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Sigmar Salzburg
27.09.2014 05.52
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Alibaba

Bei Spiegel online hat Georg Dietz einen „Blick in die Psychopathologie des späten Kapitalismus“ geworfen:

Die Welt, zerlegt in Suchbegriffe: Von Sex-Trash bis Hightech kann man beim chinesischen Onlinehändler Alibaba alles kaufen...

Uns interessieren vor allem die Sprach-Erzeugnisse, auf die er dort mit der Google-Übersetzungsmaschine gestoßen ist:

Warum heißt diese Firma Alibaba, habe ich mich gefragt, dieses wundersame Milliardending, diese neue Gelddruckmaschine von Jack Ma. [馬雲 / 马云, Mǎ¹ Yún; * 1964]

Die Webseite selbst liefert die Antwort: Es geht bei dem Namen nicht um das „Sesam, öffne dich“ und den Schatz der 40 Räuber – es geht um die Geschichte selbst, die den Kapitalismus am Laufen hält, um Scheherazade, die sich durchs Erzählen am Leben hält.

Die Zerlegung der Welt in Suchbegriffe

Tausendundeine Nacht also: „Zusammenpressende Abnutzungsfrauen des weiten Infrarots, 3000 Stück“ zum Beispiel oder „Fashion neue frauen schwarz weiß gestreiften promi-party sexy kurzen mini nachthemd frau tragen g0334“, zehn Stück für 11 Dollar drei Cent, oder 300 Stück „2014 neuen stil islamischen tragen muslimischen abaya“.

Was Alibaba dabei auch vorführt, dieser neue Börsengigant, dieser Instant-Mythos, dieses Über-Monopol, ist die Zerlegung der Welt in Suchbegriffe. Die Gegenwart kommt einem nackt entgegen auf dieser Seite, von Google Translate entkleidet.

„Jungfrau-brasilianisches Menschenhaar“ oder „neuankömmling modische turkish sex dessous“ oder „Blies Fitness-Studio tragen Yoga verschleiß bodybuilding frauen yoga kleidung“ oder „frauen mode benutzerdefinierte Yoga fitness verschleiß"...
spiegel.de 26.9.2014

¹) Das alte Zeichen mǎ (Pferd) zeigt noch vier „Hüfe“, wie unser Chinesischlehrer sagte. Es wurde auch in der Darstellung des Namens Marx verwendet.– Die kapitalistische Umfunktionierung des Kommunismus in China ist nach wie vor umwerfend.

Zu anderen „Leistungen“ von Übersetzungsautomaten siehe dies.

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Sigmar Salzburg
10.09.2014 08.35
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10. September 2014

Kommentar zur Einwanderung
Heute ist ein Feiertag!

Ein Kommentar von Sebastian Hammelehle

Wir gedenken der Kriege, wir bejubeln den Mauerfall. Aber dass Migration seit 50 Jahren unser Land prägt, wird von der Politik nicht wirklich gewürdigt – das ist nicht nur falsch, sondern gefährlich. Wir sollten den heutigen Tag feiern.

Es mag schwerfallen. Bitte verabschieden Sie sich für einen Moment von einigen allzu gern benutzten Begriffen aus den Waffenkammern der bundesdeutschen Verbal-Auseinandersetzung: von Multikulti, von Einwanderungsland, von Gutmensch, Kopftuch und Parallelgesellschaft. Es geht an dieser Stelle nicht darum, was Sie oder der Autor dieses Textes über Migranten denken – oder gar darum, ob wir uns gegenseitig für Sozialromantiker, Herrenmenschen, verkappte Nazis oder die nützlichen Idioten muslimischer Hassprediger halten.

Es geht darum, wie kluge, zukunftsgerichtete und entsprechend langfristig gedachte Symbolpolitik aussehen könnte.

Heute ist der 10. September. Morgen erinnern wir uns an die Attentate des 11. September. Vor zehn Tagen, am 1. September, haben wir des Beginns des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren gedacht. Am 9. November werden wir des Mauerfalls vor 25 Jahren gedenken – und es gab 2014 viele weitere Gedenktage. Der 10. September ist nicht dabei.

Dabei ist dieser Tag für die Gesellschaft der Bundesrepublik von ebensolcher Bedeutung.

Heute vor 50 Jahren, am 10. September 1964, stieg auf dem Bahnhof von Köln-Deutz der Portugiese Armando Rodrigues de Sa aus dem Zug. Feierlich begrüßt und mit einem Mofa beschenkt, war er der einmillionste jener Arbeitsmigranten in die Nachkriegsrepublik, die so beschönigend wie ausgrenzend „Gastarbeiter“ genannt wurden¹ ...

spiegel.de 10.8.2014

Im September stehen noch andere viel wichtigere und weniger willkürliche Gedenktage an, die „nicht dabei sind“:

Vor 16 Jahren, am 27. September 1998, lehnten die Bürger von Schleswig-Holstein in einem Volksentscheid die „Rechtschreibreform“ ab – stellvertretend für ganz Deutschland.

Vor 15 Jahren, am 17. September 1999, annullierte das Parteienpack im Kieler Parlament, stellvertretend auch für das mit ihm verschworene Parteienpack in den anderen Länderregierungen, diese demokratische Entscheidung des Volkes.


Die Schleimpilze vom Spiegel hatten damals nur ein paar höhnische Worte für die Betrogenen übrig.


¹) Sebastian Hammelehle (*1969) ist ein Dummschwätzer ohne Ahnung von den Zeitumständen:
Man hat bewußt das vorher übliche Wort „Fremdarbeiter“ vermeiden wollen.
Oskar Lafontaine hat es kürzlich wieder aus der Mottenkiste geholt.

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Sigmar Salzburg
18.06.2014 08.43
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Jan Feischhauer darf wieder mal ...

Streitthema Inklusion: Übergang in eine neue Welt
Eine Kolumne von Jan Fleischhauer

An deutschen Schulen hat ein radikales Bildungsexperiment begonnen: Erstmals ist für die Zulassung zu Realschule oder Gymnasium nicht mehr entscheidend, ob jemand dem Unterricht folgen kann. Was allein zählt, ist die Utopie einer Welt ohne Grenzen...

Die prominenten Befürworter der neuen Schulpolitik, die unter dem Schlagwort „Inklusion“ läuft, haben mehr im Sinn, als allen Kindern Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Für sie liegt hier der Übergang in eine neue Welt, der „Olymp der Entwicklung“, wie es der Erziehungswissenschaftler Hans Wocken, einer der entschiedensten Verfechter der neuen Lehre, formuliert hat. Man sieht, es geht nicht um die Vermittlung von Wissen, es geht um die Verwirklichung einer Utopie.

Die Idee, dass die Begabteren die weniger Begabten mit nach oben ziehen, kennt man aus der Gesamtschul-Debatte. Auch hier steht die Hoffnung auf die segensreiche Wirkung gemeinsamen Lernens am Anfang...

Ignoranz gegenüber dem Konkreten

In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ war neulich beschrieben, wie Inklusion im Extremfall in der Praxis aussieht. Berichtet wurde von einem Jungen mit „Förderbedarf in den Bereichen Lernen und emotional-sozialer Entwicklung“, wie das in der Sprache der Fachleute heißt. Es lohnt, daraus ausführlicher zu zitieren, weil es deutlich macht, auf welche Schwierigkeiten diejenigen stoßen können, die zu Beteiligten dieses Experiments gemacht werden:

„Ab und zu biss er seine Mitschüler in den Hinterkopf, machte ihnen blaue Flecken oder schlug sie ins Gesicht. Einmal schüttete er eine Flasche Apfelsaft auf seinem Tisch aus, legte seinen Kopf in die Lache und wischte dann mit den Händen darin herum. Anschließend rannte er durch die Klasse und schmierte alle Kinder an. Ruhig war der Junge nur, wenn er in einen Nebenraum geführt und in ein Gespräch über 'Star Wars' oder Ninja Turtles verwickelt wurde.“

Man kann sich nicht vorstellen, dass unter diesen Bedingungen ein geregelter Unterricht stattfinden kann, und tatsächlich findet er auch nicht statt...

spiegel.de 17.6.2014

... eine Folge der Gleichmacher-Ideologie der penetranten Gutmenschen, die uns deswegen schon den sinnlosen Kulturbruch „Rechtschreibreform“ aufgenötigt haben.

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Sigmar Salzburg
14.06.2014 07.20
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Danke, Diez!

Dank des exakten Zitats bei Spiegel online wissen wir, daß wir Sloterdijks Buch kaufen könnten, wenn wir es wollten. Daß Georg Diez in seiner Rezension völlig grundlos die AfD ins Spiel bringt und aufs Korn nimmt, läßt Rückschlüsse auf den Geisteszustand des Spiegel-Kolumnisten zu:

Futter für ein verrohtes Bürgertum: Mit seinem neuen Buch „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“ entpuppt sich Peter Sloterdijk endgültig als Reaktionär und Ressentimentlieferant. Die Wähler der AfD dürften ihn dafür feiern.

Peter Sloterdijk, der Philosoph für AfD-Wähler, der den Steuerstaat für eine großangelegte Enteignungsaktion hält und den Bürger, also den „citoyen“, für eine lächerliche Erfindung demokratischer Propaganda, hat ein neues Buch geschrieben, in dem er mal wieder zeigt, was für ein rechtskonservativer Dimpfl er tatsächlich ist.
„Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“ ist eine Kampfschrift für eine höhere Ordnung, die mit einer Beschwörung der demutstiftenden Kraft der Ursünde beginnt, es ist ein Buch in der Tradition reaktionärer Modernekritik, und das Hohnlachen des Herrenreiters hallt durch jede seiner Seiten, etwa wenn er über das Ancien Regime schreibt: "Die sensibleren Menschen spürten, wie die Zeiten zu Ende gingen, in denen das Glück der Privilegierten darin bestanden hatte, daß trotz des Auf und Ab der Verhältnisse immer alles beim alten blieb."

spiegel.de 13.6.2014

P.S. Ronald Düker bringt in der „Welt“ eine seriösere Rezension:
welt.de 14.6.2014


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Sigmar Salzburg
28.04.2014 20.21
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Feminine Fantasien

Angelika Franz berichtet bei Spiegel online:

Bei einem genauen Blick auf die archäologischen Überreste von Neandertalern entdeckten Forscher erstaunlich viele Spuren von Kindern. Die Funde verraten, wie Alt und Jung zusammenlebten... [Penny] Spikins und Kollegen [von der University of York] fanden erstaunlich viele Hinweise darauf, dass die Neandertaler ihre Kinder liebten ... [!]

„Wir wissen, dass Neandertaler und moderne Menschen miteinander Kontakt hatten. Früher stellte ich mir diesen Kontakt immer zwischen erwachsenen Männern vor, mit Speeren in der Hand, bei dem Versuch, ein Übereinkommen auszuhandeln.“ ...

„Kinder können bei diesen Kontakten zwischen Neandertalern und modernen Menschen eine viel größere Rolle gespielt haben, als wir uns bisher vorstellen konnten“, vermutet Spikins. „Vielleicht waren ausgerechnet sie es, die loszogen, um mit den etwas seltsam aussehenden Kindern aus der Nachbarschaft zu spielen.“

spiegel.de 28.4.14

Wie gut, daß nun mehr Frauen in der Wissenschaft arbeiten, die denken wenigsten noch an Kinder. Die Vorstellung, daß unsere Vorfahren mit den Neandertaler Schmuddelkindern gespielt haben könnten, ist aber eine typische Zeitgeistphantasie. Hat doch erst vor zwei Wochen Frank Patalong bei Spiegel online geschrieben:

Ähnlich wie bei William Golding hat man ... immer wieder auch Theorien über Konkurrenz, Verdrängung und Ausrottung gestrickt. Doch wenn [der spanische Forscher] Arrizabalaga Recht hat, wären sie alle falsch: Mensch und Neandertaler hätten ihr Date in Europa um etliche tausend Jahre verpasst.

spiegel.de 15.4.14

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Sigmar Salzburg
28.04.2014 06.16
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Amazon-Schleichwerbung bei Spiegels

• Nacktmull
In ostafrikanischen Halbwüsten versteckt sich der Nacktmull in unterirdischen Bauten und gilt als hässlichstes Tier der Welt. Der Firmen-Nacktmull ist ein Archivknecht, der im Souterrain sein Dauer-Domizil und seine Erfüllung gefunden hat – er zählt wegen der Digitalisierung zu den bedrohten Arten.

Jochen Leffers:
Kollegen sind die Pest. Das Lästerlexikon.
Illustriert von Leo Leowald; Kiepenheuer & Witsch; 9. März 2013; 272 Seiten; 8,99 Euro.
spiegel.de 28.4.14

Nein, nein, unter den Behaarten, Bepelzten und Befiederten dürfte der Mensch als das häßlichste Tier der Welt gelten – mit dem Charme eines gerupften Huhns.

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Sigmar Salzburg
25.04.2014 10.06
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Darf Henri aufs Gymnasium?


Henri hat das Down-Syndrom, trotzdem soll er aufs Gymnasium.


[Bild] Die Online-Petitionen richten sich an Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (SPD). Beide Seiten fordern, dass das Ministerium entscheidt.
[...]
Sollen nur so genannte „zielgleiche“ Kinder aufs Gymnasium dürfen – also Schüler, die zwar gehandicapt sind, aber intellektuell in der Lage, das Abitur zu machen? Oder auch „zieldifferente“ Kinder, die das Abitur wohl nicht schaffen werden? Henri sei ein Präzedenzfall, sagt Robert Wallitzer-Eck, der Verfasser der Petition für die Aufnahme: „Eine Ablehnung hätte eine verheerende Signalwirkung, sie würde Gymnasien die Anleitung liefern, wie sie sich ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung entziehen.“
spiegel.de 25.4.2014

Inklusionsphantasten unterminieren die effektive Arbeit der Schulen.

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Sigmar Salzburg
27.02.2014 07.47
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Milliardenflop Transrapid

Deutschland im Magnetschwebewahn
Vor 20 Jahren stimmte der Bundestag dem Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke zu. Heute fährt der Transrapid in China.
... Testmodelle erreichten Geschwindigkeiten von mehr als 500 Kilometern pro Stunde und machten damit – zumindest in der Theorie – Flugzeugen Konkurrenz. Und das Geräusch? Aus Sicht der Befürworter nicht mehr als ein geisterhaftes „Surrrrrrrrrr“.
einestages.spiegel.de 26.2.2014

Dagegen stimmte vor 16 Jahren, am 26. März 1998, der Bundestag einer gewaltsamen Veränderung der Orthographie ausdrücklich nicht zu („Die Sprache gehört dem Volk“) – sechs Monate später repräsentativ bestätigt in einer Volksabstimmung. Dennoch setzte das Kultusministerpack im Reformwahn die „Stussschreibung“ durch. Seither nerven vom fehlerträchtigen Milliardenflopp „Rechtschreibreform“ vor allem die geisterhaften „ss ... sss“.

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Sigmar Salzburg
11.02.2014 05.54
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Harte Zeiten für Rassisten

Von Frank Patalong

Der Skandinavier V. gehört zu den schillerndsten Figuren der rechtsradikalen Szene. Rund eineinhalb Jahrzehnte saß er wegen Mordes hinter Gittern. Zahlreiche Wirrköpfe hindert das nicht, seinen kruden Theorien zu folgen, die er per Internet verbreitet.

Seit einiger Zeit hat er eine Neue: ... Europäer seien nur zu „0,3 Prozent Homo sapiens“. Der Rest: Neandertaler.

Solcher Unsinn muss selbst hartnäckigen Rassisten wehtun. Fast könnten sie einem leidtun: Bisher klangen ihre Abstammungmythen doch völlig anders.

spiegel.de 8.2.2014

Erinnern wir zuerst an die kruden Theorien der Wirrköpfe der Rechtschreibreform: Großschreibung bei Verdacht auf Substantiv! Wenn Herr V. „eine Neue“ hat, so ist das hier ein Beziehungsfehler, von der „Reform“ nicht gewollt, aber begünstigt.

Absurder ist: Bis 1996 schrieb man „weh tun“ und „leid tun“. Dann wurde zehn Jahre lang „Leid tun“ und „wehtun“ befohlen, weil man sonst „Weh tun“ hätte schreiben müssen. Schließlich rettete Peter Eisenberg die „Reform“, in dem er auch „leidtun“ zusammenschreiben ließ, um der Eitelkeit und Gesichtswahrung der Kultusminister entgegenzukommen.

Zur Einstiegsgeschichte: Die Mordtat des Musikers V., damals 20, an einem Kollegen war eine Affekthandlung ohne „rechte“ Gründe. Im übrigen können heidnische Phantastereien die Kunst genauso beflügeln wie christliche Auferstehungen. Wissenschaftliche Bewertungen sind da fehl am Platz!

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Sigmar Salzburg
28.01.2014 20.56
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Wo Karl versagte

Anläßlich des 1200sten Todestages Karls des Großen wärmt der Spiegel einen älteren Artikel auf:

Wichtig war Karl auch die Bildung. Er sprach Lateinisch so gut wie seine fränkische Muttersprache und war zeitlebens davon überzeugt, dass Lernen eine unabdingbare Voraussetzung fürs Leben sei.

Nur eines konnte er nicht: schreiben.

Immer wieder hat er es versucht: Nächtens, wenn er wieder mal wach in seinem Bett lag, kramte er unter dem Kopfkissen eine Tafel hervor, setzte den Stift an und zwang sich „seine Hand an die Gestaltung von Buchstaben zu gewöhnen“, notierte Einhard. Nie klappte es richtig, und fast resignierend schrieb der Biograf, Karl habe es „hierin mit seinen Bemühungen nicht weit“ gebracht, „da er es zu spät angefangen hatte“.

Das Einzige, was er an Schriftgut hinterließ, ist der banale Federstrich unter Urkunden, die in seinem Namen ausgestellt wurden – quasi ein Testat, ein Beleg dafür, dass er mit dem Inhalt der Urkunde einverstanden war.
spiegel.de 27.11.2012

Wenn man sich zum sonstigen Wirken Karls keine Guido-Knopp-Show hereinziehen will, genügt auch die gereimte Kurz-Geschichte von Hans Flachs. Über das dort erwähnte Ende seines bekanntesten Gegenspielers kann man dann mit Prof. Gerd Althoff minimalreformiert* spekulieren.

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Sigmar Salzburg
22.01.2014 09.55
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Logik-Reform?

Mathematik bizarr
Summe aller natürlichen Zahlen ist minus 1/12


Geht Holger Dambeck bei Spiegel online einer Logikreform auf den Leim?:

Mathematik kann unlogisch wirken. Das demonstrieren zwei Physiker in einem Video: Sie addieren unendlich viele natürliche Zahlen – und kommen auf ein negatives Ergebnis. So absurd das klingt, in der Stringtheorie wird mitunter genau so gerechnet.
Wussten Sie, dass eine Katze neun Schwänze hat? Das lässt sich sogar mathematisch sauber beweisen – in nur drei Sätzen: Keine Katze hat acht Schwänze. Eine Katze hat einen Schwanz mehr als keine Katze. Daraus folgt sofort: Eine Katze hat 8 + 1 = 9 Schwänze.
spiegel.de 21.1.2014

Hier liegt ein leicht erkennbarer Kategorienfehler vor: Es wird die Anzahl vorhandener Katzen (0) mit der Aussage über eine Eigenschaft einer Gesamtheit von Katzen (keine davon) gleichgesetzt.

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Sigmar Salzburg
16.12.2012 05.22
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Hirnlose Hirnforschung

Neurowissenschaftler Felix Hasler gegen die Überbewertung von Hirn-Scans:

SPIEGEL: Sie erwähnen die „experimentelle Ironie“ als probates Mittel der Wissenschaftskritik. Was meinen Sie damit?

Hasler: Das ist ein Begriff meines Kollegen Daniel Margulies. Das bekannteste Beispiel ist der „Salmon of Doubt“, der Lachs des Zweifels. Forscher legten einen Lachs in einen MRT-Scanner und zeigten ihm Bilder von Menschen im sozialen Umgang, so wie es in Studien der „sozialen Neurowissenschaften“ typischerweise gemacht wird. Die Psychologen fanden in ihrer fMRT-Studie tatsächlich ein paar „blobs“, Regionen mit erhöhter Aktivität im Lachsgehirn. Der Witz dabei: Der Lachs im Scanner war tot.

spiegel.de 16.12.2012

Es paßt vielleicht hier nicht ganz, aber vor Jahren gab es eine Welle von billigen Sciencefiction-Horror-Filmen.
Ein Feuilletonist begann seine Kritik mit „Blob“ und setzte fort: „Ein Blob kommt selten allein...“
NB: „reformiert“ natürlich „Blopp“ – wie „Bopp“.

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Sigmar Salzburg
13.12.2012 10.58
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Spiegel-Kulturwissenschaft

Spiegel-Online bringt einen tiefschürfenden Essay zum häufigsten Bedürfnis des Mannes und der Evolution der zugehörigen Kulturtechniken und -vorrichtungen. Dabei fällt auf, daß der Verfasser das Fachwort derjenigen erleichternden Einrichtung meidet, das selbst die reformsüchtigen Wikipedophilen nicht in die „Missstandsschreibung“ zu reformieren wagten: „Pißstand“, n. Wikipedia:

Eine Pinkelrinne ist eine besondere Form des Urinals. Gelegentlich finden sich dafür noch die Bezeichnungen Pissoir (frz. Ursprungs) und Abtritt; die Bezeichnung im Standardwerk „Bauentwurfslehre“ ist Pißstand, umgangssprachlich wird sie oft als Pissrinne bezeichnet.
http://de.wikipedia.org/wiki/Pi%C3%9Fstand

Andererseits verführt die allgemeine orthographische Verunsicherung den Autor auch zur Schreibweise „Gausssche Normalverteilung“, wo reformiert „Gauß’sche Normalverteilung“ oder „gaußsche Normalverteilung“ gefordert wird, während die klassische Darstellung „Gaußsche Normalverteilung“ wäre – wozu haben wir schließlich das „ß“.

Penetrant wiederholt der Autor nochmals
Gausssche Glocke“: „Wasser scheint überall hinzuspritzen…“ – Es bestimmt eben hier wie in der einfachsten Lösung der quantenphysikalischen Schrödinger-Gleichung die Gaußsche Verteilung das Wahrscheinlichkeitsgeschehen.

„Frauen beneiden uns übrigens um unsere Urinier-Anatomie …“ Dazu hätte der Autor Klein-Ernas erste Beobachtung von Klein-Kevins Vorrichtung erwähnen können: „Oh, wie praktisch!“ Aber immerhin kommt er zu so bedeutsamen Erkenntnissen wie: „Der Baum war das stille Örtchen des Homo erectus. Sein Restroom.“

Damit begann der Frevel – die Mißachtung der Natur, die schließlich ganze Ur- und Regenwälder vernichtete und der reichen Tier- und Pflanzenwelt nur noch einen kümmerlichen Restraum beließ.

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Sigmar Salzburg
27.09.2012 07.03
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Das Buch zum deutschen Sonderweg

SPIEGEL: Tumbe Teutonen gegen den erotisierten Rest Europas?

Gauger: Na ja, man könnte uns immerhin zugute halten, dass wir weniger frauenfeindlich sind, denn wir fluchen und schimpfen auf unserer tumben Scheiße-Linie geschlechtsneutral. Sexuelle Ausdrücke jedoch werten fast immer das Weibliche ab. Zum Beispiel beim französischen „con“, ein Wort das ja eigentlich das weibliche Organ bezeichnet und mittlerweile schon gar nicht mehr vulgär, sondern bloß noch familiär so viel besagt wie „dumm, blöd, ungeschickt“. Das italienische „cazzo“, der vulgäre Ausdruck für das männliche Glied, ist da eine bemerkenswerte Ausnahme, denn der Ausruf „Che cazzo!“ heißt soviel wie „So was Doofes!“ …

SPIEGEL: Wie halten Sie es nach Jahren wissenschaftlicher Beschäftigung selbst mit dem Vulgären?

Gauger: Ich beschreibe ja nur, spiele nicht mit. Und zur Beschreibung gehört, dass es in den deutschsprachigen Ländern ab einem gewissen Bildungsniveau nicht üblich ist, zotig daherzureden. Anders als etwa in Spanien, wo zum Beispiel Professoren unter sich, wenn keine Frauen in der Nähe sind, sehr derb werden können.

spiegel.de/schulspiegel

Hans-Martin Gauger: Das Feuchte und das Schmutzige
C.H.Beck 2012

Hans-Martin Gauger, Prof. em., wurde hier bereits mehrfach genannt, das Thema schon hier angesprochen.

Nachtrag am 29.10.12: Lesenswertes zum Buch, ohne es gelesen zu haben, von Theodor Ickler bei FDS.

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Sigmar Salzburg
13.08.2012 07.25
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Nieten wohin das Auge blickt

Medaillenvorgaben des DOSB
Die Vier-Jahres-Planer

spiegel.de 11.8.2012

Leserkommentar:

5. Nieten wohin das Auge blickt
Hunter 11.08.2012

Rechtschreibreform, Hamburger Oper, Berliner Flughafen, Nürburgring, Mövenpick-Steuer, ENBW, Betreuungsgeld, Euro... das heutige Deutschland verfügt über eine Führungsschicht, die sich z.T. hochgradig durch Inkompetenz, Gedankenlosigkeit, Dilettantismus, schlichte Unfähigkeit und eine an Frechheit grenzende Verantwortungslosigkeit dem eigenen Tun gegenüber auszeichnet…

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