generalsekretär Erich Thies: Die KMK hat nicht die Absicht, die Reisekosten der deutschen Mitglieder zu übernehmen, denn es sei davon auszugehen, daß „die im Rat vertretenen Einrichtungen selbst ein originäres Interesse an der Mitwirkung im Rat haben”. Wir sind eingeladen worden, unsere „Pflicht an der Schriftsprache zu tun”, wie Ministerin Wolff es einmal ausdrückte. Dafür zahlen wir natürlich gern.

Mannheim, 28. Oktober

Diesmal fehlen schon acht Mitglieder. Zehetmair teilt mit, daß Stoiber, Rüttgers und Wulff dem Rat folgen wollen. Rudolf Hoberg will nichts von Akzeptanzbefunden hören, erklärt „99,9 Prozent” der Bevölkerung für unwissend. Für den Vorsitzer der „Gesellschaft für deutsche Sprache” eine bemerkenswerte Einstellung.

Die Abtrennung einzelner Buchstaben wird mit großer Mehrheit zurückgenommen, die Nichttrennung von „ck” leider mit noch größerer Mehrheit beibehalten. Die Blockierer sind völlig unempfindlich für den Widerspruch zur Trennung nach Sprechsilben. Immerhin wird ein großer Klumpen von Trennungen wie „Dusche-cke” beseitigt, der ebenso ärgerliche „Da-ckel” bleibt aber.

Die s-Schreibung soll auf einer Plenarsitzung diskutiert werden. Ich sehe jedoch auch hier keinerlei Änderungsbereitschaft. Angeblich kommen die Schüler problemlos zurecht. Untersuchungen gibt es natürlich nicht. Als ich feststelle, daß wir keine Schulorthographie, sondern eine Orthographie für Qualitätstexte zu machen hätten, höhnen einige Mitglieder gleich wieder, als hätte ich kein Herz für Kinder.

Mannheim, 25. November 2005

Diesmal fehlen schon zwölf Mitglieder. Wenn das so weitergeht, kann der Vorsitzende bald allein tagen. Die KMK will am 2. März 2006 über die bis dahin vom Rat korrigierten Teile abstimmen. Hierdurch entsteht ein Termindruck, gegen den Zehetmair die Unabhängigkeit des Rates verteidigt, aber auch er will bis dahin zu einem gewissen Abschluß kommen.

Die Vorlage zur Worttrennung wird mit kleinen Änderungen angenommen; ich stimme dagegen, wegen der Fremdwörter und wegen „ck”. Die revidierte Zeichensetzung wird mit großer Mehrheit angenommen, ich enthalte mich. Meiner Ansicht nach richtet die Neuregelung hier nun keinen großen Schaden mehr an, ich finde aber die Formulierung rückschrittlich und zu vage. Zehetmair berichtet schmunzelnd, neulich in Peking habe er den „Spiegel” gelesen und dabei ein „dass” entdeckt, worin er ein Signal sieht, daß auch der „Spiegel” allmählich wieder der Reformschreibung folge. Hoberg ist so taktlos, ihm durch den Hinweis, der „Spiegel” habe nie rückumgestellt, die Pointe zu verderben.

Eisenberg fliegt raus

Nach längerer Diskussion über einen Formfehler beim letzten Mal wird die AG Groß- und Kleinschreibung eingesetzt. Wie ich jedoch vorausgesehen hatte, wird der Themenbereich von vornherein unzumutbar begrenzt. Ich stimme fast als einziger dagegen.

Auf Zehetmairs offenbar dringenden Wunsch sage ich, daß ich mich in die neue AG zwar nicht hineindrängen, aber auch nicht verweigern wolle. Da meldet Banse sich plötzlich und verweist auf den Brauch, daß dieselben Mitglieder nicht zweimal in eine AG berufen werden sollen. Von einem solchen Brauch kann zwar keine Rede sein, und in der Geschäftsordnung steht auch nichts davon, aber das Argument reicht, um mich wieder aus der Gruppe herauszuschießen. Unmittelbar danach bittet Uwe Pörksen im Namen der Akademie für Sprache und Dichtung dringend darum, Eisenberg noch dazuzunehmen, und nun applaudieren dieselben Mitglieder, obwohl Eisenberg gerade führendes Mitglied der ersten AG gewesen war! Jetzt wird es Jürgen Hein (dpa) zu bunt; er weist darauf hin, daß der Rat gegen eine Regel verstößt, die er drei Minuten vorher aufgestellt hat. Eisenberg fliegt wieder raus.

Längere Diskussion darüber, wie man die widerspenstigen Zeitungen an die Kandare nehmen könne. Der Vorschlag, die F.A.Z., Axel Springer Verlag und „Spiegel” jetzt schon in die Entscheidungen einzubeziehen, wird als zu riskant empfunden. Zehetmair meint, damit könne man das Gegenteil bewirken. Es fällt das böse Wort, man dürfe diese „Krawallmacher” nicht noch durch besondere Aufmerksamkeit belohnen. Beifälliges Schmunzeln. Die Bemerkung soll nicht ins Protokoll.

Es gibt eigentlich wegen der selbstauferlegten Themenbegrenzung nichts mehr zu sagen; das Geplauder wird künstlich in die Länge gezogen. Ich fahre im (selbstbezahlten) ICE nach Hause und frage mich, in welchem Land ich eigentlich lebe.

Theodor Ickler lehrt Deutsch als Fremdsprache an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Text: F.A.Z., 25.02.2006, Nr. 48 / Seite 37
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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DS
24.02.2006 19.37
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Sprachwissenschaftler Ickler verlässt Rat für deutsche Rechtschreibung

Tagesspiegel

Austritt wegen Großschreibung

Sprachwissenschaftler Ickler verlässt Rat für deutsche Rechtschreibung

Von Amory Burchard


Berlin – Der Erlanger Sprachwissenschaftler Theodor Ickler hat am Freitag seinen Austritt aus dem Rat für deutsche Rechtschreibung erklärt. Er protestiere damit gegen die Empfehlungen zur Korrektur der Rechtschreibreform, die der Rat am Montag der Kultusministerkonferenz (KMK) übergeben will, sagte der erklärte Reformgegner dem Tagesspiegel. Ickler gehörte dem Rat als Vertreter des Schriftstellerverbandes PEN an. Der PEN will allerdings weiter im Rat mitarbeiten.

Die Vorschläge zur Groß- und Kleinschreibung hält Ickler für nicht weitgehend genug. So sei es inakzeptabel, dass weiterhin die Großschreibung für Begriffe wie heute Abend und Diät leben gelte. Andere Bereiche seien „aus angeblichem Termindruck“ gar nicht behandelt worden: die Laut-Buchstaben-Zuordnung (Stängel, Gämse) und die Fremdwortschreibung (platzieren, Schikoree).

Einen Termindruck gab es tatsächlich: Die KMK will die Änderungsvorschläge bei ihrer Sitzung Anfang März behandeln, damit sie zum 1. August in den Schulen eingeführt werden können. Ein erster Teil der Reform wurde schon im August 2005 für die Fehlerkorrektur verbindlich. Bei der KMK geht man davon aus, dass die Länderminister alle Empfehlungen – zur Getrennt- und Zusammenschreibung, Groß- und Kleinschreibung, Silbentrennung und Kommasetzung – absegnen. Allerdings sei es denkbar, die Änderungen für eine bestimmt Zeit von der Fehlerkorrektur auszunehmen, damit sich die Schüler an die für sie neuen Schreibungen gewöhnen können, hieß es gestern.

Der Vorsitzende des Rats, Hans Zehetmair, reagierte gelassen auf Icklers Rücktritt. Der Sprachwissenschaftler habe im 39-köpfigen Rat eine Minderheitenposition vertreten und sich als „nicht kompromissfähig“ erwiesen. Alle Empfehlungen seien mindestens mit Zweidrittelmehrheit beschlossen worden. Unterdessen begrüßte der Springer-Verlag die Empfehlungen. Man wolle im Laufe des März prüfen, ob man nun eine „reformkonforme Rechtschreibung“ in den Verlagsprodukten übernehmen könne.

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Norbert Lindenthal
24.02.2006 12.14
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Rechtschreibrat minus 1

derStandard.at | Kultur | Literatur
24. Februar 2006 12:20

Rechtschreibrat minus 1

Germanist und Reform-Gegner Theodor Ickler steigt aus und prophezeit „enorme Verwirrung“

Darmstadt/Erlangen – Der Germanist und Rechtschreibreform-Gegner Theodor Ickler steigt aus dem Rat für deutsche Rechtschreibung aus. „Ich bin der Überzeugung, dass sich dort nichts mehr bewegen lässt“, sagte Ickler, der bisher für den Schriftstellerverband PEN im Rechtschreibrat saß. Die Vorschläge zur Korrektur der Rechtschreibreform, die der Rat am Montag der Kultusministerkonferenz (KMK) übergeben werde, seien völlig unzureichend. „Große Teile der Reform sind überhaupt nicht mehr behandelt worden“, kritisierte Ickler.
So seien die Regeln zur Laut-Buchstaben-Zuordnung (Gräuel/Greuel) und zur Schreibung von Fremdwörtern überhaupt nicht mehr zur Sprache gekommen. „Die Groß- und Kleinschreibung ist nur etwa zur Hälfte bearbeitet worden“, bemängelte der Erlanger Hochschulprofessor. Die vorgesehene Anhörung zu diesem Thema habe gar nicht stattgefunden.

„Machwerk“

„Es ist unvermeidlich, dass jetzt eine enorme Verwirrung ausbricht, weil dieses Machwerk völlig unausgegoren ist“, sagte der Wissenschafter. Viele der beibehaltenen Regeln aus dem Reformwerk seien irreführend und fehlerträchtig. „Zehetmair soll nicht sagen können: Die Schriftsteller haben das mitgetragen und sind dabei“, sagte Ickler mit Blick auf den Ratsvorsitzenden, den früheren bayerischen Kultusminister Hans Zehetmair (CSU). Das PEN-Zentrum werde allerdings weiter im Rat mitarbeiten und möglicherweise einen neuen Vertreter entsenden.

„Es war einfach der Wunsch der KMK, zum März ein Ergebnis zu haben“, sagte Ickler. Dahinter stünden nicht zuletzt wirtschaftliche Interessen: „Der Druck der Schulbuch- und Wörterbuchlobby ist enorm.“ Besonders die großen Wörterbuchverlage hätten im Rat „eine Funktion übernommen, die ihnen gar nicht zusteht“. So hätten sie die Liste der Einzelfallregelungen allein mit der Geschäftsführerin des Rates, Kerstin Güthert, ausgehandelt. „Der Rat hat dieses Wörterverzeichnis nicht mehr gesehen.“

Was für Ickler eine „unglaubliche Verfehlung“ ist:

Besonders verärgert zeigte sich Ickler über die Beibehaltung der umstrittenen Reformen bei der Trennung von Fremdwörtern wie „Di-/agnose“ oder „Bi-/otop“. Diese missachte völlig die Herkunft der Wörter. „Das halte ich für eine unglaubliche Verfehlung und auch für eine Geringschätzung und Verachtung der Schüler, denen man das als gleichwertig vorsetzt.“ Unzureichend nannte Ickler außerdem die Änderungsvorschläge zur Zeichensetzung.

Entscheidend könnte nach Ansicht Icklers nun die Reaktion reformkritischer Medien wie der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der Blätter des Springer-Verlags sein. „Am besten wäre es, wenn sich jetzt die Medien zusammenfänden und sagten, wir bleiben einfach bei der alten Rechtschreibung.“ Möglicherweise werde sich auch trotz einer offiziellen Billigung der Vorschläge „in der Praxis eine konservative Schreibung“ durchsetzen. „Das halte ich auch für wahrscheinlich“, sagte Ickler. (APA/dpa)
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Norbert Lindenthal

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Detlef Lindenthal
19.02.2006 23.35
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Wenn alle kopf stehen:
Schreiben neu

VON MARTINA SALOMON UND REGINA PÖLL (Die Presse) 18.02.2006
Anfang März entscheiden Kultusminister über eine neuerliche Anpassung der Rechtschreibung – wirklich zufrieden ist niemand.

WIEN. „Bloß keine weiteren zwölf Stationen im Kreuzweg“, lautet die inständige Bitte von Kurt Scholz. Wobei mit der „via dolorosa“ die Rechtschreibreform gemeint ist. Der Restitutionsbeauftragte der Stadt Wien ist nebenbei auch Sprecher der österreichischen Gruppe im „Rat für deutsche Rechtschreibung“. Und er hofft, dass die am 2. und 3. März tagende Kultusministerkonferenz die in eineinhalb Jahren erarbeiteten Änderungsvorschläge annimmt. Spätestens im Herbst sollen dann die brandneuen Regeln im "Österreichischen Wörterbuch“ stehen.

Die Reform der Reform betrifft im Wesentlichen die Getrennt- und Zusammenschreibung sowie die Groß- und Kleinschreibung (Beispiele: siehe Grafik). Manches wirkt sehr gewöhnungsbedürftig – etwa: „kopf stehen“.

Hundertprozentige Zufriedenheit herrscht ohnehin nicht: „Wir sind alle nicht ganz überzeugt, dass es einfacher wird“, sagt Rats-Mitglied und Landesschulinspektor Karl Blüml. Einiges wurde liberalisiert. Doch der Wunsch nach noch größerer Schreibfreiheit sei an „starken Verbänden“, wie Korrektoren oder Lehrern, gescheitert, die „Gewissheit“ einfordern.

Aus der Sicht von Scholz ist schon vor einem Jahrzehnt eine falsche Weichenstellung passiert, die sich nun nicht mehr revidieren lässt: als man sich tendenziell zur Getrennt- und damit auch zur Großschreibung entschied. Nicht gut findet Scholz auch die Beibehaltung des scharfen "ß", das die Schweiz längst abgeschafft hat.

Dass viele Verlage auch Neuerscheinungen noch immer nach der (Ur-)Alt-Rechtschreibung drucken, findet Scholz zwar "ärgerlich, aber keine Katastrophe“. Das dauere eben. Auch in seiner Kindheit habe er noch Bücher gelesen, wo sich „Thor“ und anderes Antiquiertes fand.

Beim Österreichischen Wörterbuch hat man sich schon darauf eingestellt, die erneut angepassten Rechtschreibregeln „pädagogisch-didaktisch populär umzusetzen“, wie Herbert Fussy, Rechtschreib-Experte und Wörterbuch-Lektor, sagt. Großes Interesse an den neuen Regeln erwartet er aber weder bei Lehrern noch bei Schülern und Eltern: Durch das „ewige Hin und Her“ des Rechtschreibrates sei der „Sättigungsgrad“ bereits erreicht – was die Beschäftigung mit dem betrifft, was die Rechtschreibreform ab 1995 „eigentlich“ mit sich hätte bringen sollen: „Eine Hinwendung zu und mehr Interesse an der Beschäftigung mit der Sprache, die durch das Schreiben ja auch ausgedrückt wird“, so nennt es Fussy. Inzwischen glaubt er nicht, „dass es noch irgend jemanden gibt, der den Überblick hat“. Das Publikum, „speziell die Jugend“, habe es schwer. „Keiner weiß mehr, was seit 2004 gültig ist.“ Es sei zu einer „fatalen Anhäufung von Anpassungen“ gekommen.

Mit den jüngsten Änderungen ist der Rechtschreib-Experte nicht zufrieden. Für besonders schwierig hält er das Getrennt- oder Zusammenschreiben: Hatte man sich zunächst auf die „durchaus einfache“ Regel geeinigt, dass man nach allen Eigenschaftswörtern mit der Endung -ig, -isch oder -lich getrennt weiterschreibt (etwa „Glücklich sein“), sei dies nach 2004 erneut in Frage gestellt worden.

Ab März sollen wieder die "übertragene Bedeutung“ des Wortes und die Betonung entscheiden. Das heißt: Während zuletzt „durcheinander reden“ korrekt war, muss es künftig ausnahmslos „durcheinanderreden“ heißen, weil die Betonung auf „durcheinander“ liegt. Bisher wurden „aufeinander“, „miteinander“ und „durcheinander“ vom folgenden Verb getrennt. In den Augen Fussys war das eine „einfache Regelung, die vom Publikum leicht akzeptiert wurde“.

Dass diese nun wieder fallen soll, nachdem sie Schüler seit zehn Jahren angewendet und mit diesem Wissen ihre Ausbildung beendet haben, erscheint dem Wörterbuch-Fachmann nicht ideal. Bei den sogenannten resultativen Verben, die einen Vorgang mit Ergebnis beschreiben wie etwa „blankpolieren“, hätten die Schüler „zumindest den Vorteil“, dass sie es künftig zusammen oder getrennt schreiben dürfen und dieser Text in beiden Fällen positiv benotet werden muss.

Dass die Rechtschreibreform hinter den Wunschvorstellungen vieler zurückbleibt, schreibt Fussy auch dem Umstand zu, dass der Rechtschreibrat „politisch“ besetzt wurde – mit Experten, die sich „vor allem aufs Entscheidung finden und treffen“ verstehen. Fussys Fazit der beinahe endlosen Geschichte: „Ich bin heilfroh, dass es endlich vorbei sein wird.“
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Detlef Lindenthal

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Sigmar Salzburg
15.02.2006 18.34
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Zehetmair, der einzige, der sich mit der Reform befaßt hat

ORTHOGRAFIE / Hans Zehetmair, der Vorsitzende des Rats für deutsche Rechtschreibung, fordert einen individuelleren Umgang mit den Regeln


„Die Sprache lebt“

Mit den Regeln, die der Rat für deutsche Rechtschreibung vorlegt, werden umstrittene Partien der neuen Rechtschreibung obsolet. Wenn die Kultusministerkonferenz das Regelwerk, wie zu erwarten, im März annimmt, wird es mit dem Schuljahr 2006/07 verbindlich. Auch die bislang an der herkömmlichen Schreibung festhaltende „FAZ“ schwenkt um: „Ich halte die Vorschläge des ,Rats für deutsche Rechtschreibung‘ in großen Teilen für vernünftig“, erklärte Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Zeitung, dem Rheinischen Merkur: „Zehetmair hat eine großartige Leistung vollbracht, indem er wiederherstellte, was wirklich untragbar war. Die FAZ wird sich diesen Vorschlägen anschließen können.“ Damit lässt sich ein Ende des orthografischen Streits absehen. hjn

[Einfügung von Merkur: Inzwischen hat die "FAZ" Ihren Schwenk in Sachen Rechtschreibung dementiert: "15. Februar 2006 Einige Vorschläge, die der vom früheren bayerischen Kultusminister Hans Zehetmair (CSU) geleitete Rechtschreibrat unterbreitet hat, stellen die alte Rechtschreibung wieder her, zu der die Frankfurter Allgemeine Zeitung schon im Jahr 2000 zurückgekehrt war. Nur dafür wurde Hans Zehetmair von F.A.Z.- Mitherausgeber Frank Schirrmacher in einem Gespräch mit der Wochenzeitung „Rheinischer Merkur” gelobt. Die F.A.Z. wird auch die weiteren Vorschläge des Rats für Rechtschreibung sorgfältig prüfen. Medienberichte, die nach dem Interview einen „Schwenk” der F.A.Z. in Sachen Rechtschreibung unterstellen, entsprechen nicht den Tatsachen." Text: FAZ.NET]

RHEINISCHER MERKUR: Die Lage der deutschen Rechtschreibung ist chaotisch. Wie konnte es dazu kommen?

HANS ZEHETMAIR: Die Frage kann ich nur bedingt beantworten, weil ich ja durch die Kultusminister Deutschlands auf meine jetzige Position als Vorsitzender des Rats für deutsche Rechtschreibung gebeten wurde. Der wurde ins Leben gerufen, weil die Kommission für deutsche Rechtschreibung, die Vorgängerin des Rates, sich zu stark vom Sprachgebrauch der Menschen entfernt hatte. Das war kein Ruhmesblatt für die Politik. Die Politik sollte nicht glauben, sie könne oder müsse die Sprachpflege und die Schreibfähigkeit der Menschen reglementieren. Sprache lebt, sie ist ein lebendiger Organismus.


Warum haben Sie als bayerischer Kultusminister seinerzeit der neuen Orthografie zugestimmt?

Das kann ich so nicht stehen lassen. Als ich 1986 Minister wurde, war das schon im Gang; ich wurde nicht gefragt, ob ich zustimme. Man wollte meine Zustimmung haben, dass man alles kleinschreiben sollte. Als ich das erste Mal davon erfuhr, war meine spontane Reaktion: Da wird Bayern nicht mitmachen. Ich habe ein Veto eingelegt, das dazu führte, dass sich das Ganze wieder um Jahre verzögerte und schließlich auch nicht weiterverfolgt wurde. Man wollte auch den Heiligen Vater kleinschreiben! So habe ich 1995 gesagt, solange der Katholik Zehetmair Kultusminister in Bayern ist, werdet ihr es nicht hinkriegen, dass der Heilige Vater kleingeschrieben wird und der Schwarze Peter groß.

Aber Bayern, um das festzuhalten, hat nicht opponiert, ist nicht ausgestiegen aus der Reform, sondern hat mitgemacht.

Ja. Bayern hat letztlich mitgemacht.

War das ein Sündenfall der bayerischen Kulturpolitik?

Ein Sündenfall war es nicht, aber alle Länder stimmten zu, um einen Konsens herbeizuführen und das Kapitel abzuschließen. Es wird keinen geben, der sich je darüber gefreut hat; es gab viele, die es endlich vom Tisch haben wollten.

Als Sie die Arbeit im Rat aufnahmen, haben Sie von „tätiger Reue“ gesprochen. Wofür fühlten Sie sich schuldig?

Dafür, dass ich mich überhaupt hineinbegeben habe, dass ich mich habe mittreiben lassen, nolens volens, immer wieder etwas zu erneuern und zu verändern. Ich selber habe mich als einziger Minister, soweit ich feststellen kann, mit der Reform befasst und habe 1995 eine Reihe Korrekturen veranlasst. Ich habe nicht zugelassen, dass die Philosophie mit f geschrieben wurde, dass die Apotheke ihr h verlor.Ich habe gerade bei aus dem Griechischen kommenden Wörtern gesagt:Eine solche Entstellung der Sprache mache ich nicht mit. Da hat man diese 30 Korrekturen, die ich benannt habe, vorgenommen, und damit glaubte ich in etwa, das Wichtigste erledigt zu haben. Ich habe nicht registriert, dass dann Stengel mit ä geschrieben werden sollte, das „Quäntchen Glück“, „gang und gäbe“ und so weiter. Woran wir ja noch heute knabbern.

Sollten die reformkritischen Medien Ihren Vorschlägen folgen?

Ich bin ganz sicher, dass es sich letztendlich, auf Jahrzehnte gesehen, kein Printorgan leisten kann, eine völlig andere Rechtschreibung zu handhaben. Daher glaube ich, dass die reformkritischen Printmedien das Interesse haben, dass möglichst viele Korrekturen, die aus ihrer Sicht erforderlich erscheinen, durchgeführt werden. Diese Medien werden jetzt bilanzieren können, dass eine ganze Reihe von Änderungen vorgenommen wird, aber manche werden sich weiter an einigen Regelungen stoßen. Wäre es nur darum gegangen, das umzusetzen, was ich persönlich für richtig und notwendig hielt, hätte ich wesentlich weniger Probleme mit den Gazetten, die sehr stark der alten Rechtschreibung anhängen, als es so der Fall ist. Ich konnte ja nur dann Korrekturen durchbringen, wenn ich eine Zweidrittelmehrheit bekam.

Angesichts der Besetzung des Rates bedeutet diese Mehrheitsklausel faktisch, dass sich kaum etwas bewegen kann.

Sie haben Verständnis, dass ich als Vorsitzender des Rates für Rechtschreibung auch positiv in die Zukunft denken muss und daher keine negative Zwischenbilanz abgebe. Es ist ein schwerer Weg, das habe ich immer gesagt. Eine Zweidrittelmehrheit bedeutet natürlich auch manchen Kompromiss, der vielleicht für die Sprache nicht das Beste ist. Aber umgekehrt ist dies auch ein Spiegelbild für das Empfinden der Schweizer, der Österreicher und der Deutschen, um nur die drei größten Staaten zu nennen. Und wenn Sie ein Gremium mit vielen Professoren, mit Sprachwissenschaftlern und Didaktikern haben, ist es sehr schwierig, die in einen Konsens zu bringen und in eine Zweidrittelmehrheit, zumal eine Reihe von Persönlichkeiten dabei ist, die frühere Vorschläge der Kommission, die es jetzt zu korrigieren galt, selber eingebracht hatten.

Es ist ja im Zusammenhang mit der Arbeit des Rates zu Selbstbegutachtungen durch einige seiner Mitglieder gekommen. Das ist doch ein skandalöser Vorgang.

Die Zusammensetzung hat uns die Kultusministerkonferenz vorgegeben. Ich kann darüber als Vorsitzender des Rates nicht befinden. Ich kann nur sagen, dass das die Arbeit nicht erleichtert hat. Und ich analysiere mit gewissem Stolz: Bei den personellen Vorgaben, die man uns gemacht hat, bin ich erstaunt, dass ich in so vielen Fällen Mehrheitsbeschlüsse herbeigeführt habe.

Die Wörterliste wird momentan von Ihrer Geschäftsführerin in Zusammenarbeit mit zwei Wörterbuch-Redaktionen zusammengestellt, um dann als Anhang zu Ihrem Regelwerk der KMKvorgelegt zu werden. Ist es nicht etwas riskant, eine Liste einzureichen, über die der Rat gar nicht befunden hat, gewissermaßen als Katze im Sack?

Ich hoffe nicht, dass es die Katze im Sack ist, doch Sie verweisen zu Recht auf ein gewisses Risiko. Aber ich hätte sonst sagen müssen, wir schaffen das nicht bis Anfang März. Wir geben die Wortliste zunächst informell an alle Mitglieder des Rates, sodass sie sich noch kurzfristig zu einzelnen Wörtern äußern können. Ich glaube, die beiden Wörterbuchverlage und unsere Geschäftsführerin werden das so korrekt machen, dass man damit leben kann. Aber diese Wortliste kann nichts definitiv Abgeschlossenes sein, sie kann nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Wenn Sie die Geschichte der Reformen verfolgen, dann wissen Sie: Das ist ein ungemein komplexes und mühsames Unterfangen;fast jedes Mal müssen Nachergänzungen vorgenommen werden. Unser Dilemma ist, dass alle meinen, man könne alles durch Regelwerke perfekt lösen. Da lobe ich mir doch den alten Goethe, der selber schon gesagt hat, was kümmere ich mich um die Rechtschreibung, ich schreibe das so, wie ich will.

Verstehen wir Sie richtig: Sie wollen eine Subjektivierung der Rechtschreibung?

Eine gewisse Subjektivierung, ja. Ich denke, es sollte nur so sein, dass der Sprachgebrauch in Schrift und Lektüre für uns nicht eine Heterogenität hat als Leitlinie, sondern ein hohes Maß an gegenseitigem Verständnis und damit auch an Vertrautheit des Schriftbildes. Es geht nicht darum, ob irgendein Schriftsteller eine kreative Sprachschöpfung findet, das soll er, sondern es geht darum, dass er nicht provokativ wirkend vom „dass“beginnend bis zum „Leid tun“ et cetera das bewusst anders schreibt, als es gängig ist. Darum haben wir ja auch versucht, diese Korrekturen vorzunehmen.

Selbst Reformer bestreiten nicht mehr, dass die Rechtschreibsicherheit seit einigen Jahren stark erodiert. Das aber schadet besonders den so genannten „bildungsfernen Schichten“. Wer klare Regeln braucht, wird durch den aktuellen Regelwirrwarr verunsichert und zu fehlerhaften Analogien à la „Strasse“ verleitet. Daran ist doch allein die Dauerreform schuld.

Es wäre ein unredliches Schönreden, wenn man nicht konstatieren würde, dass dieses endlos wirkende Reformgerede seit den achtziger und neunziger Jahren den Menschen die Sprache und die Rechtschreibung immer leidiger gemacht hat. Was dazu führt, dass manche Erosion stattgefunden hat. Man möge aber bitte im Abstand der Geschichte registrieren, dass auch bei der letzten Reform Anfang des 20. Jahrhunderts die Unsicherheit, die Unzufriedenheit und die Drohung, zu schreiben, wie man will, grassierten. Und dass das nach einem Jahrzehnt in der unverbildeten Welt des Schreibens und des Lesens deutlich abnahm. Da spielen natürlich die Printmedien heute eine ganz große Rolle, da spielt auch die Lektüre eine Rolle. Und wie es nicht geht, dass man sich bewusst anlegt mit der Schreibe der Enzensbergers und Grass' et cetera, so muss man auch sagen, dass es natürlich einige Subjektivierungen geben darf und geben wird.

Aber das verkennt doch die schulpädagogische Realität! Die Lehrer müssen doch Rechtschreibung lehren. Da muss eine Regel gelten, Varianten, wie Sie sie jetzt vorsehen, verunsichern da doch nur!

Sie sprechen die Schwierigkeit an, vor der wir im Rat standen. Wir mussten immer wieder und wollten auf die Kinder schauen und sie aus dieser Unsicherheit herausnehmen. Wir mussten aber auch darauf achten, dass nicht ganz evident wird, dass die Nichtschulwelt beliebig anders schreibt als die Schulwelt, die ja dann auch in die Erwachsenenwelt hineinwächst und Verlässlichkeit braucht. Sie sagen, es müssen feste Regeln sein. Antwort: Ja. Aber wir müssen bei dieser Reform auch darauf achten, zumal die Kinder durch dieses Wellental geschickt wurden, dass nicht ein neuer Fehlerteufel erfunden wird, den die Lehrer dann bei den geplagten Schülern anstreichen können. Dass es dabei nicht eine völlige Homogenität zwischen der Schweiz und Schleswig-Holstein geben muss, das muss uns klar sein. Das war immer so.

Werden Sie auch in den nächsten Jahren der Vorsitzende des Rates bleiben?

Ich war nie ein Fahnenflüchtiger, und ich habe die Absicht, den Rat in ruhige Fahrwasser zu führen, nachdem es mir gelungen ist, nach den Aufgeregtheiten ein hohes Maß an Konsens herbeizuführen.

Was raten Sie der KMK? Soll sie das Reformsystem korrigieren?

Ich habe den Wunsch, dass die Kultusminister sich bewusst sind: Politik sollte sich nie mehr mit Rechtschreibung befassen. Und was die abschließende Beschlussfassung Anfang März betrifft, so wünsche ich den Kultusministern, den ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, dass sie dieses heiße Pflaster nicht länger betreten, als es unbedingt zum Abschluss sein muss.

In Zukunft sollten also nicht Politiker über die Zusammensetzung des Rates befinden?

Ich kann mir gut vorstellen, dass Ihre These sehr viel Tiefgang hat.

Die Fragen stellten Michael Rutz und Hans-Joachim Neubauer.


© Rheinischer Merkur Nr. 7, 16.02.2006

http://www.merkur.de/10719.0.html?&no_cache=1

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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
08.02.2006 20.41
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Zwei Stellungnahmen

Theodor Ickler hat auf der Seite der FDS Ergebnisse der „Anhörung“ der Verbände zu den Vorlagen des Rates für deutsche Rechtschreibung vom Januar 2006 veröffentlicht.

Eine Stellungnahme hebt sich in ungewöhnlichem Maße von der allgemeinen Mitläufer- und Anpassermentalität der meisten Verbände ab und verdient weiteste Verbreitung und Beachtung :

Deutscher Elternverein (Ulrich Kliegis)

17 Seiten umfassende sehr kritische Analyse der Vorlage und der gesamten Situation. Begrüßt die Korrekturen und fordert weitere. „Der Deutsche Elternverein bittet den Vorsitzenden des Rates für deutsche Rechtschreibung, seiner besonderen Verantwortung für den Erhalt und die Wiederherstellung der Schriftsprachsicherheit und -fähigkeit der Schülerinnen und Schüler weiterhin gerecht zu werden und die Kultusminister mit größtem Nachdruck aufzufordern, alle Schreibweisen der herkömmlichen Rechtschreibung ab sofort wieder als richtig anzuerkennen, also nicht nur nicht als Fehler zu werten, sondern auch auf Anmerkungen wie ‚überholt' und ähnliches zu verzichten. Die Sprachwirklichkeit in Deutschland folgt nicht den Regeln der „Rechtschreibreform“, sondern dem gewachsenen und sich stetig weiterentwickelnden Sprachgebrauch. Unsere Kinder haben einen Anspruch darauf, die gleiche Rechtschreibung zu lernen, wie sie von der weit überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung benutzt wird. Die Lehrinhalte müssen dem angepaßt werden.“


Die zweite Stellungnahme kommt von der GEW mit dem peinlichen Versuch, auch die freie Presse noch zu erpressen:

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (Marianne Demmer)
Tritt für die usprüngliche Reform ein, sieht in der Vorlage keine Verbesserungen.
„Bereits jetzt können wir darauf hinweisen, dass wir der Kultusministerkonferenz empfehlen werden, Vorschlägen des Rates für deutsche Rechtschreibung nur dann zuzustimmen, wenn vorher von Seiten der maßgeblichen Printmedien verbindlich erklärt wurde, den dann vorhandenen vollständigen Regelstand (also auch die geänderte s-Schreibung) zu übernehmen. (...) Sollten einflussreiche Medien bei ihrem Sonderweg bleiben oder eine neuerliche Umstellung verweigern, werden GEW und DGB der KMK davon abraten, den Empfehlungen des Rates zu folgen.“
(Die GEW war schon immer dafür, die ungemein fehlerhafte Neuregelung von 1996 unverändert durchzusetzen; Demmer hat auch 1998 vor dem BVerfG uneingeschränkt zugestimmt.)


Man bedenke: Es war zu Beginn der „Reform“ keineswegs sicher, daß die Presse mitzieht, wenn auch wohl intern schon die Fäden gezogen wurden. Nur der eilfertigen Betriebsamkeit des dpa-Chefs Dr. Wilm Herlyn ist es zu verdanken, daß sich schon 1996, zwei Jahre vor der offiziellen Einführung an den Schulen, die Zeitungen auf die „Reform“ einschwören ließen. Der Volksentscheid S-H 1998, der doch eine einzigartige kostenlose Kundenbefragung war, hätte noch zu einem Umdenken führen können. Es war also im Sinne der GEW ein kaum zu erwartender Glückfall, daß sich zunächst alle großen Zeitungen der „Reform“ unterwarfen.

Aber reicht man dem Teufel den kleinen Finger, so will er gleich die ganze Hand: Nachdem sich FAZ und Springer dem Zugriff wieder entzogen hatten, stellte er trotz verbriefter Pressefreiheit verklausulierte Ansprüche und stieß Drohungen aus: „Was die Handlungsweise einiger Verlage angeht, äußere ich mich nicht zu dem durchaus vorhandenen Reiz, einmal zu zeigen, dass die Medien die Politik nicht nach Belieben am Nasenring durch die Arena ziehen können.“ (Kultusministerin Karin Wolff). Im Gleichklang hatten schon Mitläufer wie FOCUS unter übelster Verdrehung der Tatsachen am 16.8.2004 (unter dem Titel „Revolte gegen die Schüler“!) geschrieben: „Eins aber haben die Schreibrevoluzzer erreicht: Deutschland ist wieder geteilt.“ Damit waren aber nicht die KMK-Schreibrevoluzzer von 1996 gemeint, sondern die Aussteiger FAZ, Springer und Spiegel.

Jetzt versuchen GEW und Demmer einen lächerlichen Deal, um die Unbotmäßigen doch wieder ins Boot zu holen, etwa mit folgendem Gedankengang: Wir wissen, daß euch die 96er-Reform nicht gefällt. Der Rat hat nun einige kleine Schönheitspflästerchen aufgeklebt. Jetzt könnt ihr doch ohne großen Gesichtsverlust wieder einsteigen. Wenn ihr das nicht tut, torpedieren wir die Empfehlungen des Rates. Dann bleibt die alte 96er-Regelung, die unserem Niedrigniveau ohnehin besser entspricht, und irgendwann müßt ihr schließlich doch einknicken und die Reform, dann aber unverändert, übernehmen.

Dabei wird auch deutlich gemacht, daß „die geänderte s-Schreibung“ die eigentliche Reform ist. Alles darf nachlässig gehandhabt werden. Nur darauf muß nun wirklich bestanden werden.

Es kann einem übel werden.

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Sigmar Salzburg

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Detlef Lindenthal
06.02.2006 13.14
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Orthographie
Von Rechtschreibfrieden noch keine Spur
Von Heike Schmoll

5. Februar 2006 – Wer die Arbeit des Rates für deutsche Rechtschreibung nach einem Jahr bilanziert, wird feststellen müssen, daß die Verwirrung größer ist denn je. Die Idee eines Regelwerks der Orthographie ist faktisch aufgegeben worden, in der kurzen Zeit konnte nicht einmal der Versuch gemacht werden, vom Sprachgebrauch abgeleitete Regeln zu entwickeln, die dann in den Schulen als didaktische Hilfe dienen könnten.

Klarheit schaffen werden erst die Wörterbuchredaktionen, die zum Beginn des neuen Schuljahrs vollkommen überarbeitete Wörterbücher vorlegen müssen. Erst dann wird sich zeigen, wie viele Varianten es gibt, wie unzählige vom Rat schlicht nicht bearbeitete Probleme gelöst werden, und am Ende wird womöglich das Windows-Programm pragmatisch entscheiden. Wer also glaubte, nach der vorläufig letzten Sitzung des Rates für deutsche Rechtschreibung sei der Rechtschreibfrieden eingekehrt, irrt gewaltig.

Abstimmung unter Mehrzahl von Befürwortern

Dem Vorsitzenden des Rates, dem früheren bayerischen Wissenschaftsminister Zehetmair (CSU), kann höchstens angelastet werden, daß er wiederholt dem Druck der Kultusminister nachgegeben hat; für die Zusammensetzung des Rates ist er nicht verantwortlich. Seiner geschickten Moderation ist zu verdanken, daß die Reformer zumindest ihre mageren Selbstkorrekturen leisteten.

Da dem Rat die Aufgabe zugedacht war, die Durchsetzung der Reform zu gewährleisten, wurde er fast ausschließlich mit Reformbefürwortern besetzt, darunter sieben Mitglieder der zwölfköpfigen Zwischenstaatlichen Kommission, die nach deren Auflösung sitzen blieben: alle drei Schweizer, alle drei Österreicher, dazu der Deutsche Hoberg, der jegliche Änderung an der Reform für überflüssig hält. Die übrigen Mitglieder stammen zum Teil aus dem Beirat, den sich die Zwischenstaatliche Kommission selbst gewählt hat. Die Urheber der Rechtschreibreform waren also in der klaren Überzahl.

„Kompromiß – aber vernünftig und gut”

Der Duden verfügte über sieben, das Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim über zwei Sitze. Es spielte eine wichtige Rolle. Im Statut des Rechtschreibrats war davon nicht die Rede, nur die Geschäftsstelle sollte hier ihren Sitz haben. Der Direktor des IDS übernahm die Leitung aller Arbeitsgruppen, traf Vorentscheidungen über deren Zusammensetzung und stellte ihre Vorschläge im Plenum vor.

Die Geschäftsführerin, die keine Stimme im Rat hat, erarbeitet nun mit den Wörterbuchverlagen die Wörterliste, die den Kultusministern Anfang März vorliegen soll. Nach Auffassung einiger Ratsmitglieder hat sie allerdings ihre Kompetenzen überschritten, als sie die Arbeit des Rates nicht nur darstellte, sondern auch bewertete („Natürlich sind unsere Vorschläge ein Kompromiß – aber sie sind vernünftig und gut”).

Gewaltsamer Eingriff, kein Sprachwandel

Beauftragt worden war der Rat wie die Zwischenstaatliche Kommission laut Statut damit, die Schreibentwicklung und den Sprachwandel zu beobachten und Anpassungen des Regelwerks an diese Veränderungen vorzuschlagen. Beschäftigt war er im wesentlichen damit, die mißratene Neuregelung zumindest vom gröbsten Unfug zu befreien.

Mit Sprachwandel oder gar Sprachentwicklung hatte das nichts zu tun, denn dieser vollzieht sich im Abstand von mehreren Jahrzehnten und nicht im Takt von sechs bis acht Wochen. Den Sprachwandel zu beobachten hieß eher, zu verfolgen, wie die Sprachgemeinschaft mit dem gewaltsamen Eingriff in die Sprache umgeht.

Einflußreiche Medien auf dem Sonderweg

Die Zustimmung zur Rechtschreibreform in der Bevölkerung ist inzwischen auf acht Prozent geschrumpft. Trotzdem werden die Zeitungen, die sich ihr verweigern, von den Reformbefürwortern im Rat weiter als „Krawallmacher” beschimpft. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht noch weiter: Sie macht ihre Zustimmung zur Reform in der Stellungnahme für die Kultusministerkonferenz (KMK) davon abhängig, ob vorher von den „maßgeblichen Printmedien verbindlich erklärt wurde, den dann vorhandenen vollständigen Regelstand (also auch die geänderte s-Schreibung) zu übernehmen”.

Sollten einflußreiche Medien bei ihrem Sonderweg bleiben oder eine neuerliche Umstellung verweigern, wollten GEW und DGB der KMK davon abraten, den Empfehlungen des Rates zu folgen. Wem gegenüber sollten eigentlich unabhängige Zeitungen solche verbindlichen Erklärungen abgeben? Sie können doch nur erleichtert sein, wenn sie bei der bisherigen Schreibung geblieben sind und damit noch auf der Grundlage eines einigermaßen konsistenten Regelwerks stehen, denn niemand weiß zum jetzigen Zeitpunkt, wie die Reform der Reform eigentlich aussieht. Dazu ist zu vieles ungeklärt, zu wenig systematisch ausgeführt.

Zu wenig Personal für sprachliche Sachfragen

In den Ratssitzungen wurden seitenlange Arbeitsvorlagen Satz für Satz abgestimmt, so daß selbst Kenner der Materie am Ende nicht mehr wissen, was sie eigentlich beschlossen haben. Nur vier Sprachwissenschaftler saßen im Rat, dazu die drei Vertreter der Wörterbuchredaktionen (Duden, Bertelsmann, Wahrig). Wirklich beurteilen konnten also nur sieben von 39 Ratsmitgliedern die sprachlichen Sachfragen. Das sind viel zu wenige, auch wenn der Vorsitzende des Rates meint, es seien schon ein paar Professoren zuviel im Rat gewesen.

Wer fragt, was der Rat geleistet hat, wird um eine negative Bilanz kaum herumkommen. Die weitgehende Wiederherstellung der früheren Getrennt- und Zusammenschreibung war noch von der Zwischenstaatlichen Kommission auf den Weg gebracht worden und fiel deshalb am ausführlichsten aus. Es bleibt der Beschluß, die Abtrennung einzelner Buchstaben wie in A-bend, Dusche-cke und Bi-omüll abgeschafft zu haben. Alle übrigen und durchweg punktuellen Änderungen bemänteln das vollständige Scheitern der Reform, provozieren nicht selten neue Schwierigkeiten oder erschöpfen sich in bloßer Formulierungsakrobatik.

Korrektur auf absehbare Zeit nicht möglich

Gewiß sah es aus, als widersetze sich der Rat der festgelegten Agenda der KMK dadurch, daß er die von den Kultusministern voreilig als „unstrittig” erklärte Groß- und Kleinschreibung auch auf die Änderungsliste setzte, sie aber nur teilweise korrigierte. Ungeklärt bleiben die gesamte vielkritisierte Laut-Buchstaben-Zuordnung, die unsäglichen Volksetymologien wie „belämmern” sowie weite Teile der Fremdwortschreibung. Dies gilt in eklatanter Weise für die Wiedergabe eines französischen -e, das zum Teil in ein deutsches -ee übertragen wird, manchmal aber auch nicht.

Daß dem bayerischen Kultusminister, der schon jetzt ankündigte, die überarbeitete Reform auch in Bayern einzuführen, wirklich klar ist, was da auf Lehrer und Schüler zukommt, ist zu bezweifeln. Und ob bayerische Schüler dann noch das Original der jüngsten Enzyklika des Papstes im Religionsunterricht lesen dürfen, ist nicht auszumachen, denn sie ist in alter Rechtschreibung verfaßt und weist nach dem Maßstab der Rechtschreibreform über 200 Fehler auf. Ist die halbfertige Überarbeitung erst einmal für die Schulen verbindlich, dürfte eine weitere Korrektur auf absehbare Zeit nicht mehr möglich sein. Wer sollte auch dazu bereit sein? Der Rat für deutsche Rechtschreibung wohl kaum.

Text: F.A.Z., 06.02.2006, Nr. 31 / Seite 10
http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E51D0A64326324B488B0997C83269126D~ATpl~Ecommon~Scontent.html
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Detlef Lindenthal

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Detlef Lindenthal
05.02.2006 14.37
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Aus „du“ wird in Briefen wieder „Du“
Rechtschreibrat schließt Arbeit ab – Endgültige Entscheidung liegt bei Kultusministern

Berlin/Mannheim – Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat empfohlen, bei der umstrittenen Groß- und Kleinschreibung von Wörtern künftig den Wortsinn stärker in den Vordergrund zu stellen und die Schreibweise von der Betonung abzuleiten.


Anmerkung:
Und dies ist haargenau (oder jedenfalls recht genau) das Prüfmerkmal dafür, ob etwas ein Wort ist oder ob es mehrere Wörter sind. Schade, daß der RfdR sich bisher noch nicht der Wissenschaft und der freien Rede geöffnet hat! Denn dann hätte er dieses wichtige Wissen schon vor anderthalb Jahren in den Erkenntnisvorgang einfließen lassen können: Dies Merkmal hatte ich 2001 im ersten Sachbeitrag dieses Forums bereits genannt und des öfteren wiederholt, aber das nachmalige RfdR-Mitglied Prof. Ickler hat damals meinen Vortrag nicht gelten lassen wollen; ja, schade.
Mit diesem Änderungsvorschlag schloß das Gremium am Freitag nachmittag in Mannheim seine Arbeit vorläufig ab.

Der Vorsitzende des Rats, Bayerns früherer Wissenschaftsminister Hans Zehetmaier (CSU), nannte nach der Sitzung als Beispiel für die neue Regelung das „Schwarze Brett“ als Synonym für eine Mitteilungstafel. Die Kleinschreibung sei möglich, wenn allein die Farbe gemeint sei. Gleiches gelte für die „Graue Maus“, erläuterte er. Entsprechend solle „ich habe Angst“ und „mir ist angst“ geschrieben werden. Es gebe einen gleitenden Übergang von Adjektiv und Substantiv, die durchgängige Groß- oder Kleinschreibung der Rechtschreibreform

„die durchgängige Groß- oder Kleinschreibung der Rechtschreibreform“ ---??? Was, bitte, an der RS„R“ und ihren Schreibungen ist „durchgängig“?
würde damit beendet. Das „Du“ in Briefen soll außerdem wieder groß geschrieben werden.

In anderen Fällen spricht sich der Expertenrat hingegen für verbindliche, neue Schreibweisen aus. Statt „Pleite gehen“ soll künftig „pleitegehen“ geschrieben werden, statt „Spitze sein“ die Schreibweise „spitze sein“ gelten. Auch bei „jenseits von gut und böse“ spricht sich der Rat für die künftige Schreibweise „jenseits von Gut und Böse“ aus.

Bereits am Donnerstag hatte das Land Bayern angekündigt, die nachgebesserte Rechtschreibreform nun umsetzen zu wollen. „Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist mit hochqualifizierten Experten besetzt. Daher werde ich den Vorschlägen der Fachleute folgen“, sagte Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) der WELT.

Wird er Herr Schneider für das Verantwortungabwälzen oder aber für das Selbstdenken und Selbstverantworten bezahlt? Zustände wie vor 70 Jahren!
Im vergangenen August hatten 14 Bundesländer die neue Rechtschreibung für Schulen und Behörden verbindlich eingeführt.

samt Wörter-Verboten ... allerdings: Was ist eigentlich mit „verbindlich“ gemeint?
Nur Bayern und Nordrhein-Westfalen ließen daneben auch noch die alte Rechtschreibung gelten, weil sie zunächst die Klärung der noch strittigen Schreibweisen im Rat für deutsche Rechtschreibung abwarten wollten. In Nordrhein-Westfalen zögert man allerdings noch immer mit der verbindlichen Übernahme der nun überarbeiteten Regeln. „Wir werden uns die Sache nun sehr genau anschauen“, sagte Kultusministerin Barbara Sommer (CDU) der WELT.

Anschauen „nun“, aber vorher nicht? Außerdem ist das eine leere Versprechung; denn kein einziger Kultusminister und kein Ministerpräsident hat sich bisher irgend etwas genau angeschaut; kein einziger unterrichtender Deutschlehrer hat sich die angeblich 112 angeblichen Regeln der angeblich „amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung“ (siehe Duden _21 bis _23) ernsthaft angeschaut – alle Reformierereien sind unverantwortbare Experimente mit unseren Kindern und mit unserer Schriftsprache, dem wichtigsten Arbeitswerkzeug am Hochtechnologiestandort Deutschland.
Die Arbeit des Rechtschreibrates hatten erst vor wenigen Tagen Schweizer Sprachwissenschaftler scharf kritisiert. In einem offenen Brief an den Präsidenten der Schweizerischen Konferenz der Kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) beklagte sich der sogenannte Sprachkreis Deutsch darüber, daß die Reform nur eingeschränkt überarbeitet würde.

Haben die Schweizer sich jetzt der ß-Schreibung angeschlossen, oder scheren sie darin aus der Reform aus und verweigern die vorgebliche „Eintheitlichkeit“ (ohne daß eine Lehrer- oder KuMi-Schelte erfolgt)?
70 % der Bücher von Schweizer Verlagen werden, so hört man, mit ß gedruckt. Nur in der Schule darf kein ß unterrichtet werden?!

Der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zufolge bemängelte überdies der Schweizer Lehrerverband, daß der Vorsitzende und die große Ratsmehrheit die anstößigsten Fälle pragmatisch lösten und es unterließen, die Konsequenzen für das gesamte Regelwerk zu untersuchen. Auf diese Weise sei die „verunglückte Lösung zwar von den übelsten Unfugkonstruktionen befreit, gleichzeitig aber systematisch verschlimmbessert worden“. Außerdem habe der Rechtschreibrat nicht den Mut gehabt, die neuen Schreibweisen wieder abzuschaffen, sondern habe sie als Varianten erhalten.

Die KMK will am 2. März über die Empfehlungen beraten. In politischen Kreisen erwartet man, daß die „Reform der Rechtschreibreform“ ab dem kommenden Schuljahr von allen 16 Bundesländern umgesetzt wird. Die neuen Schreibweisen würden dann in allen Schulen und auch Behörden als verbindlich gelten.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung mit seinen Mitgliedern aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Südtirol und Liechtenstein wird seine Arbeit jedoch fortsetzen. Seine Aufgabe besteht fortan darin, die Sprachpraxis zu beobachten und gegebenenfalls neue Änderungsvorschläge zu erarbeiten. dpa/AP/JoP

Besser wäre es gewesen, hätte der RfdR in den vergangenen anderthalb Jahren die Sprachpraxis beobachtet und die richtigen und verantwortbaren Schlüsse daraus gezogen.

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Detlef Lindenthal

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Detlef Lindenthal
03.02.2006 00.29
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RECHTSCHREIBUNG

Bayern nun doch reformwillig

Seit rund fünf Monaten ist die neue Rechtschreibung verbindlich. Nur Bayern und Nordrhein-Westfalen sperrten sich bislang gegen die Reform. Jetzt hat der bayerische Kulturminister Siegfried Schneider eingelenkt. Man werde den Vorschlägen des Rechtschreibrates folgen.

Fast 19 Jahre ist es her, dass das Bundesinnenministerium und die Kultusministerkonferenz die Modernisierung der Rechtschreibung in Auftrag gaben. 17 Jahre reicht der erste Reformvorschlag zurück [Quatsch; "kleinschreibung“ gab es schon in den 20er Jahren] , zehn Jahre ist die Absegnung der Rechtschreibreform durch die Kultusminister, die Ministerpräsidenten und das Bundeskabinett her. [stimmt auch nicht]

Im August letzten Jahres traten die neuen Regeln verbindlich in Kraft, ein jahrelanges Reformprojekt schien vollendet. Nur Nordrhein-Westfalen und Bayern haben sich bislang der Neuordnung verweigert. Im Juli letzten Jahres hatte der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) nach Rücksprache mit Ministerpräsident Edmund Stoiber erklärt, man wolle die bis dahin geltende Übergangsfrist, in der neben den neuen auch die alten Schreibweisen galten, „bis auf weiteres verlängern“.

Man wollte den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung nachkommen, der seit Ende 2004 an der Korrektur des Reformwerks arbeitet und bis heute an der Neuregelung bosselt. Siebenmal trat das 39-köpfige Expertengremium bislang zusammen, für morgen ist die nächste Sitzung anberaumt, dann soll es um die Groß- und Kleinschreibung gehen und wie man Teile ihrer fragwürdigen Reformierung wieder rückgängig machen kann.

Für Bayern ist es nun genug der Revisionsarbeit. Man wolle die Rechtschreibreform einführen , wie Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) der Tageszeitung „Die Welt“ (Freitagausgabe) erklärte. Den Vorschlägen des Rechtschreibrates sei Folge zu leisten. „Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist mit hochqualifizierten Experten besetzt“, so Schneider. Die Kultusministerkonferenz sei gut beraten, den Vorschlägen zuzustimmen.

Bislang laufen die Vorschläge des Rats auf einen Rückbau der umstrittenen Reform hinaus. Auch wenn die Neuordnung 30 Gerichtsverfahren, zahlreiche Volksbegehren, einen Volksentscheid und die Anrufung des Bundesverfassungsgerichts überstanden hat: In vielen Fällen – darunter die Komma- und Worttrennungsregeln und die Anredeformen – wurde die alte Form empfohlen. Wird Einsicht am Ende womöglich groß geschrieben bei Deutschlands Reformdebakel?

dan/dpa, 2. Februar 2006
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,398779,00.html

______

Wenn ich bedenke, daß unser Herr Professor Ickler jetzt die Wörterverbote mit absegnet, so meine ich, daß es hier einen Rechtfertigungsbedarf von seiner Seite gibt: Wie, Herr Professor, rechtfertigen Sie Ihre Beteiligung am Verbot bewährter, schöner deutscher Wörter?

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Detlef Lindenthal
25.01.2006 10.00
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Das große Durcheinander

F.A.Z., 24. Januar 2006

Glosse Politik
Halbherzig

oll. Auch wenn aus der Schweizer Kritik an der Rechtschreibreform und an der Arbeit des Rechtschreibrates der Unmut über deutsche Bevormundung spricht, trifft sie einen wahren Kern. Bei allen respektablen Entscheidungen des Rechtschreibrates sind viele seiner Vorschläge nicht mehr als faule Kompromisse. Warum konnten als falsch erkannte Schreibweisen nicht abgeschafft, warum mußten sie als Varianten erhalten bleiben? Wieso läßt sich der Vorsitzende des Rates zum wiederholten Male von der Kultusministerkonferenz unter Druck setzen und will bis Anfang März die Ergebnisse der Arbeit vorlegen? Mit der revidierten Getrennt- und Zusammenschreibung hat der Rat richtige Vorschläge gemacht, aber von einer vollständigen Überarbeitung und Korrektur kann nicht die Rede sein. Das Rechtschreibchaos ist inzwischen so groß, daß zu befürchten ist, daß die Verlage der Rechtschreibprogramme das letzte Wort haben und regeln, was der Rechtschreibrat nicht ordnen konnte. Denn wer die ehemaligen Urheber der Rechtschreibreform zur Korrektur ihrer eigenen Arbeit heranzieht, wird nichts anderes erwarten können als halbherzige Lösungen.
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Detlef Lindenthal

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Detlef Lindenthal
25.01.2006 09.57
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Das große Durcheinander

Neue Zürcher Zeitung, Mittwoch, 25. Januar 2006
Kritik an Reform der Rechtschreibreform
Offener Brief an die EDK und Rückweisungsantrag des Lehrerverbands


Die deutsche Dominanz bei der Nachbesserung der Rechtschreibreform löst in der Schweiz harsche Kritik aus. Der für die Umsetzung der neuen Regeln wichtige Lehrerdachverband fordert die EDK gar auf, die Geschäftsbeziehungen zur Kultusministerkonferenz zu überprüfen.

hag. Die im deutschen Sprachraum unterschiedlich scharf kritisierte Rechtschreibreform kommt auch in der Phase der offiziellen Nachbesserung nicht aus den Schlagzeilen. Wichtige in den Reformprozess involvierte schweizerische Institutionen wie etwa der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) oder der Sprachkreis Deutsch (SKD) melden in Vernehmlassungsantworten nicht nur bezüglich der Inhalte der Nachbesserung schwere Bedenken an. Sie kritisieren auch die angebliche Arroganz und Dominanz des federführenden Rats für deutsche Rechtschreibung (RfdR), der von der deutschen Kultusministerkonferenz als Koordinationsorgan bei der Überarbeitung der Reform eingesetzt wurde. Im 38-köpfigen Rat sitzen 18 Vertreter aus Deutschland, je 9 aus Österreich und der Schweiz, je einer aus Liechtenstein und Südtirol und demnächst noch ein Mitglied aus Deutsch-Belgien.

Vernehmlassung nur über Weihnachten

In seiner Stellungnahme kritisiert der LCH zum einen die viel zu knapp bemessene Vernehmlassungsfrist – sie wurde vom RfdR nur über die Festtage angesetzt – und kritisiert schärfstens, die Schweizer Delegation sei in den bisher 7 Sitzungen vom RfdR-Vorsitzenden häufig gemassregelt worden. Anträge der Delegation bezüglich Strukturierung einer Projektarbeit, die diesen Namen verdient hätte, seien fortgesetzt ignoriert, kleingeredet oder überstimmt worden. Daher und weil die Reformvorschläge des RfdR elementare Erwartungen der Schulen nicht erfüllten, verlangt der LCH, dass die Pflege der Rechtschreibung grundlegend neu und professionell geordnet werde[,] und legt der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) gar nahe, in der Rechtschreibfrage die Geschäftsbeziehungen zur deutschen Kultusministerkonferenz zu überprüfen.

Diese gegenüber dem ursprünglichen Placet zur Reform jetzt erfolgte Verweigerung des LCH ist brisant, denn letztlich ist die Schule die wichtigste Institution beim Umsetzen neuer Reformänderungen. EDK-Präsident Ulrich Stöckling erhält zudem weitere Post in Form eines offenen Briefes. Absender ist der Sprachkreis Deutsch, zusammen mit Mitunterzeichnern wie Peter Müller, Direktor Marketing & Informatik der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA), Men Haupt, Präsident des Buchhändler- und Verlegerverbandes, oder auch Filippo Leutenegger, Nationalrat und CEO der Jean Frey AG.

Marschhalt gefordert

Im Brief wird der EDK-Präsident darauf hingewiesen, die deutschen Kultusminister hätten eingestanden, «dass die Rechtschreibreform falsch war» (Erste Ausgabe 2006 des «Spiegels»). Die Unterzeichner erinnern auch an die verursachten und anstehenden Kosten der Reform und verlangen einen Marschhalt. Sie fordern von der EDK eine längere Vernehmlassung zu den Ratsempfehlungen, die wissenschaftliche Überprüfung des ganzen Regelwerks, die Auswechslung der Schweizer Delegation im RfdR und ein Moratorium, wie es der Kanton Bern verfügt hat. Die Absichtserklärung, die die Schweiz 1996 unterzeichnet habe, verpflichte zu nichts. EDK-Generalsekretär Hans Ambühl, ebenfalls Mitglied der Schweizer Delegation, zeigte gegenüber der NZZ ein gewisses Verständnis für die Kritik. Auch er erachtet die von der Kultusministerkonferenz angesetzte Vernehmlassungsfrist als viel zu kurz und bedauert sehr, dass seit Einsetzung des RfdR die Rechtschreibreform stark verpolitisiert worden sei, was Sachlichkeit erschwere. Er kritisiert auch, dass die nun geplanten Anpassungen vom ursprünglich geplanten vereinfachten Regelwerk wegführten und die Schule zwingen würden, fast nur noch Einzelfälle und Ausnahmen zu lehren.
Sorge der EDK

Dass indes kleine Länder wie die Schweiz oder Österreich noch den nötigen Druck auf die deutsche Kultusministerkonferenz aufbauen können, bezweifelt Ambühl. Die Sorge ist begründet. Bereits Anfang März möchte die Kultusministerkonferenz die umstrittene Reform der Reform definitiv verabschieden.
http://www.nzz.ch/2006/01/25/il/articleDIP11.html

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Welch ein riesiges Durcheinander!! -- Die Schweizer müssen gerade klagen, was die Abweichung von der Generallinie betrifft: scheren sie doch bereits seit Jahrzehnten aus der gemeinsamen Rechtschreibung aus (siehe die Schreibungen Masse, Strasse).
Der Schweizer Kritik am RfdR ist zuzustimmen. Es sei denn, daß man sich durchringt, den RfdR (Mannheim) als Kabarettveranstaltung zu sehen. Denn dann ist er überaus wertvoll: Er bricht Denkkrusten auf und veralbert die Kultusminister ebenso wie die Rechtschreibschützer.
So haben es schon die meisten Kultusbürokraten, Gerichte, Zeitungsredaktionen, Buchverlage gemacht: Wer Macht und Geld hat, aber weder Argumente noch recht, veralbert die anderen.
Wer allerdings nach diesem Durcheinander als erster wieder auf den Füßen steht und seine Dinge und Argumente ordnet, geht als Sieger aus diesem traurigen Kampf hervor.
Mindestens sollte daraus ein Lehrstück von Brechtschem Ausmaß entstehen können.
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Detlef Lindenthal

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1
31.12.2005 19.34
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>>Kulturinformationszentrum des Deutschen Kulturrates und der ConBrio Verlagsgesellschaft ...

Nachricht: Zehetmair sieht sich als Moderator bei der Rechtschreibreform
Veröffentlicht von: nmz-red/leipzig · Kulturelle Bildung
Berlin (ddp). Der Präsident des Rates für deutsche Rechtschreibung, Hans Zehetmair, versteht sich als «Moderator» der deutschen Sprache. Er wolle die starren Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Rechtschreibreform abbauen, sagte Zehetmair der Nachrichtenagentur ddp in Berlin.

Die Weigerung vieler Zeitungen und Zeitschriften, die neue Rechtschreibung anzuwenden, sowie die traditionellen Lesegewohnheiten der Deutschen hätten einen Kompromiss notwendig gemacht. Nach den Korrekturen an der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Silbentrennung sowie der Interpunktion entscheidet der Rat am 25. Februar über die letzten Veränderungen bei der Groß- und Kleinschreibung. Anfang März werden die Empfehlungen des Rates der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgelegt. Für die Schulen treten die Korrekturen am 1. August 2006 in Kraft. Insgesamt zieht der ehemalige bayerische CSU-Kultusminister eine positive Bilanz der bisherigen Arbeit des Rates für deutsche Rechtschreibung. Er sei mit dem Ergebnis «sehr zufrieden», sagte Zehetmair ein Jahr nach Bestehen des Gremiums. Für das 2006 hofft er, nicht mehr so unter Zeitdruck zu geraten. «Der Rat soll in ruhigere Gewässer kommen“, sagte er. Der Rat plane vorerst nicht, noch weitere Teile der Reform anzugreifen. Fremdwörter würden nicht sofort geändert. Hier werde man abwarten, welche Schreibart sich in der Öffentlichkeit durchsetzt. <<

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Detlef Lindenthal
21.12.2005 22.18
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Mehr als Detailprobleme
Der "Änderungsumfang“ steht weitgehend fest, doch auch die Vorschläge zur Reform der Rechtschreibreform weisen viele Unstimmigkeiten auf
VON REINHARD MARKNER

Welchen "Änderungsumfang“ die kommende Revision der Rechtschreibreform haben wird, steht „weitgehend fest“. Der Rat für deutsche Rechtschreibung, der dies mitteilt, hofft auf die Zustimmung der Kultusminister, die seine Vorschläge auf ihrer Frühjahrskonferenz begutachten werden.

Das von Hans Zehetmair geführte Gremium sollte nur drei von sechs Teilen der Amtlichen Regelung überprüfen. Die anderen drei hatte die Kultusministerkonferenz im vergangenen April überraschend für „unstrittig“ erklärt. Zu diesen vorgeblich über jede Kritik erhabenen Bereichen zählt das Kapitel über die Laut-Buchstaben-Zuordnung. Der Rat hat sich an die politische Vorgabe gehalten, hier keinerlei Änderungen ins Auge zu fassen. Ein Vorstoß von österreichischer Seite, das ß nach Schweizer Vorbild ganz abzuschaffen, fand keine Mehrheit.

Die durch die Reform veränderte Verteilung von ss und ß ist bekanntlich ihr Erkennungsmerkmal. Wer, wie nahezu alle Ratsmitglieder, am Überleben der Reform interessiert ist, wird über die Nachteile der Neuregelung (bisschen, Missstand) und die Erosion der Rechtschreibsicherheit, wie sie in irrtümlichen ss-Schreibungen (fleissig, Kenntniss, Strasse) zum Vorschein kommt, gerne hinwegsehen.

Von hohem Symbolwert sind auch die Drei-Buchstaben-Regel (Flussschifffahrt) und einige auffällige Eindeutschungen wie z. B. Tipp und Potenzial. Erstaunlicherweise hält der Rat darüber hinaus an so erfolglosen Neuschöpfungen wie Krepp (für Crêpe) oder Tunfisch fest. Ihre Existenzberechtigung ist natürlich ebensowenig „unstrittig“ wie die der Schreibweisen schnäuzen oder Stängel, die auf eigenwillige Vorstellungen des führenden Reformers Gerhard Augst zurückgehen.

Der Rat signalisierte frühzeitig, in vielen Fällen der Zusammenschreibung wieder den Vorzug zu geben, was ihm das Wohlwollen der Öffentlichkeit eintrug. Übersehen wurden darüber die Defizite der vorgeschlagenen Revision der Getrennt- und Zusammenschreibung.

Den umformulierten Regeln gemäß wäre eislaufen und er läuft eis zu schreiben, staubsaugen und er saugt Staub, Rad fahren und er fährt Rad. Eislaufen zählt der Neufassung zufolge zu jenen Fällen, „bei denen die ersten Bestandteile die Eigenschaften selbstständiger Substantive weitgehend verloren haben“. Diese Begründung soll auch für die Schreibung leidtun herhalten, obwohl das Adjektiv leid keineswegs mit dem Substantiv Leid identisch ist oder jemals war. Der Rat schreibt hier ein längst erkanntes grammatisches Fehlurteil der Reformer fort und weigert sich wie diese, die herkömmliche Schreibung leid tun anzuerkennen. Aus gut tun, leid tun, not tun, leid sein, not sein machte die Reform gut tun, Leid tun, Not tun, leid sein, Not sein. Der Rat korrigiert nun zu gut tun, leidtun, nottun, leid sein, Not sein.

An den Details zeigen sich die fundamentalen Probleme

Während der Rat einerseits nicht wenige Zusammenschreibungen obligatorisch neu einführen möchte, ist er andererseits nicht bereit, alle durch die Reform für obsolet erklärten Wörter – radfahren, spazierengehen, zuviel usw. – zu rehabilitieren. Zum Teil möchte er es beim Nebeneinander beider Formen belassen – hier zu Lande neben hierzulande, mithilfe neben mit Hilfe –, zum Teil sieht er in der Einführung weiterer Alternativen – kennenlernen neben kennen lernen, maßhalten neben Maß halten – bereits die Lösung des Problems. Die heute allgegenwärtigen Übergeneralisierungen – Schreibweisen wie hervor getreten oder heut zu Tage – können so nicht zurückgedrängt werden.

Mit diesen und anderen Unstimmigkeiten konfrontiert, erklärte der Urheber der Vorlage, der Potsdamer Linguist Peter Eisenberg, in der Süddeutschen Zeitung, sich mit „so etwas wie fundamentalen Detailproblemen“ nicht abgeben zu wollen. Tatsächlich aber zeigen sich an den Details die fundamentalen Probleme der Revision. Einerseits nimmt der Rat, wie schon die von ihm abgelöste Zwischenstaatliche Kommission, wenig Rücksicht auf Sprachgeschichte, Schreibgebrauch und grammatische Richtigkeit. Andererseits schont er die mit der Reform verbundenen politischen und ökonomischen Interessen, indem er es bei minimalinvasiven Eingriffen belassen will.

Rechtschreibreform
Auf ihrer Frühjahrstagung werden die Kultusminister über die Vorschläge zur Revision der Rechtschreibreform beraten, die der Rat für deutsche Rechtschreibung inzwischen erarbeitet hat. Reinhard Markner ist Vorsitzender der Forschungsgruppe Deutsche Sprache und Historiker an der Universität Halle-Wittenberg. chp
Nicht einmal diskutiert hat der Rat das Kapitel „Schreibung mit Bindestrich“. Folglich werden selbst die Behelfsschreibungen Schluss-Strich oder Schiff-Fahrt nicht wieder aus dem Verkehr gezogen, obwohl sie, da noch unbeholfener als Schlussstrich und Schifffahrt, ungebräuchlich sind. Bleiben soll auch der 45-jährige Mann bzw. der 45-Jährige, das 8-Fache usw. Diese fehlerträchtige Vorschrift hält zur Großschreibung von Wortbestandteilen an, denen eine solche Auszeichnung nicht zukommt.

Mit Ausnahme einiger Randbereiche gilt die reformierte Groß- und Kleinschreibung ebenfalls offiziell als „unstrittig“. Der Rat hat auf seiner jüngsten Sitzung dennoch eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die dieses Kapitel überprüfen soll. Darin liegt zwar eine gewisse Unbotmäßigkeit gegenüber der KMK; der Auftrag an die Arbeitsgruppe ist jedoch ausdrücklich auf wenige Punkte beschränkt. Zudem gehören ihr mit Peter Gallmann und Karl Blüml zwei führende Reformer an, die einschneidende Maßnahmen zu verhindern wissen werden.

Der Rat bleibt zurück hinter den Erkenntnissen des 19. Jahrhunderts

Voraussichtlich wird man sich auf einige weitere Variantenschreibungen verständigen. Ein Nebeneinander von gelber und Gelber Karte, von die meisten und die Meisten ist bereits seit der ersten Reform der Reform von 2004 vorgesehen. Die Tolerierung der Großschreibung des Du in Briefen wird wohl neu hinzukommen. Die grammatisch falschen Großschreibungen Bankrott bzw. Pleite gehen könnten – wie im Falle von Leid tun – durch die Zusammenschreibungen bankrottgehen und pleitegehen ersetzt werden. An das ähnlich gelagerte Recht haben wird man hingegen kaum rühren wollen.

Unverändert bleiben sollen auf jeden Fall die ebenso häufigen wie bedenklichen Großschreibungen gestern Morgen, morgen Abend usw. sowie im Allgemeinen, des Weiteren, auf dem Laufenden usw., die allesamt als obligatorisch gelten. Diese Schreibungen wurden bereits von der Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts als grammatisch fragwürdig erkannt. Der Rat bleibt hinter diesem Erkenntnisstand zurück.

Im Bereich der Zeichensetzung hat sich der Rat dazu durchgerungen, das Komma vor erweiterten Infinitivgruppen, die mit um, ohne, statt usw. eingeleitet werden, wieder obligatorisch zu machen. Hingegen soll das Komma vor gleichrangigen Hauptsätzen, die mit und oder oder beginnen, weiterhin ins Belieben der Schreibenden gestellt sein. Die möglichen Folgen illustriert das Regelwerk mit dem Beispielsatz Ich fotografierte die Berge und meine Frau lag in der Sonne. Dort findest sich auch weiterhin der hübsche Satz Er sah den Spazierstock in der Hand tatenlos zu, der von Amts wegen ebenfalls kein Komma benötigt. Eine Beseitigung aller Mängel der reformierten Zeichensetzung findet also nicht statt.

In das Kapitel Worttrennung am Zeilenende hat man zwar redaktionell stärker eingegriffen, was jedoch nur eine einzige greifbare Konsequenz hat: Die Abtrennung einzelner Vokalbuchstaben (a-ber, Musse-he usw.) soll nicht mehr möglich sein. Weil der Rat andererseits an der Untrennbarkeit von ck festhält, können dann Acker, Ecke usw. überhaupt nicht mehr zerteilt werden.

Obwohl die Öffentlichkeit ad nauseam mit den Beispielwörtern Analphabet und Urinstinkt traktiert wurde, deren Trennung nach der je zweiten Silbe zu vermeiden sei, bleibt die Trennung Urin-stinkt im Zweifel weiterhin erlaubt, ebenso wie Urins-tinkt. Auch an Trennmöglichkeiten wie hi-nauf, he-rab, Subsk-ription, Ins-tanz findet der Rat nichts auszusetzen. Das ist weder sachlich angemessen noch zeitgemäß bei einer technischen Entwicklung, welche die Schreibenden von den Schwierigkeiten der Silbentrennung fast vollständig entlastet hat.

Falls die Vorschläge des Rechtschreibrats von den Kultusministern akzeptiert werden, womit zu rechnen ist, wird sich die amtliche Rechtschreibung in gewissem Maße der herkömmlichen annähern. Diese bleibt jedoch auch der ein weiteres Mal reformierten Reformschreibung überlegen. Wer bisher an der gewöhnlichen Orthographie festgehalten hat, darf sich bestätigt sehen.

http://www.fr-aktuell.de/ressorts/kultur_und_medien/feuilleton/?cnt=773747&cnt_page=1

______

Lieber Herr Markner,

nach dem Stand von 1996 ff. hieß es:
achtmal, 8-mal, das achtfache, das 8fache. Klaus Heller selbst gab mir 1997 die genaue Begründung, warum 8fach keinen Bindestrich bekommen darf. Falls die genannte Schreibung inzwischen geändert wurde, wird die Schreibung 8fach vermutlich nach wie vor reformkonform sein.
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Detlef Lindenthal

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Sigmar Salzburg
15.12.2005 16.13
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Kommentar

Zur „Rechtschreibreform“ wird berichtet, es werde dem Bundeselternrat, Bundesschülerrat und der Verwaltung „ein rudimentäres Mitspracherecht eingeräumt“, „es rechne aber auch niemand damit, dass der Rat für eine komplette Rücknahme votiert“ – ein Vorgehen wie in den einstigen „Volksdemokratien“:

Handverlesene „fortschrittliche Kräfte“ stimmen „demokratisch“ ab, mit Schlußredaktion durch „die Partei“ der Kultusminister.

In Schleswig-Holstein stimmten 71 Prozent der Wahlberechtigten 1998 gegen diese Reform, und dennoch wenig später die sogenannten Volksvertreter zu 100 Prozent für deren Zwangseinführung – allen voran die Vorkämpfer für Plebiszitär- und Basisdemokratie. Der ablehnende Wille der Eltern und Klassenelternräte verwandelte sich über die Schulelternräte, Landeselternräte bis zum Bundeselternrat auf obskure Weise in kritiklose Zustimmung. Bei den Schülern war es ähnlich.

Die Schulbuchverlage rechnen diese Gruppierungen sogar zu ihrer Verbändeallianz, mit anderen Worten: zu den „nützlichen Idioten“, die ihnen bei der kapitalistischen Ausbeutung von Schülern und Eltern behilflich sind.

Schulbücher werden nun nicht mehr über Jahre im Rahmen einer Lernmittelfreiheit ausgeliehen, sondern als leichtverderbliche Reformware alljährlich von den Eltern finanziert, oft über ein „Büchergeld“, das Schüler und Eltern schröpft, ohne daß sie selbst in den Besitz dieser Bücher gelangen.
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Sigmar Salzburg

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